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Politiker empört über Anrufe der Bordellchefs

Garbsen Politiker empört über Anrufe der Bordellchefs

Die Methoden möglicher Bordellbetreiber sorgen in Garbsen weiter für Diskussionsstoff. Die Lokalpolitiker sind über das Vorgehen der Geschäftsleute empört, die gezielt Ratsmitglieder kontaktieren, um sie zu beeinflussen. Auch die Argumente für ein solches Etablissement überzeugen sie nicht.

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Optimaler Standort oder Hort der Kriminalität? Die Diskussionen über das mögliche Bordell in Garbsen sind in vollem Gange.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Garbsen-Mitte. Ein Ratsmitglied berichtet, dass ihn die möglichen Betreiber des Bordells im ehemaligen Praktiker-Markt über Facebook kontaktiert haben. Dabei sei er auf die finanziellen Vorteile durch Steuereinnahmen hingewiesen worden, die das Unternehmen für Garbsen mit sich bringen würde. Der Politiker will in diesem Fall anonym bleiben, weil er über den Absender der privaten Nachricht recherchiert hat.

"Er gehört eindeutig der kriminellen Szene an, er wird immer wieder im Zusammenhang mit Menschenhandel genannt", sagt der Garbsener, der diese Methoden überhaupt nicht nachvollziehen kann. Sein Fazit lautet: "Hier werden offenbar gezielt Menschen eingeschüchtert." Unabhängig von den inhaltlichen Argumenten hätten sich die Absender damit seiner Meinung nach für jedes Bauprojekt in Garbsen disqualifiziert. Zu diesem Urteil sei er auch gekommen, weil er gehört habe, dass Ratsmitglieder angerufen worden seien, um sie ebenfalls zu beeinflussen.

Das bestätigt auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Karsten Vogel. Ob es sich bei den Angerufenen auch um Mitglieder seiner Fraktion handelt, lässt er bewusst offen. Das Vorgehen selbst kritisiert er aber scharf: "Das geht überhaupt nicht." Auch Vogel hat das Gefühl, dass gezielt "Leuten Angst eingejagt" werden soll. Im Gegenzug sei das Verhalten der selbst ernannten "Betreibergesellschaft" feige, weil "sie sich nur anonym aus der Deckung traut".

Politik geschlossen wie lange nicht

Immerhin erzeugen die Erfahrungen mit den Bordellbetreibern eine Geschlossenheit in der Garbsener Politik, an die vor Kurzem im Streit um die Bäder-Planungen niemand geglaubt hatte. "Trotz aller Differenzen in der Vergangenheit will ich den Bürgermeister für seinen offenen Brief an die Bordellbetreiber loben", sagt Vogel. Darin hatte Christian Grahl auf ein anonymes Schreiben geantwortet und den Geschäftsleuten unmissverständlich klargemacht, dass Bürger, Politik und Verwaltung kein Bordell in Garbsen wollen. Zudem habe er wegen der "belästigenden Anrufe bei Ratsmitgliedern" die Polizei eingeschaltet. Inhaltlich habe der Brief der Betreiber ohnehin nichts Neues geliefert, findet SPD-Mann Vogel. "Was bringen uns Steuereinnahmen, wenn das Image der Stadt leidet", sagt er.

Das sieht auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Heinrich Dannenbrink so. Er verweist auf den entsprechenden Antrag der CDU/FDP-Gruppe im Rat. Darin hatten die Politiker die Stadt aufgefordert, alles zu tun, um ein Bordell in Altgarbsen zu verhindern. "Wir sind grundsätzlich dagegen, zusätzliche Steuern sind da kein Argument", sagt Dannenbrink.

Facebook: Meinungen gehen auseinander

Auf der Facebook-Seite der HAZ sind die Meinungen gemischt. So sind einige Internetnutzer durchaus der Ansicht, dass man die Bordellbetreiber gewähren lassen soll, solange sie sich an Recht und Gesetz halten. "Es wird niemand gezwungen, in dem Bordell zu arbeiten oder es zu besuchen. Mit welchem Recht schwingen sich die Leute auf, sich zum Anwalt über die Damen zu machen, die dort arbeiten wollen?", gibt einer zu bedenken. Auch ein anderer HAZ-Leser kann den Argumenten der Betreiber folgen: "Der Standort ist tatsächlich optimal für ein Großbordell und um vieles besser als das, was so an Waldrändern und Rastplätzen geschieht."

Andere stimmen Bürgermeister Christian Grahl und seiner deutlichen Ablehnungshaltung zu. "Hände weg von unserer Stadt, deine Gewerbesteuer brauchen wir nicht", schickt eine Nutzerin an die Adresse der möglichen Betreiber. "Bravo, Herr Bürgermeister", heißt es in einer E-Mail einer anderen Leserin. "Weiter so! Klare Kante und öffentlich machen!".

Von Gerko Naumann

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