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Mutmaßlicher Brandstifter steht vor Gericht
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Garbsen Mutmaßlicher Brandstifter steht vor Gericht

Die Brandstiftung in der Caroline-Herschel-Realschule von vergangenem Sommer findet ihr gerichtliches Nachspiel - aber nicht nur sie: Der Beschuldigte musste sich am Dienstagmorgen 13 Anklagen gegen sich anhören.

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Garbsen. In Handschellen ist der 21-jährige Lagerhelfer aus dem Stadtteil Auf der Horst am Dienstag in den Saal des Jugendschöffengerichts in Neustadt geführt worden, denn seit Anfang Dezember sitzt er bereits in Untersuchungshaft. Neben ihm nahmen ein 19-jähriger Kollege und ein 20-jähriger Auszubildender aus dem gleichen Stadtteil Platz, die bei drei seiner Taten mit von der Partie gewesen sein sollen.

Von gestohlenen Wodkaflaschen, eingeschlagenen Scheiben und Beleidigungen gegen Polizisten reicht die Palette bis zum Schulbrand, einer Baseballschläger-Attacke auf einen Pizzaboten und Tritte in die Rippen eines Opfers. Um die Vorfälle aus den Jahren 2010 bis 2012 aufzudröseln, will das Gericht unter dem Vorsitz von Richterin Pamela Ziehn mehr als 40 Zeugen hören und braucht dafür, das war am Dienstag schon abzusehen, mindestens sieben Verhandlungstage. Einen Antrag von Verteidiger Andreas Bäsecke, den Haftbefehl so lange auszusetzen, lehnte das Gericht ab.

Wenn es im Prozess so weitergeht wie am Dienstag, könnte sich das Verfahren noch weiter in die Länge ziehen. Zwei Zeugen erschienen überhaupt nicht, einen Dritten musste die Garbsener Polizei zu Hause abholen und ins Gericht bringen.

Bei der Brandstiftung am Planetenring soll der Hauptangeklagte, der in seinen Kreisen unter einem Spitznamen bekannt ist, am 28. Juni vergangenen Jahres mit einem Gullydeckel eine Scheibe der Caroline-Herschel-Realschule eingeschlagen haben. Im Sekretariat entfachte er demnach unter anderem mit Zeugnispapier ein Feuer. Die Rauchschwaden schlugen nicht nur dem Hausmeister auf die Lunge, sondern machten Teile der Schule unbrauchbar. Die Sanierung verschlang mehr als 300.000 Euro.

Aus Eifersucht auf Busscheibe eingeschlagen

Zum Auftakt des umfangreichen Prozesses gegen den 21-jährigen Lagerhelfer hat sich das Jugendschöffengericht Neustadt am Dienstag mit den ersten vier von insgesamt 13 Anklagepunkten näher beschäftigt.

Das Gericht wollte zunächst wissen, unter welchen Umständen ein Loch in die Scheibe eines Linienbusses geraten war. Der 45-jährige RegioBus-Fahrer und eine Passagierin erkannten den Hauptangeklagten als denjenigen wieder, der an der Endhaltestelle rund 2400 Euro Schaden an dem Bus verusacht hatte. Nachdem die 19-jährige Exfreundin des Lagerhelfers ausgesagt hatte, stellte sich Eifersucht als treibendes Motiv dafür dar: Sie hatte ohne ihn in Hannover gefeiert und war auf dem nächtlichen Rückweg von der Stadtbahn in den Bus umgestiegen, als er zur Haltestelle kam. „Er wollte, dass ich wieder aussteige. Ich fand aber, dass wir nichts mehr zu bereden hatten“, sagte sie.

Wutentbrannt habe er deshalb auf die Einstiegstür geschlagen, als der Bus schon angefahren war. Verteidiger Andreas Bäsecke meldete am Dienstag indes Zweifel an, ob die Scheibe dadurch wirklich zu Bruch gehen kann, und will vielleicht noch ein Gutachten fordern. Er brachte außerdem ins Spiel, dass Alkohol, andere Drogen und „emotionale Ausnahmezustände“ bei seinem Mandanten in einzelnen Fällen die Schuldfähigkeit vermindert haben könnten.

Doppelt ärgerlich ist der Tag vor Gericht für einen 21-jährigen Zeugen verlaufen, dessen Handy der Gleichaltrige unterschlagen hat. Zunächst droht ihm noch eine Rechnung, weil die Polizei ihn für den Prozess vorführen musste. Dann sprach er im Gerichtssaal von großen Erinnerungslücken. Nachdem Richterin Pamela Ziehn ihn noch einmal an die frische Luft geschickt hatte, wurde er dann doch konkreter. Am Ende räumte der junge Mann ein, dass er dem Angeklagten bei der Polizei zu Unrecht auch Drohungen in die Schuhe geschoben hatte. Nun muss er selbst noch mit einem Verfahren rechnen.

Zu einem Vorfall im Planetencenter bestätigen Polizisten, dass der Hauptangeklagte gegen eine Ladentür getreten und später Beamte als „Vollidioten“ tituliert hat. Dass sein Begleiter, der 19-jährige Mitangeklagte, eine andere Tür durch einen Sprung beschädigen wollte, konnte eine Polizistin allerdings nicht bestätigen.

Wenig erhellend fielen die Aussagen dazu aus, ob der 21-Jährige auch einen Feuerlöscher aus einem Semmelhaack-Wohnblock zum Spaß geleert hat.

Von Sven Sokoll und Edeltraud Helms

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