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Erich Pohl kennt harte Zeiten

Garbsen/Havelse Erich Pohl kennt harte Zeiten

Der Havelser Erich Pohl vereinigt zwei anscheinend gegensätzliche Eigenschaften: Bescheidenheit und Durchsetzungswillen. Weder mangelt es ihm an Selbstbewusstsein, noch an Empathie: „Wenn wir vom sozialen Flügel kommen, dann kostet das meistens Geld", sagte er vor Kurzem, als ihm die CDU-Mittelstandsvereinigung den Courage-Preis verlieh.

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Erich Pohl kennt selbst harte Zeiten - das spiegelt sich in seinen komunalpolitischen Ansätzen wider.

Quelle: Bernd Riedel

Havelse. Dort sieht der 69-Jährige sich: In der Verantwortung für andere. Er kommt mit den Widersprüchen des Lebens fast spielend zurecht und muss sich nicht einmal verbiegen dabei. Er engagiert sich in der Kirchengemeinde Versöhnung, auch über Gemeindegrenzen hinweg, im Sozialverband - dort ist er seit sechs Jahren Vorsitzender. Er streitet für Senioren, für Alleinerziehende, für Jugendliche, im Integrationsbeirat für Migranten, für alle jene eben, denen eine starke Lobby fehlt – und eckt dabei nicht selten hier und dort an. Die Tatsache, dass in der Stadt im vergangenen Jahr vier Schulsozialarbeiter neu eingestellt wurden, ist auch sein Verdienst. "Die Erfüllung sozialer Aufgaben kostet nun mal Geld", sagt er, "aber wenn wir heute nicht investieren, zahlen wir später doppelt."

Wer ihm Sozialromantik vorwürfe, der täte Erich Pohl unrecht. Auch jegliches ideologisches Denken liegt ihm fern. Er leugnet die Tatsachen nicht, auch wenn sie einander widersprechen. Gegen den Wegzug des Discounters Aldi aus Havelse sammelte er Unterschriften: „Aldi war das Kommunikationszentrum hier in Havelse, manche sind zwei- oder dreimal am Tag dort gewesen.“ Also intervenierte er. Gleichzeitig sah er die Gültigkeit wirtschaftlicher Argumente und hatte Verständnis dafür, dass Aldi aus Platzgründen weg wollte.

Er ist gelernter Koch und hat das Handwerk jahrzehntelang mit Leidenschaft und Tatkraft ausgeübt. Das Hotel Intercontinental in Hannover, das Kempinksi in Berlin waren zwei seiner Stationen. "In Berlin habe ich meine große Liebe gefunden", sagt er. Seine inzwischen verstorbene Frau war auch Köchin. Sie kam aus dem Calenberger Land. Gemeinsam beschlossen sie 1970, nach Niedersachsen zurückzukehren und in Garbsen zu wohnen.

Eine seiner wichtigsten beruflichen Stationen war der Posten des Küchenchefs im Kaufhaus Heutelbeck in Hannover, das nicht mehr existiert. "Dort habe ich mir erst das kaufmännische Rüstzeug angeeignet und habe meinen Küchenmeister gemacht" - mit der Gesamtnote sehr gut. Das war 1973. Als die Oberfinanzdirektion in Hannover einen Küchenchef suchte, griff er zu: "Das war die Chance für eine geregelte Arbeitszeit." Dort hat er 32 Jahre lang gewirkt - bis er 64 Jahre alt war. Kurz vor der Rente hat er den Job selbst beendet. "Ich hatte keine Freude mehr daran, und das ist in so einem Beruf ganz schlecht." 25 Jahre lang, von 1985 bis 2006, führte er außerdem am Wochenende eine eigene Partyservice-Firma. "Das war eine harte Zeit", sagt er, "es mussten fünf oder sechs große Veranstaltungen pro Wochenende beliefert werden, sonst wären wir nicht auf unsere Kosten gekommen."

Erich Pohl stammt aus prekären Verhältnissen, eine Herkunft, die er weder verheimlicht noch glorifiziert. Die Eltern kamen aus Schlesien. Er wurde in Goslar geboren. "Mein Vater hat als Schuster sehr wenig verdient." Beim Kaufmann wurde angeschrieben, und beim Schlachter wurden die günstigeren Wurstzipfel gekauft. An den Wochenenden musste Sohn Erich "immer los, das Geld eintreiben". Seine Geschwister und er hätten das allerdings nicht als Strafe empfunden.

Ein Handicap hat Pohls Leben stark beeinflusst. Er hat es von Geburt an: nur 25 Prozent Sehfähigkeit. Ein Führerschein zum Beispiel kam deshalb nie infrage. Den Wehrdienst in der Bundeswehr musste er auch nicht absolvieren. Die Berufswahl war eingeschränkt. Er hat enorme Schwierigkeit beim Lesen. Trotzdem sagt er mit entwaffnender Bescheidenheit: "Ich bin immer zurecht gekommen."

Seit 1995 sitzt er im Rat der Stadt. Er hat beim ersten Mal so viele persönliche Stimmen auf sich vereinigen können, dass er direkt in das Gremium gewählt wurde. Bei der anstehenden Wahl will er für die CDU noch einmal antreten. „Solange es Spaß macht“, sagt er. Und wenn nicht mehr? "Dann höre ich sofort auf."

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