Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Laserworking mit Zahlungsproblemen

Garbsen Laserworking mit Zahlungsproblemen

Dem Unternehmen Laserworking Garbsen droht knapp zweieinhalb Jahre nach Übernahme durch Investoren ein Insolvenzverfahren. Die Investoren wollen den Betrieb mit seinen etwa 140 Mitarbeitern weiterführen. Betriebsrat und IG Metall sagen: Liebend gerne, aber bitte nicht so wie bisher.

Voriger Artikel
Sterne des Sports: Wacker wird Vierter
Nächster Artikel
Erntefest: Stelinger küren Bürgerkönigin

Das macht Laserworking aus: Hochpräzise schnelle Schneidmaschinen für die Produktion von Bauteilen aus Stahlblech und Edelstahl.

Quelle: Archiv/Holz

Osterwald. Laserworking hat im August ein sogenanntes Schutzschirmverfahren beantragt. Es ist am 29. August per Gericht genehmigt worden. Die Mitarbeiter erhalten statt ihres Lohnes vom Arbeitgeber seit Anfang September Insolvenzausfallgeld von der Bundesagentur für Arbeit - maximal für drei Monate. Auslöser ist nach Angaben von Firmenanwalt Oliver Liersch die drohende Zahlungsunfähigkeit. "Der Antrag ist sehr frühzeitig eingereicht und genehmigt worden. Der Betrieb wird uneingeschränkt weitergeführt", sagte Liersch am Freitag.

Das Schutzschirmverfahren

Das Verfahren bietet der Firma die Chance, eigenständig einen Sanierungsplan aufzustellen, bevor möglicherweise ein Insolvenzverfahren eröffnet wird. Die Geschäftsführung bleibt handlungsfähig, muss aber jeden Schritt mit dem vorläufigen Sachwalter Rainer Eckert und dem vorläufigen Gläubigerausschuss abstimmen. Das Ende des Verfahrens ist offen. Ansprüche der Gläubiger müssen vorerst zurückstehen hinter der Sanierung der Firma. Das Verfahren ist gedacht als Signal an Lieferanten und Kunden: Die Firma schafft das aus eigener Kraft.

Gewerkschaft kritisiert falsche Kalkulationen  

Wie denn aus eigener Kraft, fragt IG Metall Gewerkschaftssekretär Dennis Olsen? "Seit der Übernahme durch die Investoren 2015 sind wichtige Entscheidungen im Betriebsablauf nicht gefällt worden. Es kann kein 'Weiter so' geben", sagt Olsen. Sein Beispiel: Die Zeit für die Herstellung eines Produktes sei deutlich länger als kalkuliert. Auf dieser Kalkulation basiere aber der Preis. Stimmten Arbeitsaufwand und Preis nicht überein, sei die Firma nicht kostendeckend. "Diese Fehler sieht jeder Arbeiter an jeder Werkbank", sagt Olsen, "und weil das seit Monaten nicht korrigiert wird, verlieren die Mitarbeiter das Vertrauen in die Unternehmensführung."

Maschinenpark zu groß?

Der erste Eindruck von Firmenanwalt Oliver Liersch als Grund für die Krise ist ein anderer: "Möglicherweise ist der teure Maschinenpark zu groß im Verhältnis zur Auftragslage. Die Produktion ist nicht ausgelastet." Es sei der Geschäftsführung in den vergangenen Monaten nicht gelungen, Laserworking Garbsen profitabel aufzustellen. Das zu ändern, sei jetzt Teil des Sanierungsplanes. Der Betriebsrat sei an einer Lösung für die Zukunft beteiligt. "Es ist ein gutes Miteinander", sagte Liersch.

IG Metall fordert kompetente Führung

Die IG Metall streitet das nicht ab, will aber ihre Vorschläge ernsthaft verhandelt wissen. Es gehe jetzt vorrangig nicht um Lohnforderungen, Kampf gegen Entlassungen oder gar Streik, sondern um das Überleben der Firma und der Arbeitsplätze. Die Gewerkschaft sammelt Unterschriften in der Belegschaft gegen ein "Weiter so". Nach Olsens Angaben habe weit mehr als die Hälfte der Mitarbeiter unterzeichnet. Die Mitarbeiter werfen der Firmenleitung schwere Versäumnisse und fehlendes Know-how vor.

Die wesentlichen Forderungen: Neustart mit einer kompetenten Führungsmannschaft und mit realistischen Produktionsplanungen. "Natürlich reden wir auch über Tariflöhne, aber nicht vorrangig", sagt Olsen, "aber wenn Laserworking nicht noch mehr Fachkräfte verlieren will, muss beim Lohnniveau etwas passieren. Wer bei einer 40-Stunden-Woche mit 2000 Euro Brutto nach Hause gehen muss, sieht sich auch anderweitig um." Die Chancen für Facharbeiter in der Metallbranche stünden gut. "Laserworking braucht aber die Facharbeiter, wenn die Qualität gehalten werden soll", sagt Olsen. Das heutige Lohnniveau sei  - auch im Interesse des Unternehmens - nicht vertretbar.

Und jetzt?

Jetzt muss die Geschäftsführung sicherstellen, dass die Produktion reibungslos funktioniert. Jetzt müssen Lieferanten und Kunden bei der Stange gehalten werden. Sachwalter, Gesellschafter und Geschäftsführung müssen einen Plan für die Zukunft vorlegen. "Das kann ein Insolvenzplan sein. Das kann aber auch der Einstieg eines neuen Investors in die Firma sein. Es ist zu früh, um den Ausgang des Verfahrens einzuschätzen", sagt Anwalt Oliver Liersch.

Was macht Laserworking?

Laserworking ist spezialisiert auf Metallbearbeitung. Hochpräzise Laser schneiden aus Stahlblechen und Edelstahlplatten Grundformen für Bauteile - für Waggons, Gabelstapler oder Aufzüge. Die Teile werden gebogen, gelocht, genietet, verschweißt und auf Wunsch lackiert. Die Einzelteile gehen in die Montage zu den Herstellern.

Die erste Insolvenz und die Rettung

Die Firma wurde unter dem Namen b+d Laserworking 1990 von Horst Breinker und Achim Dittrich an der Ottostraße in Berenbostel gegründet. In Spitzenzeiten beschäftigte das Unternehmen mehr als 200 Menschen im Drei-Schicht-Betrieb. Der Maschinenpark war hochmodern, die Produktion weitgehend ausgelastet. 2007 zog b+d Laserworking zur Miete an den Heinrich-Nordhoff-Ring. 2012 wurde eine zweite Produktionshalle speziell für Edelstahlbearbeitung eröffnet. 2014 zeichneten sich ernsthafte Liquiditätsengpässe ab. Anfang 2015 reichte Dittrich Insolvenzantrag ein. Im April 2015 übernahm ein Konsortium aus acht lokalen und re
gionalen Unternehmern die Firma ohne die Altschulden aus der Insolvenz, investierte 
1,7 Millionen Euro Privatkapital und benannte den Betrieb in Laserworking Garbsen um. Der Betrieb galt als gerettet. Sprecher der Gesellschafter ist Dieter Lorenz, Seniorchef des Gebäudedienstleisters Habekost + Fichtner.

Lorenz hatte schon wenige Wochen nach der Übernahme von Expansion gesprochen und das Grundstück des Wertstoffhofes ins Visier genommen. Sein Grund für Optimismus damals: "Die Industrie lagert die Vormontage kleiner Bauteile aus", sagte Lorenz 2016. "Wenn wir das nicht mitmachen (und selbst montieren), sind wir ganz raus aus dem Geschäft." Die dritte Halle sollte als Montagestätte in Betrieb gehen. Der Erfolg, sagte Lorenz damals, basiere auf dem Mitdenken und Mitmachen der Beschäftigten.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6x4hh4abu291jw2indlr
Damen dominieren Heitlinger Schleppjagd

Fotostrecke Garbsen: Damen dominieren Heitlinger Schleppjagd

Lebensart-Garbsen

Viele interessante Informationen, Adressen und Unternehmen aus Hannovers Nachbarort finden Sie im innovativen Netzwerk "Lebensart Garbsen". mehr