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Saturnringschule ruft um Hilfe

Garbsen Saturnringschule ruft um Hilfe

242 Schüler aus 35 Nationen gehen zur Grundschule Saturnring, Tendenz sinkend. Die Einrichtung gilt als Schule im sozialen Brennpunkt. Das Problem: Immer mehr Eltern melden ihre Kinder an umliegenden Grundschulen an. Schulleiterin Silvia Moritz ruft Politiker und Verwaltung um Hilfe.

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Viele Nationen unter einem Dach: Die Kinder, die die Saturnringschule besuchen, stammen aus 35 Staaten. Das ist die Klasse 3a mit Konrektorin Birte Schäck (rechts) und Schulleiterin Silvia Moritz (links).

Quelle: Jutta Grätz

Auf der Horst. Was sind die akuten Probleme der Schule?

Die Schülerzahlen sinken stetig. Für das Schuljahr 2018 stehen aktuell 49 von 108 Schülern im Saturnring-Schulbezirk auf den Einschulungslisten anderer Grundschulen. Im Jahr 2016 wurden 41 Schüler aus dem Schulbezirk der Saturnringschule in die umliegenden Grundschulen Havelse, Garbsen-Mitte und Osterberg eingeschult, schreibt die Verwaltung. Im Schuljahr 2017 stieg die Zahl sogar auf 48 Schüler.

Wie sieht die Prognose aus?

Düster. Die Saturnringschule befürchtet weitere 30 Abwanderungen, so dass für das nächste Schuljahr nur noch 29 Erstklässler verbleiben würden. Dass Kinder aus so genannten bildungsnahen Familien nicht zum Saturnring geschickt werden, kann die Schule belegen: Im Schuljahr 2016/17 betrug der Anteil von Kindern mit Bedarf an vorschulischer Sprachförderung an der Saturnringschule 83 Prozent. Bei den Kindern aus dem Saturnringbezirk in Nachbarschulen sind es 30 Prozent.

Dürfen die Eltern ihre Kinder an anderen Schulen anmelden?

Bislang ja. Seit 2004 ist die Saturnringschule als sogenannte teilgebundene Ganztagsgrundschule organisiert. Daher ist es Eltern rechtlich möglich, eine andere Grundschule zu wählen, obwohl diese nicht zu ihrem Schulbezirk gehört. "Kein Kind in Deutschland muss gegen den Willen seiner Eltern eine Ganztagsschule besuchen", steht in der Vorlage.

Wie soll das geändert werden?

Die Saturnringschule will offene Ganztagsschule werden. Der Antrag liegt beim Kultusministerium. "Wir wollen die Probleme klar benennen und uns damit auseinandersetzen, nur so können wir etwas verändern", sagt Schulleiterin Silvia Moritz. Bei der Umwandlung der Schule in eine offene Ganztagsschule haben Eltern aus dem Schulbezirk nicht mehr die Möglichkeit, ihr Kind an einer Grundschule außerhalb des Schulbezirkes anzumelden. Ausnahmen bleiben in begründeten Fällen möglich.

Was erhoffen sich Schule und Stadt davon?

Die erhoffte Folge sei ein "besserer sozialer Mix der Schüler". Dadurch könnten möglicherweise auch aktuelle Probleme entzerrt werden. "Wir befürchten, dass sich unsere Schule ansonsten zu einer Resteschule mit Kindern entwickelt, die die deutsche Sprache nicht oder noch nicht ausreichend beherrschen und durch erhebliche emotionale und soziale Probleme in allen Lernvorgängen stark beeinträchtigt sind", schreibt Schulleiterin Moritz in ihrem Antrag. Es fehlten sämtliche Vorbilder und eine Elternarbeit bleibe völlig aus.

Wie äußern sich diese "sozialen Probleme"?

"Die Eltern kommen aus allen Teilen der Welt. Das birgt große Chancen und stellt uns vor große Herausforderungen", sagt die Schulleiterin. "Oft prallen Kulturen aufeinander, die unterschiedliche Vorstellungen über Schule und Erziehung haben". Mit Eltern gebe es Verständigungsprobleme, in den Familien herrsche oftmals Arbeitslosigkeit. In ihre Schule gingen außerdem zum Teil traumatisierte Flüchtlingskinder, die eine intensivere Betreuung benötigten. Elternarbeit gestalte sich mit den meisten Familien sehr schwierig. Die Struktur der Schülerschaft habe in der Vergangenheit Fälle von Gewalt, Erpressung und Bandenbildung gefördert. Diese Bedingungen würden das Kollegium stark belasten, so Moritz weiter.

Was halten andere von der geplanten Lösung?

Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern von umliegenden Grundschulen, Stadt, Landesschulbehörde, Jugendhilfestation und Projekt X hat die möglichen Effekte und Chancen diskutiert und spricht sich klar für die offene Ganztagsschule aus. Alle Grundschulen tragen das Votum der Saturnringschule mit. Der Rat befasst sich damit in der Sitzung am 6. November.

Was kann zusätzlich helfen?

Die Stadt unterstützt die Grundschule bereits jetzt durch zusätzliche Sozialarbeiterstunden, mit dem Gewaltpräventionsprogramm PAC, dem Sprachförderprogramm "Sprachen lernen", dem Angebot von Gruppenarbeit mit dem Projekt X und der Zusammenarbeit mit dem Jugendzentrum Planetenring. "Wir haben die Saturnringschule genau in den Blick genommen und wollen den Weg gemeinsam gehen", sagt Sozialdezernentin Iris Metge. Das Kultusministerium hat am Freitag mitgeteilt, dass der Antrag der Schule auf eine zusätzliche Sozialarbeiterstelle genehmigt worden ist.

Das sagt die Landesschulbehörde

Über die Gründe, warum Eltern aus dem Umfeld der Saturnringschule ihre Kinder an anderen Grundschulen anmelden, "kann nur spekuliert werden", schreibt die Behörde auf Anfrage von HAZ/NP Garbsen. Es gebe dazu keine objektiven Untersuchungen. Möglicherweise veranlasse "die vielfältige Grundschullandschaft in Garbsen Eltern, die Grundschule Saturnring nicht anzuwählen." Die Abwanderung sei allerdings bemerkenswert.

Das sagt der Ortsrat Garbsen

So viel Einigkeit herrschte in der Garbsener Politik lange nicht mehr: Alle Fraktionen im Ortsrat Gartbsen lobten Schulleiterin Silvia Moritz für ihren offenen Bericht und die Verwaltung für ihre schnelle und konstruktive Reaktion darauf.

"Es herrscht akuter Handlungsbedarf", sagte Wilfried Aick (SPD), ehemals Lehrer am Johannes-Kepler-Gymnasium und Kenner der Szene. Der Ruf der Schule sei angekratzt. Was jetzt helfe, sei Aufbruchstimmung, nicht Panikmache. Der Weg über die offene Ganztagsschule sei der richtige. "Es geht nicht, dass sich der halbe Jahrgang vom Acker macht", sagte Aick.

Ortsbürgermeister Franz Genegel (CDU) teilte die Bedenken. Auch er lobte die Pläne, die Einrichtung ab dem nächsten Schuljahr zur offenen Ganztagsschule zu machen. Ansonsten bestünde die Gefahr, dass sie "zur Resteschule verkommt". Genegel äußerte sich zuversichtlich, dass die Veränderungen, die ab 2018 gelten sollen, die Situation verbessern werden.

Andreas Koch (Die Unabhängigen) hat die Saturnringschule selbst besucht und bezeichnete sich als Fan der Einrichtung. Er befürchte allerdings, dass das neue Konzept negative Auswirkungen für den Stadtteil haben könnte. "Ich könnte mir vorstellen, dass Eltern extra aus dem Stadtteil wegziehen, um ihre Kinder nicht auf die Schule schicken zu müssen", sagte er.

Trotz dieser Bedenken sprach sich der Ortsrat einstimmig für die Pläne der Schule und der Stadt aus.

Info: Der Garbsener Schulausschuss befasst sich am Mittwoch, 27. September, mit der Grundschule Saturnring. Er kommt um 18 Uhr im großen Konferenzraum der IGS Garbsen an der Meyenfelder Straße zusammen.

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Von Jutta Grätz und Gerko Naumann

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