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Sittler gibt Hildebrandts letzte Zugabe

Garbsen Sittler gibt Hildebrandts letzte Zugabe

"Immer, wenn vom Dritten Reich die Rede ist, streikt die Technik", scherzt Schauspieler Walter Sittler. Die Mikrofonpanne passiert gleich zweimal und wird von ihm mit Nonchalance gemeistert. Zum Abschluss des Heitlinger Herbstes war Sittler am Sonnabend auf Gut Thiele zu Gast.

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Schauspieler Walter Sittler fasziniert das Publikum beim Heitlinger Herbst mit seiner Lesung.

Quelle: Lütjens

Heitlingen. In seiner Lesung "Letzte Zugabe" präsentierte er Texte des großen deutschen Kabarettisten Dieter Hildebrandt, dem 2013 verstorbenen Meister der satirisch-kämpferischen Auseinandersetzung. Glücklicherweise versucht der beliebte Fernsehstar mit der grauen Wallemähne und den leuchtend blauen Augen, vor allem bekannt aus Krimis und der Serie "Nikola" sowie zahlreichen Filmen, nicht wie Hildebrandt zu sein. Mit seiner akzentuierten, klaren und nahezu perfekten Sprechweise gibt er den satirisch-ironischen Texten seine eigene Note.

Erich Kästner war Hildebrandt Vorbild. Durch den Schriftsteller kam er zum Kabarett. Daher steigt Sittler mit Hildebrandts Dankesrede zur Verleihung des Kästner-Preises ein, in der der Kabarettist Kästners Rede gegen das Vergessen zitiert. Beiden war gemein, Politik und Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten, Unrecht und Unwesen anzuprangern.

"Wir stehen vor jeder Autorität stramm, nicht mal symbolischer Widerstand ist erlaubt. Keine Courage, kein Gewissen, kein Mut", heißt es darin. Hat sich bis heute was geändert? Kaum. So prangert Hildebrandt in seinen letzten Texten Politiker, Steueroasen und -gesetze, Bahn-Blö(d)dorn, Rettungsschirm und Verfassungsschutz an. Das kommt an beim Publikum. In das Gelächter mischt sich ein Hauch von Bitterkeit.

Der Verlag sprach Sittler an, ob er die letzten Texte von Hildebrandt, die im Band "Letzte Zugabe" zusammengefasst sind, als Hörbuchfassung sprechen wollte. Renate Küster, Hildebrandts Witwe, hatte es sich gewünscht. Sie und ihr Mann hatten Sittler nicht nur als facettenreichen Schauspieler geschätzt. Dieser bezog klare politische Kante gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21. Damit begab er sich auf dünnes Eis. CDU-Politiker versuchten öffentlich, ihn als Krawallmacher zu diskreditieren. Dadurch musste Sittler sogar berufliche Konsequenzen befürchten. Politiker scheinen klare politische Haltungen nicht zu mögen.

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