Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 16 ° wolkig

Navigation:
600 neue Wohnungen in Berenbostel-Ost

Garbsen 600 neue Wohnungen in Berenbostel-Ost

Garbsen ändert seine Strategie in Sachen Wohnungsbau: Statt Privat-Investoren die Initiative zu überlassen, was wo gebaut wird, nimmt sie das Heft selbst in die Hand. In Berenbostel-Ost sollen annähernd 600 Wohnungen entstehen. Planer sind zum Wettbewerb eingeladen - ein Modell für die Region?

Voriger Artikel
Neue Eintrittszeit fürs Hallenbad
Nächster Artikel
Karfreitag für Kinder

Berenbostel-Ost: Die geplanten Baufelder erstrecken sich über die Ackerflächen im oberen Drittel des Luftbildes zwischen dem Gewerbegebiet (links oben) über die Siedlung Auf dem Kampe (Mitte) bis zu den Häusern am rechten Bildrand.

Quelle: Büro Ackers

Berenbostel. "Ja, durchaus ein gutes Modell für die Region", sagt Prof. Axel Priebs, Dezernent für regionale Raumordnung bei der Region Hannover. Er hat das Konzept en detail mit der Stadtverwaltung ausgetüftelt, den städtebaulichen Wettbewerb angeregt und dafür 20.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Hintergrund sind bis zu 28.000 fehlende Wohnungen in der Region im nächsten Jahrzehnt. Die Region zieht Menschen an, sagen Prognosen, 38.000 bis 2025. Der Markt für bezahlbaren Wohnraum ist heute annähernd leer. 18.000 gute, aber günstige Wohnungen fehlen akut. "Und wenn man den Menschen die Möglichkeit geben will, in der Region von A nach B zu ziehen und etwas Bewegung in den Markt bringen will, fehlen nochmal 10.000 Wohnungen", sagt Priebs. "Wir wollen zeigen, was man aus diesem Potenzial in Garbsen machen kann. Ich rechne mit einer hohen Qualität der Entwürfe und mit einer Vielfalt von Ideen."

Modellprojekt Garbsen

Warum ein Modellprojekt in Garbsen? "Weil die Pläne in Garbsen unter allen Kommunen am weitesten entwickelt sind", sagt Priebs und meint das Wohnraumversorgungskonzept der Stadt. Bürgermeister Alexander Heuer (SPD) hatte die Arbeit an einem Wohnbauflächenprogramm begonnen, Nachfolger Christian Grahl (CDU) setzt sie mit anderer Strategie fort. Rund 19 Flächen mit zusammen 100 Hektar hatten die Bauverwaltung unter Stadtbaurat Frank Hauke und Jürgen Stoffregen aus der Wirtschaftsförderung für potenzielles Bauland erklärt, darunter Meyenfeld-Süd, Horst (Im Stühe), Frielingen (Klüterfeld) und Berenbostel-Ost. Die Sozialverwaltung unter Iris Metge hatte ausgerechnet, welche Belastung jedes Baugebiet für die Stadt bringen würde: Neue Einwohner bedeuten auch mehr Plätze in Krippen, Kitas und Schulen; Straßen im Umfeld, Radwege und Grünanlagen müssen passen - das alles zahlt die Stadt. Im Konzept sei das aufeinander abgestimmt, sagt Priebs und hält das Vorgehen für vorbildlich.

Berenbostel-Ost: Zug um Zug 600 neue Wohnungen

Berenbostel-Ost, das sind brutto 20 Hektar Land, in Quadratmetern: 200.000. Zieht man Straßen, Wege, Spielplätze, Lärmschutzwall und Regenwasserbecken ab, bleibt weniger Bauland übrig. Wie viel es netto wird, werden die Planungen zeigen. Drei ausgewählte Planungsbüros werden in diesem Sommer zum Wettbewerb um das beste Konzept eingeladen. Planung, der Bau von Straßen, Wegen, Strom- und Kanal brauchen ihre Zeit. Aber 2020 sollen die ersten Häuser bezugsfertig sein, 2035 vielleicht die letzten, sagt Bürgermeister Grahl. Die Stadt will das Gelände in mehrere Bauabschnitte aufteilen und an geeignete Investoren abgeben. Geeignet ist, wer ökologisch sinnvoll, qualitativ hochwertig und maßgeschneidert das Ergebnis des städtebaulichen Wettbewerbs umsetzt. 

Die Stadt braucht Wohnformen aller Art: Wohnungen für Singles und Alleinerziehende, für Studenten-WGs und für Senioren. Sie will Mietwohnungen für Familien bauen lassen, und sie will Platz schaffen für Eigenheime. "Es braucht eine gesunde Mischung", sagt Stadtbaurat Frank Hauke. Er hat kein Interesse, die Flächen auszureizen und in den Himmel bauen zu lassen. Rund 600 Wohnungen bedeuten etwa 1400 neue Einwohner. "Das wäre für den Stadtteil und die Stadt vertretbar", sagt Hauke.

Die Strategie: Selber machen statt machen lassen

Es gibt in Deutschland zig verschiedene Wege, Bauland zu entwickeln und für maßvolles Wachstum einer Stadt zu sorgen. Kommunen gründen zum Beispiel Genossenschaften oder  Wohnungsbauunternehmen, so sind die GBH und die ehemals gemeinnützige Kreissiedlung Hannover entstanden. Andere Städte sorgen lediglich für Bauplätze und setzen die Rahmenbedingungen; so sind einige Siedlungen entstanden, zuletzt entlang der Philipp-Reis-Straße, in Meyenfeld-Mitte oder auch Seelze-Süd. Garbsen hat in den Neunzigerjahren das Modell Kommunales Bauland verfolgt und hatte damit wenigstens Einfluss auf die Vergabe der Grundstücke. In Frielingen wird aktuell ein Baugebiet zusammen mit der Niedersächsischen Landgesellschaft (NLG) entwickelt: Die NLG kauft die Flächen, baut Wege und Straßen, und verkauft die Grundstücke an einzelne Bewerber. Die Wertschöpfung bleibt bei der NLG.

In Garbsen hatten die Grünen 2016 gefordert, mal über den Tellerrand zu sehen: Neubaugebiete, schön und gut. Aber sie sollen ins Verhältnis gesetzt werden zu den Kosten, die der Stadt entstehen, sagten die Grünen. Grahl, Kämmerer Walter Häfele, Sozialdezernentin Iris Metge und Stadtbaurat Frank Hauke gehen jetzt ein Stück weiter: Die Stadt kauft das Land, macht es baureif und verkauft es wieder. Mit dem Gewinn - der sogenannten Wertschöpfung - soll wenigstens ein Teil der Last bezahlt werden, die der Stadt entsteht - Kita-Plätze, Schule, Jugendzentrum und so weiter. Häfele will das Bauland Stück für Stück aus dem Etat der Stadt kaufen - ohne neue Schulden. Es kommt ja nach dem Verkauf der Grundstücke zurück, sagt er.

Das Modell steht einem anderen diametral entgegen: Entwickelt und verkauft ein privater Investor sein Land als Bauland, streicht er den Gewinn für sich ein. Das ist legitim. Aber die Stadt bleibt auf den "Wohnfolgekosten" sitzen. Im Fuchsfeld, einem Teil von Berenbostel-Ost, hatte ein Unternehmen der Meyenfelder Hahne-Gruppe auf eigenem Land bauen wollen, aber deutlich dichter und auch höher, als es den Stadtplanern für Berenbostel sinnvoll erschien - angeblich 90 Wohneinheiten pro Hektar; im Projekt der Stadt geht es jetzt etwa um die Hälfte. Der Konflikt war bisher nicht lösbar, politisch hatte das Projekt Gegner und Befürworter.

Nach dem neuen Konzept kann sich die Hahne-Gruppe jetzt entscheiden, ob sie Flächen an die Stadt verkauft und selbst in Wohnungsbau investiert, aber nach den Vorstellungen der Stadtplaner. "Wir haben noch nichts gekauft, aber wir führen sehr intensive Gespräche mit mehreren Eigentümern", sagt Grahl. Für den größten Teil des Areals läge Verkaufsbereitschaft vor. Einige Eigentümer würden das Geld gerne in Neubauten investieren. "Wenn wir keine Chance hätten, die Flächen zu kaufen, wäre es kein Modellprojekt für die Region - wir sind schon sehr weit", sagt Grahl. Ob die Unternehmensgruppe Hahne zu den verkaufsbereiten Gesprächspartnern gehört, will Grahl nicht öffentlich machen.

Bleiben die anderen Flächen jetzt liegen?

Reichen 600 neue Wohnungen für Garbsen? Nein, sagt die Stadt und will weitere Flächen entwickeln. In Berenbostel zum Beispiel am Hespe neben dem ersten Neubaugebiet, in Meyenfelds Süden, am Stühe in Horst, am Kochslandweg in Altgarbsen und natürlich in der Neuen Mitte am Rathausplatz - verteilt auf die Ortsteile, in denen noch Platz ist, und nicht über den Bedarf hinaus.

doc6uhhgpmzrlg64hapeta

Neubaugebiet Berenbostel-Ost: Rund 600 Wohneinheiten sollen zwischen Dorfstraße (oben) und Langenhagener Straße (unten) rechts und links der Wreschener Allee entstehen. Die Siedlung Auf dem Kampe wird Teil des Neubaugebietes.

Quelle: Grafik: Stadt Garbsen
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6w9qa6mlarn1k9r23ebl
Ausprobiert: E-Biken auf dem Rathausplatz

Fotostrecke Garbsen: Ausprobiert: E-Biken auf dem Rathausplatz

Lebensart-Garbsen

Viele interessante Informationen, Adressen und Unternehmen aus Hannovers Nachbarort finden Sie im innovativen Netzwerk "Lebensart Garbsen". mehr