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Wiederholungstäter kommt mit Geldstrafe davon

Auf der Horst Wiederholungstäter kommt mit Geldstrafe davon

Der mehrfach vorbestrafte K. - Spitzname Hamudi - hat sich am Montag erneut vor Gericht verantworten müssen wegen Rauschgiftbesitzes und Beleidigung eines Polizisten. Die letzte Bewährungsstrafe - drei Jahre unter Auflagen - datiert vom März. Urteil am Montag: 800 Euro Geldstrafe.

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Quelle: Das Amtsgericht Neustadt hat den Wiederholungstäter zu 800 Euro Geldstrafe verurteilt.

Garbsen. Der 21-Jährige spielte am Montag seine besten Trümpfe aus: Er räumte alle Anklagevorwürfe mit der Bitte um Gewährung einer „dritten Chance“ ein. Ihm sei erst jetzt bewusst, dass jedes kleinste Vergehen eine Haftstrafe nach sich ziehen kann. Das allerdings hatte ihm Richterin Pamela Ziehn schon im März ins Stammbuch geschrieben. Im Februar und April hatte die Polizei während einer Kontrolle Marihuana im Wert von 150 Euro bei ihm entdeckt. Er hatte die Drogen am Körper versteckt. Das Marihuana habe er von einem Unbekannten gekauft und für sich verbrauchen wollen, sagte er. Er belege vorsorglich ein Anti-Suchttraining, die erste Sitzung sei am Tag des Prozesses. Ja, und Ende April habe er sich bei der Polizei in Garbsen leider daneben benommen. Er sei von einem Türstehertrio aus dem Steintorviertel direkt vor seiner Haustür massiv bedroht worden. Aus Angst habe er Anzeige erstatten wollen. Angeblich habe der zuständige Beamte abgewunken. Das habe ihn zu dem Satz provoziert: „Du hast doch keinen Bock zu arbeiten.“

K.’s zweiter Trumpf war der Bericht seiner Bewährungshelferin. Diese nannte ihn umgänglich, einsichtig und zuverlässig. Er habe gute Aussichten, den Realschulabschluss zu schaffen, um eine kaufmännische Lehre anzustreben. Ähnlich positiv waren die Berichte im März in Neustadt und während des Berufungsverfahrens Anfang September vor dem Landgericht ausgefallen. Die Richterin tendierte nach diesen Aussagen zu einer Geldstrafe. Die Staatsanwaltschaft plädierte auf eine Bewährungsstrafe von fünf Monaten. Ein Richtergespräch brachte keine Einigung. Jetzt zahlt K. wegen unerlaubten Besitzes einer geringen Menge Marihuana sowie einer am unteren Level anzusiedelnden Polizistenbeleidigung 800 Euro. Das Urteil ist rechtskräftig. „Das Landgericht hatte die positive Sozialprognose im September geteilt, das muss das Amtsgericht berücksichtigen“, sagt Staatsanwältin Kathrin Söfker. Für eine Freiheitsstrafe müssten bestimmte negative Vorzeichen erfüllt sein, „das war hier aber nicht der Fall“, sagte Söfker.

Edeltraud Helms und Markus Holz

Kommentar

Zwei Paar Schuhe

Also doch nicht: Im März hieß es, K. dürfe sich rein gar nichts mehr zu schulden kommen lassen, wenn er nicht in den Knast will. Das Gericht hatte damals nur darum von einer Freiheitsstrafe von mehr als zwei Jahren abgesehen, damit eine Bewährung möglich bleibt und der 21-Jährige seinen so positiv beschriebenen Weg weiter gehen kann. Damals hatte er im Gerichtssaal ein schwer misshandeltes Opfer beleidigt. Damals hatte er sich für die „zweite Chance“ von seinen zweifelhaften Freunden im Gericht feiern lassen, als wäre es ein Freispruch. Und damals war es Ermittlern nicht gelungen, von den 13 Anklagen mehr als vier beweiskräftig zu untermauern. Jetzt erwischen ihn Ermittler zweimal mit Drogen, und er spaziert wieder aus dem Gerichtssaal mit einer „dritten Chance“. Das ist schwer nachvollziehbar, besonders für die Polizisten. Sein Umfeld wird ihn wieder gefeiert haben. Für seine Clique ist das doch das Signal: Einer geht immer noch. Kritik am Urteil ist unangebracht. Aber eine handwerklich saubere Rechtsprechung und das Rechtsempfinden sind nicht immer ein Paar Schuhe.

Markus Holz

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