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Dreimal pro Woche offene Tür

Berenbostel Dreimal pro Woche offene Tür

Ein junges Paar, das wegen seines Übertritts zum Christentum aus Afghanistan fliehen musste, sucht  Hilfe bei Kathrin Osterwald vom ökumenischen Sozialprojekt Neuland. Die beiden müssen in der nächsten Woche nach Braunschweig zu einer Anhörung wegen ihres Bleiberechts.

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Yvonne Molitor gibt ehrenamtlich Deutsch-Ferienkurse für Flüchtlingskinder.

Quelle: Lütjens

Berenbostel. Das Paar lebt seit zwei Monaten in Garbsen und besucht einen Deutschkurs. Osterwald erklärt ihnen die Papiere und bereitet sie auf Fragen vor, die bei der Behörde gestellt werden. „Bei der Anhörung müssen sie alles offenbaren, das ist schwer, denn viele sind traumatisiert“, sagt Osterwald. Fahrkarten bekommen die beiden gestellt. Dann bekommen sie noch den Tipp, einmal das Maschseefest in Hannover zu besuchen.

Dreimal in der Woche steht die Tür des Nachbarschaftsladens an der Wilhelm-Reime-Straße für Bewohner des Kronsbergs offen. Dazu bietet Neuland Angebote wie Hausaufgabenhilfe, Deutschkurs, Internationaler Frauentreff, Kochen mit Kindern, Fahrradwerkstatt, Café Kronsberg, Spiel und Spaß und Beratung für Familien mit Migrationshintergrund.

Dafür sind Kathrin Osterwald und ihr Kollege Ronald Brantl zuständig. Während der Offenen Tür bieten sie Gespräche und Beratung an. Hilfe bei Formularen, Behördengängen, Bewerbungen gehören ebenso dazu wie der Kontakt zu den Wohnungsbaugesellschaften oder die Annahme gespendeter Fahrräder, die für Flüchtlinge besonders wichtig sind, um mobiler zu sein.

Wenn neue Flüchtlinge kommen, werden sie von Osterwald und Yesim Celik, Koordinatorin bei der Stadt für Flüchtlingssozialarbeit empfangen. Sie lernen gleich zu Beginn den Nachbarschaftsladen kennen. Neben den telefonischen und persönlichen Kontakten steht die aufsuchende Arbeit im Mittelpunkt. „Da geht es um Briefkastenschlüssel oder die Arbeitserlaubnis und vieles mehr“, so Osterwald. Zum Beispiel, warum ein junger Iraker, der in seiner Heimat studiert hat, nicht mehr zum Deutschkurs kommt.

Als Nächstes kommt eine sechsköpfige albanische Familie herein. Kathrin Osterwald erklärt der englisch sprechenden Tochter den Sozialhilfebescheid. „Sie ist jetzt der Chef. Das ist für den Vater nicht einfach, wenn sich Familienstrukturen verändern“, sagt sie. Dann macht sie noch schnell einen Arzttermin für die zweite Tochter. Nach Ende der offenen Tür springt Osterwald ins Auto und bringt einen gebrauchten Fernseher zu Familie Muric. Dann geht es schon wieder weiter zu den Ferien-Deutschkursen für Kinder.

Garbsen braucht mehr Integrationslotsen

Von 20 ausgebildeten Integrationslotsen sind zurzeit zehn im Einsatz. „Es dürfen gerne noch mehr werden, der Bedarf ist da“, sagte Kathrin Osterwald vom ökumenischen Sozialprojekt Neuland. Das sei auch davon abhängig, ob die Volkshochschule entsprechende Kurse anbiete. Die Sozialarbeiterin koordiniert das Netzwerk, bietet den Lotsen Orientierung und Austausch an. Sie stellt auch die Kontakte zu den Flüchtlingsfamilien her. Seit Januar hat die Stadt 209 Personen aufgenommen, 29 weiter kommen nächste Woche, bis Ende September rechnet die Verwaltung mit 296 Asylsuchenden. Die Integrationslotsen wollen ihnen einen guten Start in Garbsen ermöglichen. Sie begleiten die Flüchtlinge zu Behörden, fahren mit ihnen zum Arzt, zur Traumabehandlung und begleiten Familien bei Anmeldungen für die Schule und Kindertagesstätte. Einige geben auch Deutschkurse. Zwei Studentinnen und eine Schülerin leiten darüber hinaus ehrenamtlich Ferienkurse für Flüchtlingskinder. „Die meisten Asylsuchenden wollen unbedingt die Sprache lernen“, sagte Osterwald. Sie dürfen aber nicht in die Integrationskurse, bis ihr Aufenthaltsstatus geklärt ist. Daher ist Sprachvermittlung auf ehrenamtlicher Basis gefragt. Im Unterstützerkreis sind alle vereint, die helfen wollen. Sie kümmern sich um Räume, Bücher und Material. Wichtig sei laut Osterwald auch, Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen. Neben den Angeboten von Neuland könnten das Projekte wie Nähen, Kochen und Sport sein.

Interview: Ein offenes Ohr haben

Im ökumenischen Sozialprojekt Neuland kümmert sich Kathrin Osterwald (49) um die Sozialarbeit auf dem Kronsberg. Außerdem ist sie mit der Flüchtlingssozialarbeit sowie dem Netzwerk der Integrationslotsen betraut. Darüber sprach mit ihr Anke Lütjens, Mitarbeiterin der Leine-Zeitung.

Hatten Sie Angst vor den großen Fußstapfen, die Kai Schiewek hinterlassen hat, der das Projekt Neuland geprägt hat?

Relativ schnell nicht mehr. Ich hatte gleich guten Kontakt zu den Menschen und es gab viele Ehrenamtliche, durch die es lief. Ich musste nicht alles alleine machen. Jetzt habe ich das Gefühl, ich bin genau richtig hier.

Was ist wichtig für Ihre Arbeit?

Ein offenes Ohr für alle Bewohner hier zu haben und Hilfe zur Selbsthilfe, nicht nur bei den Flüchtlingen. Wir müssen die Menschen mitnehmen, ihnen Wege aufzeigen und sie dabei unterstützen. Aber gehen müssen sie irgendwann alleine.

Was müsste Ihrer Ansicht nach seitens der Politik getan werden, um die Situation der Flüchtlinge zu verbessern?

Vor allem eine bessere Situation in den Herkunftsländern schaffen. Keiner verlässt gerne und freiwillig seine Heimat. In den Aufnahmeländern geht es darum, ihnen ein sicheres Gefühl zu geben. Die Frage der sicheren Herkunftsstaaten muss geklärt werden, beispielsweise Serbien oder bei den Roma.

Nachhaltige Arbeit ist ihr wichtig

Kathrin Osterwald ist ein kontaktfreudiger, empathischer Mensch und ein Teamplayer. Seit Dezember 2013 kümmert sich die 49-Jährige zusammen mit ihrem Kollegen Ronald Brantl um die Sozialarbeit auf dem Kronsberg. Sie ist bei der katholischen Kirche mit 21,5 Stunden angestellt. Seit Mai stellt die Stadt insgesamt 13 Stunden für die Flüchtlingssozialarbeit sowie für Aufbau, Betreuung und Koordination des Integrationslotsennetzwerks zur Verfügung. Osterwald hat drei Kinder und wohnt in Velber. Nach einer kaufmännischen Ausbildung hat sie Landschafts- und Freiraumplanung studiert. Danach hat sie lange in einem Planungsbüro für nachhaltige Entwicklung gearbeitet. Anschließend war die Velberanerin bei der Stadt Seelze im Stadtteilprojekt Letter-fit tätig, wo sie vor allem mit Kindern und Migranten gearbeitet hat. Dafür hat die 49-Jährige Zusatzqualifikationen im Freiwilligenmanagement und interkultureller Kompetenz erworben. Ende des Jahres läuft ihr Vertrag aus, aber es gibt Signale, dass die Arbeit mit ihr bei Neuland auch 2016 weiterlaufen soll.

Von Anke Lütjens

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