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Die Walz führt Simon Laudan bis nach China

Garbsen Die Walz führt Simon Laudan bis nach China

Es sind die letzten Meter eines langen Marsches: Zimmermannsgeselle Simon Laudan beendet nach dreieinhalb Jahren seine Walz und kehrt nach Frielingen zurück. Am Ortsschild folgt das letzte von vielen Walz-Ritualen.

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Die letzten Meter für Simon Laudan: Im Gänsemarsch ziehen die Rolandsbrüder über die Horster Straße nach Frielingen - Autofahrer müssen warten.

Quelle: PATRICIA CHADDE

Frielingen. 22 schwarz gekleidete Menschen nähern sich dem Frielinger Ortsschild von Süden. Schlaghose, Melone, Schlapphut oder Zylinder, Wanderstab und Bündel sind trotz des Gegenlichtes gut zu erkennen. Diese Zimmergesellen sind Mitglieder einer 1911 in Leipzig gegründeten Schaft: „Treue, Freundschaft, Brüderlichkeit vereint uns Rolandsbrüder alle Zeit“, so ihr Gelöbnis.

Und so stiefeln die jungen Männer nicht etwa schnurstracks zum Ortseingang, sondern kreuzen die Straße im Gänsemarsch, singen Wanderlieder und bilden schließlich einen Kreis. Da muss der eine oder andere Autofahrer eben etwas warten. Doch kein unfreiwillig Gestoppter regt sich auf.

Die Wirkung des Rituals ergreift auch Menschen, die gerade nicht so genau wissen, was sie zu sehen bekommen. Sie erleben gerade das Ende einer Walz: Der 24-jährige Frielinger Simon Laudan kehrt nach 1274 Tagen lehrreicher Wanderschaft durch China, Norwegen, USA Portugal und Philippinen zurück nach Hause. Das ist kein "Wir passieren mal die Ortsgrenze und sind wieder bei Mutter". Das ist - genau wie der Aufbruch - ein Ritus.

Etwa 70 Verwandte, Freunde und Bekannte warten auf den Heimkehrer. So gerne sie wollen, sie dürfen den Zimmerern nicht entgegenlaufen. Vorschriftsmäßig stehen sie hinter dem Ortsschild und erleben alles aus nächster Nähe. Mitten im Kommitee: Großeltern, Eltern und Simon Laudans norwegischer Arbeitgeber Ole Clausen. Alle fiebern mit, als der Zimmermannsgeselle erst seinen Wanderstab, dann das Bündel übers Ortsschild wirft und schließlich hinter seinen Sachen herklettern muss. Dabei helfen seine Rolandsbrüder gerne mit und bilden eine Treppe.

Während Walzbruder Laudan, der gerade vom „Fremden“ wieder zum „Einheimischen“ wird, in den Armen seiner Familie liegt, mischen sich seine Rolandsbrüder unter die Zuschauer. Carsten Marquardt aus Fehmarn erzählt, dass man in Neuseeland keine Zollstöcke und nur Bandmaß kennt. Denis Walisch und Dominik Reuter lassen ihre Handwerkszeichen bewundern. Mancher tätowiert es sich auf den Arm, aber auch als Krawattennadel oder Ohrhänger tauchen sie auf.

Wo die Rolandsbrüder kommende Nacht schlafen werden, in ihrer Sprache „Platte machen“, wissen sie noch nicht. Aber es ergibt sich immer etwas - ob auf Kuba oder in Garbsen. Jetzt muss Simon Laudan nur die Buddeln aus der Erde buddeln, die er zu Beginn seiner Wanderschaft am Ortsschild deponiert hatte. Interessierte lernen in der Zwischenzeit, dass der Wanderstab „Stenz“ und das Bündel „Charlottenburger“ heißen.

Übrigens wird im örtlichen Tennisheim übernachtet. Dabei freut sich Ole aus Norwegen besonders auf die deutschen Bratwürstchen. Dieser herzhafte Snack ist am Polarkreis leider nicht zu bekommen.

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Fotostrecke Garbsen: Die Walz führt Simon Laudan bis nach China

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Von PATRICIA CHADDE

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