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SEW: Antriebsmediziner öffnet ihre Klinik

Garbsen SEW: Antriebsmediziner öffnet ihre Klinik

Zwei Jahre Planung, fast zwei Jahre Bau: SEW eröffnet an der Gutenbergstraße sein neues Montagewerk für 70 Mitarbeiter - eine Geburtsklinik für neue Industrie-Antriebe und ein Operationssaal für betagtere Maschinen.

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Olaf Hoffmann endoskopiert ein Getriebe. Am Monitor kann er kleinste Schäden erkennen.

Quelle: Markus Holz

Altgarbsen. Was für den menschlichen Körper das Herz ist, das ist in Industrieanlagen der Antrieb. Förderbänder ohne Elektromotor, Steuerung und Getriebe stehen still. Ohne Antriebe liefe bei VWN, Bahlsen, Conti, Airport oder Kali+Salz nichts. Und so wie Herzchirurgen defekte Organe reparieren, tun das Olaf Hoffmann und seine Kollegen bei SEW Euro Drive in Garbsen bei Antrieben. Die "Antriebsmediziner" haben ihre neue "Klinik" in Betrieb genommen - ein Millionenneubau an der Gutenbergstraße, zwei Minuten entfernt von der A2, geplant vom Garbsener Architekturbüro Treder & Buchwald.

Vor Olaf Hoffmann steht ein tonnenschweres Getriebe. Der Deckel ist demontiert. Hoffmann steckt eine dünne Lanze mit Licht und Kamera an der Spitze in den Innenraum. Auf dem Monitor neben ihm erscheint ein Bild mit Zahnrädern, Wellen und Lagern. "Das ist Endoskopie wie in der Medizin", sagt Hoffmann. Er erkennt kleinste Schäden, abgewetzte Zähne, Beläge. Er kann sogar sagen, wie lange das Getriebe noch halten wird. "Das schöne ist: Wir können mit dem Gerät zum Kunden fahren und dort endoskopieren. Ein Getriebe-TÜV sozusagen, bevor ein großer Schaden eintritt und das Band ganz still steht."

Bänder dürfen nicht still stehen, und wenn das passiert, dann bitte möglichst kurz. Das ist Maxime bei SEW. Darauf ist das neue "Drive Technology Center Nord" besser ausgerichtet, als das alte. Standortleiter Randolf Bieritz und seine Kollegen hatten mit dem Neubau die Chance, Arbeitsplätze neu zu konzipieren und Abläufe besser zu organisieren. Die "Schlachtbank" für die Demontage verölter Antriebe, die "Waschmaschine" und der Sandstrahler zum Reinigen von Teilen, alles was Dreck und Lärm macht, stehen hinter einem Rolltor im Schmutzraum.

An einer Pilot-Arbeitsstation muss kein Werkzeug mehr zum Werkstück gebracht werden, sondern umgekehrt. Das Getriebe ruht auf einer Arbeitsplatte und wird in einer Schiene Stück für Stück weitergeschoben zum passenden Werkzeug. Die Arbeitsschritte sind immer die selben.

Das neue Werk wäre ein Kandidat für den Umweltpreis, wenn es ihn Garbsen noch gäbe. Höchste Dämmstufe, voll klimatisiert und automatisiert, Solarkollektoren und Luft-Luft-Wärmetauscher, die neueste Generation an Maschinen und energiesparenden Geräten – kein Kilowatt soll verschwendet sein. "Wir kalkulieren mit der Hälfte der Energie, die wir bisher verbraucht haben — bei doppelt so viel Bürofläche. Die Fläche der Montage ist gleich geblieben", sagt Bieritz.

Das neue Gebäude ist für die Zukunft gebaut. Statik und Innenausstattung lassen den Bau von zwei weiteren Stockwerken zu. Zukunft denken ist bei SEW Unternehmenskultur. Das gilt auch für die Interessen der Belegschaft. "Wir haben hier keine Kantine. Aber weil viele Kollegen so gerne kochen, sind zwei Küchenblöcke und ein Gemeinschaftsraum entworfen worden. Jeder hat sein Fach, es gibt Mikrowellen, Pizzaherde, Kühlschränke und Tiefkühler", sagt Bieritz und klingt ein wenig stolz auf die neue Kommunikationszentrale. Wechsel in der Belegschaft? "Kommt fast nicht vor", sagt Bieritz. Vielleicht auch eine Folge solcher  Unternehmenskultur. Die alte Montagehalle ist an die Stadtwerke Garbsen verkauft. Sie richten dort ihren Betriebshof ein, der bislang neben der IGS angesiedelt ist.

SEW: Ein Global Player in Familienhand

SEW hat mehr als 16.000 Mitarbeiter, 
15 Fertigungs- und 
77 Montagewerke in 
51 Ländern. Der Jahresumsatz liegt nach Firmenangaben bei rund 3 Milliarden Euro. Stammsitz ist seit 85 Jahren Bruchsal. Gesellschafter sind die Brüder Jürgen und Rainer Blickle.

SEW entwickelt, baut und wartet Antriebsmotoren für Produktions- und Förderanlagen. Bekanntere Kunden sind VW, Conti, Bahlsen und Heidepark. SEW baut in Garbsen Motoren, Getriebe und Steuerungen aus selbst gefertigten Modulen maßgeschneidert zusammen. Die Teile kommen aus vier Werken in Baden-Württemberg. 30 Techniker sind rund um die Uhr im Einsatz. Am Standort Garbsen sind 70 Mitarbeiter beschäftigt. Zusätzlich steigen seit zwölf Jahren täglich sechs Mitarbeiter aus den Hannoverschen Werkstätten in die SEW-Montur - Menschen mit Handycap, die im Werk Vorarbeiten leisten und "voll integriert sind", sagt Bieritz.

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Das ist neu: Christoph Schmidt schiebt sein Werkstück auf einer Schiene von Werkzeug zu Werkzeug - nicht mehr umgekehrt.

Quelle: Markus Holz
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