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Stadt Garbsen belegt erste Sammelunterkunft

Flüchtlinge Stadt Garbsen belegt erste Sammelunterkunft

20 Flüchtlinge sind am Donnerstag in Garbsen angekommen. Die Syrer kamen aus dem Erstaufnahmelager Bramsche, das sie nach vier Tagen weiter nach Osnabrück schickte. Nun hat die Landesaufnahmebehörde in Braunschweig ihnen Garbsen zugeteilt.

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Der 25-Jährige Physikstudent Abdulrazak aus Syrien kommmt in Garbsen an.

Quelle: Harmening

Garbsen. Vorerst angekommen: Abdulrazak trägt seine Sachen in die Förderschule am Hespe, die die Stadt Garbsen zu einer Notunterkunft für bis zu 92 Flüchtlinge umgebaut hat. Der 25-Jährige ist einer der 20 syrischen Männer, die am Donnerstag in die vom DRK betriebene Unterkunft eingezogen sind.

Der Physikstudent hat einen langen Tag hinter sich. Um 8 Uhr morgens ist er in Osnabrück in den Zug nach Wunstorf gestiegen. Von dort ging es mit dem Linienbus bis zum Garbsener Rathaus. Den Weg müssen die Flüchtlinge alleine finden. „Sie bekommen die Adresse und den Reiseplan. Wir wissen nicht genau, wann sie hier eintreffen“, erklärt Klaus Pfannenschmidt, Garbsens Abteilungsleiter Soziale Dienste, der zusammen mit Yesim Celik und Dieter Göhns die Flüchtlingsbetreuung organisiert.

Abdulrazak reist mit seinem 19-jährigen Bruder Omar. Im August sind sie aus Wien mit dem Zug in München angekommen, Freunde empfahlen, nach Hamburg zu fahren, von dort ging es nach Bremen, dann in das Erstaufnahmelager Bramsche, das ihn nach vier Tagen weiter nach Osnabrück schickte. Nun hat die Landesaufnahmebehörde in Braunschweig ihnen Garbsen zugeteilt.

Abdulrazak und Omar stammen aus Raqqa im Norden Syriens. „Mein Vater hat das Auto verkauft, um uns die Flucht zu ermöglichen“, berichtet Abdulrazak auf Englisch. Seine Familie ist noch in Syrien. Über WhatsApp halten sie Kontakt. „Es geht ihnen nicht so gut. Zu Hause fallen Bomben“, sagt er.

Im Garbsener Rathaus begrüßen Bürgermeister Christian Grahl und Sozialdezernentin Iris Metge die Syrer und sprechen von Schutz und Sicherheit, die Deutschland bietet. Auch viele Gesetze und Regeln seien zu beachten, deshalb dauere manches eben, erklärt Grahl.

Wie das in der Praxis aussieht, erfährt Abdulrazak nach einer Mahlzeit in der Rathauskantine. Der erste Gang führt ins Bürgerbüro, um sich in Garbsen zu melden. Adresse: Ludwigstraße 6. Auf die Frage, ob er verheiratet sei, antwortet er auf Deutsch: „Ledig.“ Das Wort hat er in der Unterkunft in Osnabrück aufgeschnappt. Dort hätten sich die Menschen sehr gut um sie gekümmert und sie mit Kleidung versorgt, lobt Abdulrazak. Auch eine neue Brille hat er bekommen. Die alte war auf der Flucht kaputtgegangen – irgendwo auf der langen Reise über die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich nach Deutschland. Acht Stunden hat die nächtliche Überfahrt nach Kos mit mehr als 45 Menschen in einem winzigen Boot gedauert. Für den Fußmarsch über die ungarische Grenze haben sie die ganze Nacht gebraucht und den Weg nur mit GPS im Smartphone gefunden.

In Garbsen sind die Wege kurz. Gleich neben dem Bürgerbüro sind die Sozialen Dienste. Dort erhält Abdulrazak einen Scheck über das Geld, das ihm nach dem Asylbewerberleistungsgesetz zusteht, 327,99 Euro monatlich. Zusätzlich zahlt die Stadt Unterkunft und Energiekosten. Auch einen Krankenschein für Arztbesuche und eine Region-S-Card zum ermäßigten Bus- und Bahnfahren bekommt er. Bei einem gemeinsamen Gang zur Sparkasse zeigt ihm ein Mitarbeiter der Stadt auch gleich, wie er den Scheck bei der Sparkasse einlöst. Am späten Nachmittag geht es endlich in die Unterkunft am Hespe. Wenigstens einkaufen muss Abdulrazak nicht mehr: Das E-Center spendet jedem Flüchtling eine Tüte mit Lebensmitteln und Hygienartikeln für den Start in Garbsen.

Von Susanne Harmening

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