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Die neue Neue Mitte

Garbsen Die neue Neue Mitte

Nach eineinhalb Jahren intensiver Gespräche hat die Stadt am Freitagmittag zwei potenzielle Investoren für die Neue Mitte Garbsen präsentiert: Das Textilunternehmen Modepark Röther und das hannoversche Immobilienunternehmen Theo Gerlach wollen sich am Weiterbau des Stadtzentrums beteiligen.

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Die neue Neue Mitte von oben: Rechts das Rathaus, oben die IGS. Links ist das neue Zentralbad angedeutet (weiß). Gut erkennbar ist die Lage des neuen Einkaufs- und Wohnquartiers (grün) zwischen Kino, Europaallee und Meyenfelder Straße.

Quelle: Entwurf Ahrens&Grabenhorst

Garbsen. Nach dem Scheitern der Pläne des portugiesischen Investors Sonae Sierra nimmt die Stadt einen neuen Anlauf: Seit etwa 18 Monaten laufen Gespräche mit dem Familienunternehmen Modepark Röther aus Schwäbisch Hall und der Wohnungsbaugesellschaft Theo Gerlach in Hannover. Am Freitag haben beide zusammen mit Bürgermeister Christian Grahl und Stadtbaurat Frank Hauke die Ideen vorgestellt.

Was plant Röther?

Röther plant für den Bereich zwischen Rathausplatz und Europaallee. Das unternehmerische Standbein ist Einzelhandel. Firmenchef Michael Röther will in der Mitte aber eine Kombination aus Handel, Freizeit, Dienstleistung und Wohnen umsetzen - nicht in einem Objekt wie Sonae vor zehn Jahren, sondern in vier Häusern. Jedes mit unterschiedlicher Form und so angeordnet, dass Plätze und Gassen entstehen. Röthers Partner ist der ehemalige Stadtplaner von Schwäbisch Hall, Eberhard Neumann. Der gestern präsentierte Entwurf mit dem Arbeitstitel "Winkel-Quartier" trägt seine Handschrift und die von Stadtbaurat Frank Hauke.

Neumanns Ziel ist ein "wohnlicher Bereich, der Menschen anzieht und in dem sie sich gern aufhalten". Und zwar auch nach Ladenschluss, dafür sollen unter anderem Kneipen und Restaurants sorgen - und die Mieter aus dem Umfeld. Neumann hat natürlich auch die Studenten des neuen Campus Maschinenbau Garbsen (CMG) im Blick. "Das ist gut für die Zukunft Garbsens", sagte Stadtbaurat Frank Hauke.

In Röthers Quartier soll Einzelhandel in großen Läden entstehen, weil für kleine Geschäfte kaum Mieter zu finden seien. Röther plant mit den Sortimenten Mode/Textil, Spielwaren, Sport, aber auch Lebensmittel, Drogerie und Buchhandel. Nach dem Rahmen, den die Region vorgegeben hat, stehen Röther maximal 19.600 Einzelhandelsfläche zur Verfügung. In seiner Kalkulation zielt das Unternehmen auf Kunden vor allem aus Garbsen und Nachbarstädten im 20-Kilometer-Umkreis. Das ist deutlich kleiner, als der Radius, den Sonae gezogen hatte. 

Gastronomen sollen an den besonders attraktiven Bereichen des Quartiers angesiedelt werden. Etwa 190 Wohnungen für unterschiedliche Mieterkreise könnten in den oberen Geschossen entstehen, ähnlich wie beim Shopping Plaza. "Das alles unter einen Hut zu bringen, ist schwer", sagt Neumann. "Es ist leicht, Leere zu planen. Leben in einem solchen Quartier zu planen, ist deutlich herausfordernder."

Wer ist Röther?

Das familiengeführte Unternehmen wurde 1972 als Jeansladen in der Innenstadt von Schwäbisch Hall gegründet und hat in 20 Jahren eine rasante Entwicklung genommen. Seit 1996 setzt Röther auf das Konzept Modepark: Einzelhandel mit Mode von 400 Marken. In Michelfeld bei Schwäbisch Hall entstand vor 20 Jahren das erste Objekt. 2013 betrieb Röther 27 Standorte, heute sind es 40 Häuser in elf Bundesländern und in Österreich. Röther beschäftigt nach eigenen Angaben rund 2.100 Mitarbeiter. Die Firma expandiert in regelmäßigen Abständen zu neuen Standorten. Sie baut nicht nur neu. Sie reaktiviert auch alte Standorte in Innenstädten, etwa in Idar-Oberstein das ehemalige Hertie-Kaufhaus. Röther soll eine Gesamtverkaufsfläche von 224.000 Quadratmetern bewirtschaften.

Was plant Gerlach?

Gerlach will etwa 180 Wohnungen an der Meyenfelder Straße zwischen der Kinozufahrt und der Europaallee bauen. Neun moderne mehrgeschossige Cityhäuser mit einem Mix für Singles/Studenten, Paare, Familien und Senioren. Für Gerlach engagiert sich die hannoversche Professorin Gesche Grabenhorst aus dem Architekturbüro Ahrens/Grabenhorst an den Entwürfen.

Bei den Wohnungen soll vom "bezahlbaren Ein-Zimmer-Appartement" bis zur familiengerechten Wohnung mit bis zu 160 Quadratmeter alles vorhanden sein, kündigte Grahl an. Objekte wie die von Gerlach geplanten gibt es in Garbsen bisher nicht. Die Häuser sind kleiner als die Mehrfamilienhäuser im Stadtteil Auf der Horst oder am Kronsberg und kompakter. Die Anordnung wirkt lockerer, lässt Platz für Grün und Wege. Gerlach sieht die Objekte als ideale Ergänzung zur neuen Einkaufs- und Freizeitmeile von Röther. "Es ist ein erster Entwurf, ein Masterplan, mehr noch nicht. Jetzt folgt die Detailarbeit", sagt Gesche Grabenhorst.

Studenten sitzen schon mit am Tisch

Zu der Vorstellung am Freitag hatte Grahl auch einige Maschinenbau-Studenten eingeladen, um deren Meinung zu hören. Für Sissy Liu persönlich kommen die Pläne etwas zu spät, weil sie mit ihrem Studium fast fertig ist. Sie ist aber überzeugt davon, dass die zukünftigen Generationen davon profitieren können: "Wenn Garbsen attraktiver wird, ziehen bestimmt mehr Studenten hier her", sagte sie. Im Moment sei die Stimmung der jungen Leute am Maschinenbau eher gegen Garbsen. "Die meisten fühlen sich abgetrennt vom studentischen Leben in Hannover. Und die Verkehrsanbindung ist nicht optimal." Der Freundeskreis Garbsen hat den Kontakt zu Studierenden und wissenschaftlichen Mitarbeitern hergestellt. Er will mit Gesprächsrunden die Brücke bauen zwischen allen Planungen in Garbsen und den Studenten.

Ein Hotel in der City?

Das ist angedacht, und es gibt einen ersten Interessenten: Der Garbsener Gastronom Volker Lühmann (Landhaus am See, Roneburg) kann sich vorstellen, neue Ideen zu realisieren. Er sitzt ab sofort mit im Boot bei den Planungen, war am Freitag aber nur Gast bei der Präsentation.

Wie geht es weiter?

Gerlach und Röther haben Zeit und Geld in die Hand genommen, um sich als ernsthafte Partner für Rat und Verwaltung zu positionieren. Und sie werden mehr in die Planung investieren, sobald der Rat eine Art Vorvertrag mit den Investoren genehmigt. Das soll in Kürze passieren. Erst danach haben Gerlach und Röther eine gewisse Sicherheit, dass es Garbsen mit ihnen ernst meint und dass sie auf Mietersuche gehen können, vor allem Röther. Im Sommer 2017 sollen konkretere Pläne fertig sein und Namen der Einzelhandelsmieter vorliegen. Dann wird der Rat seine finale Zustimmung geben oder nicht. Gegenwind zeichnet sich derzeit kaum ab. Alle Ratsfraktionen waren frühzeitig in das Projekt eingeweiht. "Und dann möchten wir den Investoren die Möglichkeit geben, so schnell wie möglich zu bauen", sagte Bürgermeister Grahl.

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Das "Winkel-Quartier" aus südwestlicher Sicht: Im Hintergrund IGS, Arbeitsamt, Polizei und Rathaus. Ganz links könnte ein Hotel unter Regie des Garbsener Gastronomen Volker Lühmann entstehen. Im Zentrum stehen die vier unterschiedlich geformten Gebäude des Modeparks Röther, links daneben das Gerlach-Quartier mit etwa 180 Wohneinheiten.

Quelle: Entwurf Ahrens&Grabenhorst

Von Markus Holz und Gerko Naumann

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