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Sind die Städtepartnerschaften zu teuer?

Garbsen Sind die Städtepartnerschaften zu teuer?

Der Politik sind die Städtepartnerschaften tendenziell zu teuer. Im Kultur- und Sportausschuss forderten vor allem SPD und CDU mehr Jugendbeteiligung und die Unterbringung der Gäste in Familien, um die Hotelkosten zu sparen.

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Dieses Bild entstand bei einem der Besuche in Frankreich. Darauf sind zu sehen: Mohamed Habib, der Bürgermeister von Hérouville-St.-Clair (von links), Siméoni Koueta Noussithé, stellvertretender Bürgermeister, Claudie Rigot sowie Djibril Diaw aus Agnam.

Quelle: privat

Garbsen. Ausgelöst wurde die Debatte anscheinend von einer Beschlussvorlage: Einmalig 43.500 Euro sollen in diesem Jahr für Städtepartnerschaften ausgegeben werden. Der bisherige jährliche Haushaltsansatz liegt bei 29.500 Euro. Den möchten die Politiker künftig auch weiterhin ausgewiesen sehen. Grund der erhöhten Ausgaben: Am 28. Dezember 2016 jährte sich die Partnerschaft mit Hérouville-St.-Clair zum 50. Mal. Außerdem besteht im Juni die Partnerschaft mit Bassetlaw seit 40 Jahren. Für Mai und Juni sind Festlichkeiten und Aktivitäten vorgesehen, an denen Delegationen aus Hérouville-St.-Clair, Bassetlaw, Schönebeck und Farmers Branch teilnehmen.

Zuerst reist im Mai eine Garbsener Delegation nach Hérouville-St.-Clair. In Garbsen wird vom 16. bis 19. Juni gefeiert. Hérouville-St.-Clair nimmt mit 35 Personen, Bassetlaw mit knapp 20, ebenso Farmers Branch, und Schönebeck mit einer kleinen Gruppe von drei oder vier Personen teil. Die Delegationen von Bassetlaw und Farmers Branch werden in Garbsener Familien untergebracht. Die Freundschaften zwischen Garbsenern und Bürgern aus Bassetlaw und Farmers Branch, heißt es in der Beschlussvorlage, bestünden schon so lange, dass die Gastfamilien den Aufenthalt der Gäste weitgehend eigenständig gestalten.

Diese dauerhaften Kontakte basierten auch darauf, dass es auf sprachlicher Ebene wenig Probleme gebe, erläuterte Uwe Witte, Leiter der Abteilung Kultur und Sport, im Kulturausschuss, ein paar Sätze Englisch beherrsche jeder. Die französische Sprache dagegen und die polnische bereiteten auf der deutschen Seite größere Anstrengungen, die deutsch Sprache ebenso auf der französischen und der polnischen Seite.  Vor befürchteten Missverständnissen scheuten nicht nur die Garbsener, sondern auch die französischen und polnischen Gäste zurück. Daher bestehe dort weniger Bereitschaft, in Familien zu übernachten.

Norbert Gehrke (SPD) hatte die Diskussion ins Rollen gebracht: Er frage sich, warum die Gäste aus Hérouville-St.-Clair für viel Geld in Hotels untergebracht werden müssten. Eine Partnerschaft könne nur über Familien funktionieren, sagte Erika Böker (SPD): "Was soll denn das für eine Partnerschaft sein, wenn die Gäste abends im Hotel verschwinden?", fragte sie. In einer Stadt wie Garbsen sollte es möglich sein, solche sprachlichen Hürden zu überwinden, sagte Jürgen Haase (CDU). Wenn die französischen Gäste nicht den ersten Schritt machen wollten, dann sollte vielleicht Garbsen das tun und die Gäste in Familien unterbringen.

Günther Petrak (Unabhängige) fragte zwar auch vorsorglich, ob der hohe Haushaltsansatz im nächsten Jahr wieder zurückgefahren werde, warnte aber davor, bei den Städtepartnerschaften "am falschen Ende" zu sparen. Deutschland und Frankreich seien mal Erbfeinde gewesen, sagte Wilfried Aick (SPD), das dürfe man nicht außer Acht lassen. "Wir sollten sehen, wie wir Jugendliche stärker mit einbeziehen können, die erwarten keine Hotelzimmer. Mit den Erwachsenen ist das gelaufen. Setzen wir auf die Jugend", sagte Aick.

So einfach ist das auch wieder nicht: Garbsen habe bereits eine Gruppe von zehn Jugendlichen zusammengestellt, die Interesse an einem dauerhaften Austausch hätten, von französischer Seite gebe es dazu noch keine angaben, sagte Witte. Der Ausschuss votierte anschließend einstimmig für die Vorlage: Damit sind die für dieses Jahr erhöhten Kosten genehmigt.

Garbsens Städtepartnerschaften

Die Städtepartnerschaft mit Hérouville-St.-Clair ist die älteste. Sie besteht seit dem 28. Dezember 1966. Weitere Partnerstädte sind Bassetlaw in England (seit Juni 1977), Farmers Branch in den USA (März 1990), Wrzesnia in Polen (Oktober 1991) und Schönebeck in Sachsen-Anhalt (Juni 1990). Die 1969 begründete Partnerschaft mit der dänischen Stadt Rödding ist von dänischer Seite im Oktober 2014 offiziell beendet worden. Es gibt außerdem Überlegungen, ob Garbsen partnerschaftliche Beziehungen zu einer türkischen Stadt aufnehmen sollte oder nicht.

Ein Städtepartnerschaftsverein kümmert sich in ehrenamtlichem Rahmen um die Partnerschaften. Mit Unterstützung aus Verwaltung und Politik organisiert er Besuche und Gegenbesuche und hat zum Beispiel für die Feierlichkeiten im Juni ein aufwändiges Besuchsprogramm entworfen.

Es gibt darüber hinaus dauerhafte Kontakte auf Schulebene: Das Johannes-Kepler-Gymnasium steht mit Hèrouville-St.-Clair im Austausch, das Geschwister-Scholl-Gymnasium unterhält Partnerschaften mit Wrzesnia und Hérouville-St.-Clair. Die Realschule Berenbostel und die IGS Garbsen pflegen den Austausch mit Schülern in Wrzesnia.

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Es gibt regelmäßige Besuche französischer Schüler aus Hérouville-St.-Clair in Garbsen. Auf diesem Bild von 2015 werden sie mit ihren Lehrerinnen und  IGS-Schülern im Rathaus empfangen.

Quelle: Lütjens
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