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Rainer Eppelman spricht vor Schülern

Garbsen Rainer Eppelman spricht vor Schülern

Garbsen ehrt Rainer Eppelmann als aktiven Mitgestalter der friedlichen Revolution: Der 72-Jährige hat sich ins Goldene Buch eingetragen.Vor Schülern des Johannes-Kepler-Gymnasium sprach über Begebenheiten aus seinem bewegten politischen Leben.

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Rainer Eppelmann, Pastor, Ex-Minister und Gründungsmitglied des Demokratischenr Aufbruchs, erzählt im Johannes-Kepler-Gymnasium Garbsen über sich, die DDR, die Wende und heute.

Quelle: Markus Holz

Garbsen. Rainer Eppelmann inszeniert sich nicht, obwohl er Großes zu erzählen hat. Er hält keinen Vortrag. Er erzählt sein Leben - leise, unaufgeregt, ohne Schnörkel, witzig wo es passt. „Die wollten, dass wir alle das Gleiche denken, sagen und tun, alles eine Wixe“, sagt Eppelmann und streut so fast nebenbei eine seiner Botschaften ein: „Die Chancen, die ihr heute habt, sind kostbar. Aber man muss sich dafür mühen. Deutschland ist kein Schlaraffenland. Das ist Demokratie und hier gibt es Ungerechtigkeit. Aber diesem Deutschland geht es heute so gut wie nie zuvor.“ Pause.

Vor ihm sitzen 23 Zehnt- und Elftklässler des Johannes-Kepler-Gymnasiums. Sie wissen, wen sie da vor sich haben. Die ganze Schule hat sich mit 25 Jahren Wiedervereinigung beschäftigt. Kein Jugendlicher hat das selbst erlebt. Aber sie erleben in den eineinhalb wertvollen Stunden nacherzählte Geschichte eines Mannes, der an dieser Geschichte mitgeschrieben hat.

Er erzählt vom Treffen mit dem Stasi-Offizier, der 40 informelle Mitarbeiter auf ihn angesetzt hatte. „Der sagte: Ich habe mich bei Ihnen nicht zu entschuldigen. Und ich sagte: Dann haben wir uns wohl auch nichts zu sagen.“

Eppelmann spricht von Angst und davon, dass es vielen DDR-Bürgern damals so ging wie heute vielen Flüchtlingen: „Viele wollten vor der Diktatur flüchten, wollten anders denken dürfen und sahen im Westfernsehen, dass Demokratie offenbar doch besser ist als der SED-Staat.“ Dieser Staat habe letztlich die Revolution 1989 selbst heraufbeschworen. Eppelmann stand in der ersten Reihe, getragen von einem Satz des Dichters und Staatsmannes Václav Havel: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass eine Sache gut ausgeht. Es ist die Gewissheit, dass eine Sache Sinn macht - egal wie es ausgeht.“

Nur ein Zitat, aber von Eppelmann unterlegt mit einem Leben: Das ist es, was die Schüler beeindruckt. Vielleicht auch, dass Eppelmann mindestens 93 Jahre alt werden will. Dann hätte er ein Jahr länger in der Demokratie gelebt als in einer Diktatur. Eppelmann ist dankbar für das Forum. „Garbsen tut mehr als üblich zum Thema 25 Jahre Wiedervereinigung“, sagt Eppelmann - ein leises Lob an seinen Freund Hartmut Büttner, der vieles von dem mitorganisiert hat, was in den nächsten Tagen an ein Vierteljahrhundert vereintes Deutschland und Eppelmanns Beitrag dazu erinnert.

Zur Person: Rainer Eppelmann

Rainer Eppelmann wird im Februar 1943 in Berlin geboren. Der Vater Antikommunist, beide Eltern religiös. Als Schüler pendelt er zwischen Ost und West. Als Elftklässler erlebt er 1961 den Mauerbau, fühlt sich ab da „eingesperrt“. Der Vater bleibt in West-Berlin. Als er den Dienst an der Waffe verweigert, muss er für acht Monate ins Gefängnis. Eppelmann studiert danach Theologie, wird Pfarrer in Friedrichshain, heiratet und wird Vater von fünf Kindern. Als Gründer und Vorsitzender des Demokratischen Aufbruchs ist er Mitorganisator der friedlichen Revolution, wird Mitglied der Volkskammer, Minister für Abrüstung und Verteidigung im Kabinett de Maizière. Von 1990 bis 2005 ist Eppelmann Mitglied des Bundestages. Seit 1998 ist er ehrenamtlicher Vorsitzender des Vorstandes der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Was sagen die Schüler zum Besuch?

"Ich bin beeindruckt, wie er über seiner Angst vor dem Regime gestanden hat. Es gehört viel Mut dazu, sich zu wehren und den Anfang zu machen, während die meisten anderen mit dem Strom schwimmen. Bewundernswert", Rofina Trehub (17), Garbsen.

"Es ist gut gewesen, ihn zu treffen. Und es ist gut, dass er über die DDR redet, damit so etwas nicht wieder passiert. Ich bin auch sehr überrascht, dass Herr Eppelmann so ins Persönliche geht, wenn er erzählt", Frauke Miezal (16), Garbsen.

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Von Redakteur Markus Holz

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