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Praktikum im Blaulicht schärft den Blick

Garbsen / Neustadt / Seelze / Wunstorf Praktikum im Blaulicht schärft den Blick

Vor zwei Wochen waren sie sich noch nicht sicher. Aber in den vergangenen 14 Tagen ist viel passiert: Ein Praktikum bei der Polizei als Selbsttest für die Berufswahl. Sieben IGS-Schüler haben sich diesem Test unterzogen. Für alle ist der Job bei der Polizei eine ernsthafte Option geworden.

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Das Papier ist ehrlich verdient (von links): Florian Arend und Sarah Porcher überreichen den IGS-Schülern Michel Eckermann, Sören Röhrbein, Sophie Ellmann, Jenna Griguleit, Sophie Meyer und Okan Duman ihre Bescheinigungen über 14 Tage Polizeipraktikum. Das persönliche Zeugnis folgt.

Quelle: Markus Holz

Garbsen. Es war ein "Ausnahmsweise-Praktikum", außerhalb der üblichen Termine. IGS-Berufseinstiegsbegleiter Karsten Narjes hatte sich für die Zehntklässler eingesetzt, die alle zur Polizei wollten, aber bei der zentralen Online-Bewerbung aussortiert wurden. Ein Gruppen-Praktikum wie dieses wird eine Ausnahme bleiben, weil der Aufwand für die Polizei erheblich und zusätzlich ist.

"Alle haben außerordentliches Engagement gezeigt, haben mitgemacht und mitgedacht – Respekt. Dahinter steht wirklich Interesse am Beruf", sagt Florian Arend. Er habe selten so motivierte Praktikanten erlebt. "Wenn nur einer von den sieben später Polizist wird, hat sich der ganze Aufwand gelohnt", sagt Arend. Er und seine Kollegin Sarah Porcher waren die festen Begleiter der Schüler. Porcher honorierte den Mut der Praktikanten und dass sich niemand versteckt hat, wenn Mitmachen gefordert war.

14 Tage unter Blaulicht ist nicht übertrieben. Die Schüler waren nach der ersten Besichtigungs- und Übungswoche zwischen 6 und 20 Uhr den Schichtdiensten in Garbsen, Seelze, Neustadt und Wunstorf zugeteilt. Alle haben Einsatzfahrten mitgemacht, haben Schichtdienst kennengelernt, haben reichlich Unfälle gesehen. Einige wenige erlebten Fälle von häuslicher Gewalt. Okan Duman hat so eine Szene gesehen. Eine Frau hatte ihrem Mann einen Teller an den Kopf geworfen. Viel Streit, viel Blut, "es sah wie ein richtiger Tatort aus", sagt Okan. "Ich wollte da erst nicht reingehen, war aber neugierig und habe mich im Hintergrund gehalten."

Was allen Schülern aufgefallen ist, ist die Ruhe, die Sachlichkeit und das Wissen der Polizisten. Und sie haben die umfangreiche Schreibarbeit gesehen, die jeder Polizist auf dem Tisch hat. "Ihr seid in der Polizeidirektion gewesen, bei der Hunde-, der Reiter- und der Hubschrauberstaffel. Ihr habt mehr gesehen, als mancher Kollege", sagte Andrea Volkmer, stellvertretende Inspektionsleiterin, „dies war der beste Einblick, den ihr vor einer Berufsentscheidung bekommen könnt." Volkmer weiß, dass nicht jeder die Online-Hürde im Bewerbungsverfahren für ein Praktikum schafft. "Dann kommt persönlich hier her und sprecht mit uns. Außerhalb bestimmter Zeiten ist eine Woche Praktikum immer möglich", sagt Volkmer.

Was hat sich in 14 Tagen verändert?

Okan Duman (15) hatte sich vom Praktikum Antworten über Polizeiarbeit erhofft. "Was ich erfahren habe, ging weit über meine Fragen hinaus." Was ihn überrascht hat, war der hohe Anteil der Schreibarbeit im Polizeidienst. "60 Prozent ist Schreibtisch, 40 Prozent ist Einsatz; ich dachte vorher, es sind 100 Prozent Einsatz." Beeindruckt hat ihn die Vielseitigkeit des Berufs, und dass er mittendrin sein konnte in der Polizeiarbeit, nicht nur als Mitläufer. Er hat in einem Fall als Übersetzer helfen können. Im zweiten Fall hat er verzichtet, als ein Beschuldigter Polizisten beschimpfte – "das war zu hart", sagt Okan.

Sophie Meyer (15) war einfach nur gespannt auf ihre Polizeizeit. War es spannend? "Total. Man kennt ja etwas aus dem Fernsehen, aber es steckt so viel mehr Arbeit in diesem Beruf. Die Vielseitigkeit ist beeindruckend." Die Begegnung zwischen Polizei und Bürger hat Sophie ganz anders erlebt, als im Fernsehen – ruhiger, gelassener, "da wird es nicht immer gleich laut und schlimm. Ich bin beeindruckt, wie viel Wissen Polizisten mitbringen. Dass man dafür studieren muss, kann ich jetzt besser verstehen. Sie kann ausschließen, dass der Beruf für sie nicht in Frage kommt. Nicht ausschließen will sie, dass sie noch etwas anderes findet.

Sören Röhrbein (16) hatte den Polizeiberuf lange vor dem Praktikum im Kopf. "Die Option hat sich durch die Einblicke verstärkt; das ist jetzt mein Favorit." Es sei ein Beruf, in dem man bei Schichtbeginn nicht wisse, was alles passiert. Das reizt ihn. "Es sind immer andere Situationen, immer andere Menschen, mit denen man zu tun hat." Beeindruckt hat ihn, wie freundlich und sachlich er Polizisten erlebt hat, "egal wie angespannt die Situation ist", sagt er. "Es sind wirklich viele Anforderungen, es ist viel zu beachten." Kein Praktikumsmoment hat ihn am Berufswunsch zweifeln lassen – die Bewerbung scheint sicher.

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Von Redakteur Markus Holz

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