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Pflegefachschule sucht in Vietnam

Garbsen Pflegefachschule sucht in Vietnam

Die Pflegefachschule Hannover (PFSH) in Meyenfeld an der Leistlinger Straße beschreitet neue Wege, um Pflegepersonal zu gewinnen. Das Team um Leiterin Judith Hahne hat ein Projekt zur Gewinnung von Auszubildenden aus dem Ausland gestartet.

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Amela Alic (Mitte) und Pham Thi Hue üben unter Leitung von Dozent Vincenzo Bekierz das Waschen und Umbetten.

Quelle: Lütjens

Meyenfeld. Das Ergebnis: Vergangene Woche hat ein Kurs mit 22 Auszubildenden begonnen, 18 kommen aus Vietnam, 3 aus Kamerun und eine aus Bosnien. Geplant waren sogar zwei Kurse, doch die Visaverfahren gestalteten sich unerwartet schwierig. Grund für das Projekt ist, dass viele Pflegeeinrichtungen - vor allem im ländlichen Raum - ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen können. "Bei wachsendem Bedarf und Anforderungen wird qualifiziertes Personal benötigt", sagt Vincenzo Bekierz, Öffentlichkeitsbeauftragter der Pflegefaschschule.

"Es kamen mehrere Faktoren zusammen", sagt Judith Hahne. Zum einen endete ein sogenannter Verkürzer-Kurs im Oktober vorigen Jahres. Es gibt Bewerbungen, aber nicht alle Bewerber seien laut Hahne geeignet. Zudem nahm eine staatliche Pflegeeinrichtung aus Vietnam Kontakt zur Pflegefachschule Hannover auf, ob sie Interesse hätte, Kräfte auszubilden.

In Vietnam gibt es im Vergleich zu Deutschland eine umgekehrte Bevölkerungspyramide. Es gibt mehr junge als alte Menschen. "Die Regierung hat Vertrauen in Deutschland. Bereits zu DDR-Zeiten wurden Eliten und Leiharbeiter ins Ausland geschickt", sagt Hahne.

Vor Ort trafen sie und ihr Mann Andreas sich im März mit den Ansprechpartnern, um sich zwei Institute anzuschauen. "Von Pflegeeinrichtung konnte man eigentlich nicht sprechen. Alte und Kranke wurden eher aufbewahrt", sagte sie. Bewerbungsunterlagen wurden gesichtet, Telefonate mit den Bewerbern geführt.

Ähnlich war es im Fall von Kamerun. Das Land arbeitete bereits mit einer Pflegeschule in Hannover zusammen, die dann Kontakt zur PFSH aufnahm. Alle angehenden Altenpfleger haben zwar in ihrem Heimatland ein B-2-Sprachlevel erworben, doch das Sprachvermögen ist noch unterschiedlich. Daher wird die Ausbildung in den ersten Monaten von einem zusätzlichen Sprachkurs begleitet.

Das Lehrerteam wurde interkulturell geschult, für die Auszubildenden gibt es ein interkulturelles Begleitseminar. "Damit wollen wir einen möglichen Kulturschock professionell auffangen", sagt Bekierz. Im Januar sei ein Willkommensfest mit allen Auszubildenden geplant, um Kontakte zu knüpfen. Schule und Pflege-Einrichtungen haben für die Auszubildenden Wohnungen nahe am Arbeitsplatz besorgt. 

Die jungen Männer und Frauen sind sehr gespannt auf ihre neuen Aufgaben. Schwerpunkt ihrer dreijährigen Ausbildung ist die praktische Arbeit in den jeweiligen Einrichtungen, den Kooperationspartnern der Schule. Dabei handelt es sich um Alten- und Pflegeheime sowie ambulante Pflegedienste in der Region Hannover. Die Praxis umfasst mindestens 2500 Stunden.

Die theoretische Ausbildung beträgt mindestens 2400 Unterrichtsstunden. Der theoretische und fachpraktische Unterricht erfolgt in Lernfeldern. "Wenn wir die Ausbildung beendet haben, möchten wir gerne in Deutschland bleiben", sagen Pham Thi Hue (24) und die Bosnierin Amela Alic (25). Die Vietnamesin möchte sich vielleicht noch weiterbilden. "Dazu gibt es viele Möglichkeiten", sagt Bekierz. Raphael Nndongmo aus Kamerun möchte ein Stück seiner Kultur näherbringen und das Erlernte möglicherweise in seiner Heimat anwenden.

Pflegefachschule ist zertifiziert

Die Pflegefachschule in Meyenfeld ist zertifiziert und mit 70 festen Kooperationspartnern die größte Altenpflegeschule in Niedersachsen. Informationen zum Berufsbild sowie Kommunikation sind Schwerpunkte. Ebenso wichtig ist Leitung und Dozenten die Gesundheitsförderung der Schüler mit Sport- und Entspannungsmöglichkeiten. Die Schule hat ein eigenes Leitbild entwickelt.

Der Pflegebedarf wird in Deutschland in den nächsten Jahrzehnten kräftig steigen. Nach Angaben des Niedersächsischen Landesamtes für Statistik wird es im Jahr 2050 doppelt so viele ältere Menschen wie Kinder geben. Damit wächst auch der Bedarf an qualifiziertem Personal. Im Januar 2015 waren mehr als 10.000 offene Stellen für examiniertes Personal gemeldet.

Weitere Informationen gibt es unter pfsh.de oder auf Facebook unter pflegefachschule.hannover.

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Die Pflegefachschule Hannover unter Leitung von Judith Hahne (links) bildet künftige Altenpfleger aus Vietnam, Kamerun und Bosnien aus.

Quelle: Lütjens
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