Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Levi lernt im Unterricht mit

Havelse Levi lernt im Unterricht mit

An der Grundschule Havelse lernen 13 Kinder mit Behinderung gemeinsam mit den anderen Schülern. Betreut werden sie dabei von Förderschullehrern und Schulbegleitern. Noch ist nicht alles perfekt: Die Inklusion steckt noch in den Kinderschuhen.

Voriger Artikel
Urheber der gefälschten Schul-Mail erwischt
Nächster Artikel
Kabarett mit Tiefgang

„Wie machst du das U?“, fragt Schulbegleiterin Stephanie Sgualdini ihren Schützling Levi im Unterricht.

Quelle: Linda Tonn

Havelse. Hinter der Klassenzimmertür der 1b im Erdgeschoss der Grundschule Havelse wird das R gelernt. R, wie in Roller, Garten oder Lehrer. Während die roten Buntstifte der Mitschüler über die Arbeitsblätter fahren, formt Levis Mund Vokale: „A-E-I-O-U“ buchstabiert er undeutlich und lächelt dabei verschmitzt.

Neben dem kleinen Jungen mit der Brille und den mandelförmigen Augen sitzt Stephanie Sgualdini. Sie weicht dem Sechsjährigen nicht von der Seite, reicht ihm den richtigen Stift, erklärt geduldig, was zu tun ist. Wenn Levi plötzlich keine Lust mehr aufs Lernen hat und aus dem Klassenraum rennt, muss Sgualdini hinterher. Das kann passieren, denn Levi hat Trisomie 21, das Downsyndrom.

An der Grundschule Havelse ist er einer von 13 Schülern mit Behinderung, die gemeinsam mit den anderen Kindern lernen. Betreut von Förderschullehrern und Schulbegleitern arbeiten sie im Unterricht mit. Die Kinder lernen „inklusiv“, so nennen es die Erwachsenen. Für die Schüler der 1b ist der kleine Junge im blauen Jeanshemd einfach Levi.

Wenn Levi morgens auf den Schulhof kommt, wird er aus allen Ecken begrüßt - sogar die Viertklässler rufen „hallo“. Er ist beliebt. „Wir alle profitieren davon, dass Levi da ist“, erzählt Förderschullehrer Sönke Gabriel, der den Jungen mit Downsyndrom fünf Stunden in der Woche im Unterricht betreut. Doch in die Freude über einen fröhlichen Levi, der Freunde hat und gut lernt, mischt sich bei Lehrern und Mutter Marisol Gindorf Enttäuschung.

„Es gibt keine Ganztagsbetreuung, ich bekomme keinen Hortplatz“, erzählt die 49-Jährige. Das hatte ihr niemand gesagt, als sie für Levi eine Empfehlung für die Regelschule bekam.

Das Konzept der inklusiven Schule wurde in Niedersachsen zum Schuljahr 2013/14 eingeführt. Alle Kinder sollen eine Regelschule besuchen dürfen. „Dafür müsste man die inklusiven Klassen immer mit zwei Lehrkräften besetzen“, sagt Elke Langrehr, Leiterin der Grundschule Havelse.

Manchmal denkt Gindorf daran, was wäre, wenn Levi auf eine Förderschule ginge: „Mit einer Ganztagsbetreuung und kleinen Klassen wäre es sicherlich einfacher.“ Doch dann kommt Levi aus der Schule, bringt das neugelernte Wort „cool“ mit und imitiert quietschend seine Mitschüler. Wenn Marisol Gindorf ihren Levi so erlebt, verwirft sie den Gedanken wieder: „Wenn wir nicht den Weg für die Inklusion ebnen - wer dann?“

Von Linda Tonn

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6smre78naw4gywprer2
Willehadi-Kirche ist fast fertig

Fotostrecke Garbsen: Willehadi-Kirche ist fast fertig

Lebensart-Garbsen

Viele interessante Informationen, Adressen und Unternehmen aus Hannovers Nachbarort finden Sie im innovativen Netzwerk "Lebensart Garbsen". mehr