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Eine Perspektive für Herrn Tokhi?

Garbsen Eine Perspektive für Herrn Tokhi?

Die Schilderungen des Afghanen Mohammad Faisal Tokhi über sein Leben in einer Unterkunft für Flüchtlinge in Berenbostel haben unsere Leser bewegt. Viele halten die Mietkosten von 500 Euro für einen Platz im Dreibettzimmer für zu hoch. Einer bietet ihm nun einen Platz in einer Wohngemeinschaft an.

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Mohammad Faisal Tokhi stammt aus Afghanistan und muss in Berenbostel 500 Euro für den Platz in einer Flüchtlingsunterkunft bezahlen. Mit seinem Vollzeitjob verdient er 900 Euro.

Quelle: Gerko Naumann

Berenbostel. Der 27-jährige Flüchtling hatte sich an die Öffentlichkeit gewandt, weil er sich ungerecht behandelt fühlt und kaum eine Perspektive sieht. Er hat sich in Eigeninitiative einen Job in einem Restaurant in Hannover gesucht. Von den 900 Euro, die er mit der Vollzeitstelle verdient, muss er 500 Euro für ein Zimmer in einer Flüchtlingsunterkunft in Berenbostel an die Stadt Garbsen bezahlen. Den Raum muss sich der junge Afghane mit zwei Landsmännern teilen, genauso wie die kleine Küche und das Badezimmer.

Region und Städte suchen Lösung

Für die Festsetzung der Mieten in den Flüchtlingsunterkünften sind die jeweiligen Städte und Gemeinden zuständig, betont Klaus Abelmann, Sprecher der Region Hannover. Diese seien auch die Empfänger des Geldes.

"Uns ist bekannt, dass die Mietpreise variieren. Auch sehen wir das Problem, dass die vergleichsweise hohen Mietkosten die Arbeitsaufnahme für die Bewohner in Flüchtlingsunterkünften erschweren", schreibt Abelmann. Aktuell arbeite die Region Hannover zusammen mit den 21 Städten und Gemeinden intensiv an einer "schnellen und zufriedenstellenden Lösung".

Die Verwaltung der Stadt Garbsen hat am Montagabend erstmals zu dem Fall Stellung genommen. In einer Mitteilung heißt es, dass der "Regelsatz zur Sicherstellung des Lebensunterhalts" für einen alleinstehenden Asylbewerber bei 409 Euro liege. "Die Kosten der Unterkunft in der Gemeinschaftseinrichtung werden auf der Grundlage einer Entgeltordnung, die vom Rat der Stadt Garbsen beschlossen wurde, abgerechnet", heißt es aus dem Rathaus. Die entsprechenden Tagessätze seien mit der Region Hannover als Leistungsträgerin abgestimmt. In Garbsen leben derzeit noch 155 Menschen in vier solcher Gemeinschaftsunterkünften.

Wenn ein Asylbewerber nachweist, dass er seinen Lebensunterhalt selbst bestreiten kann, darf er seinen Wohnort innerhalb Niedersachsens wechseln, heißt es von der Verwaltung weiter. Die Änderung der Wohnsitzauflage müsse "bei der Ausländerbehörde der Region Hannover beantragt werden".

Vermieter bietet Zimmer an

An dieser Stelle kommt der Garbsener Hugo Reissner ins Spiel. Er hat den Bericht über Tokhi gelesen - und bietet eine mögliche Lösung an. Er hat kürzlich ein 200 Quadratmeter großes Grundstück in Stöcken gekauft. Darin befinden sich sieben Zimmer, die Reissner als Wohngemeinschaft über drei Etagen an junge Leute vermieten will. "Ich hatte bei den Mietern an eine Mischung aus Studenten und Flüchtlingen gedacht. Das wäre doch auch prima für die Integration", sagt der potenzielle Vermieter.

Für das Zimmer müsste Tokhi etwa 200 bis 300 Euro Warmmiete pro Monat bezahlen. Das wäre günstiger als der Platz in der Unterkunft in Berenbostel und würde ihm deutlich mehr Privatsphäre bringen.

Das sind die Reaktionen unserer Leser

Unsere Lesern hat die Geschichte über den jungen Mann aus Afghanistan offenbar sehr bewegt. So schreibt Birgit Oelze aus dem Stadtteil Auf der Horst: "Was lernen Flüchtlinge aus diesem Fallbeispiel? Arbeiten in Deutschland lohnt sich nicht und Eigeninitiative und Anstrengung bringen auch nichts."

Gudrun Jacobsen spricht beim Blick auf die Abrechnung der Stadt sogar von Abzocke. "Dass das bei gewissenlosen privaten Vermietern vorkommt, ist schlimm genug. Dass es auch von städtischer Seite vorkommt, ist zum Schämen. Es wird ihm ja anscheinend nicht mal ein Deutschkurs oder eine Arbeit geboten, bei der er seine Fähigkeiten zeigen, leben und weiterentwickeln könnte", schreibt sie.

Die ehemalige Flüchtlingshelferin Bärbel Gahbler-Ohm hält die Kosten für das Zimmer in der Gemeinschaftsunterkunft für "Mietwucher". Ihre Meinung: "Wo kein Kläger, da kein Richter. Und da wundert man sich, wenn Arbeit sich nicht lohnt."

Ein Facebook-User der Seite HAZ Garbsen sieht das Ganze grundsätzlich anders. Er fragt: "Warum sollte es ihm anders gehen als uns? Wir haben eben alle unseren Teil zu tragen und bei vielen reicht das Einkommen auch nicht, weil die Miete hoch ist und die Lebenserhaltung teuer. Aber darüber berichten die Medien nicht."

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So sah die Unterkunft an der Carl-Zeiss-Straße in Berenbostel in der Bauphase im April 2016 aus.

Quelle: Archiv

Von Gerko Naumann

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