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Zurück in die Kindheit im Trümmerdeutschland

Garbsen Zurück in die Kindheit im Trümmerdeutschland

Kindheit 1945 bis 1955 in Garbsen. Ist das spannend? Warum jetzt das Thema? Das Stadtarchiv bereitet für März/April eine Ausstellung im Rathaus zu diesem Thema vor, weil damals wie heute Flüchtlinge unter uns leben und weil Familienforschung derzeit extrem angesagt ist.

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Iris Metge (links) und Rose Scholl erläutern die Idee zur Ausstellung Himmel und Hölle. Das Holzpferd des Frielingers  Hugo Greff dient in der Schau als Kulisse.

Quelle: Markus Holz

Garbsen. Rose Scholl und Daniela Nowak vom Stadtarchiv haben für diese Ausstellung Menschen angesprochen und nach deren Erinnerungen gefragt. Nicht jeder wollte, nicht jedem war das angenehm. "Aber die meisten wirkten erleichtert, reden zu dürfen", sagt Scholl. Längst vergessen Geglaubtes tauchte aus tiefen Schubladen wieder auf, Tränen sind auch geflossen, sagt Scholl. Allen gemeinsam war das Anliegen, aus ihrer Biografie zu erzählen und zu sagen: Es war eine ganz besondere Kindheit - heute kaum noch nachvollziehbar.

Elisabeth Badur, Gerhard Kallmeyer, Elvira Remus, Friedrich Murtfeld,  Elise Böker, Horst Markworth und Gerhard Röhrbein haben ihren Erinnerungsschrank geöffnet. Sie sind zwischen 1937 und 1943 geboren - in Garbsen, in Langenhagen, im Protektorat Böhmen-Mähren, in Schlesien. Sie erzählen vom fetten Schwein im Stall und selbstgemachter Wurst, von drei Kindern in einem Bett, vom erträumtem Spielzeug, von Vätern, die nicht da waren, sondern in Kriegsgefangenschaft von der Sehnsucht nach ihren Familien zehrten. 

Sieben sehr unterschiedliche Interviews werden in der Rathaushalle zu sehen und zu lesen sein. Alle sieben Zeitzeugen werden voraussichtlich an der Eröffnung teilnehmen. Über den Tafeln werden Träume hängen - real und symbolisch unerreichbar. Der Traum "Einmal richtig satt essen", der Traum von einem eigenen Bett, der Traum vom eigenen Spielzeug und endlich einer Hose, die nicht aus speckigem Leder besteht. Scholl und Nowak lassen etwa 20 solcher Träume in die Rathaushalle hängen. Fast alles sind Leihgaben. Etwa das Holzpferd vom ehemaligen IGS-Lehrer Hugo Greff. Es kam zu Weihnachten aus dem fest verschlossenen Depot, und es wurde dort wieder eingeschlossen, sobald der Tannenbaum abgeräumt wurde.

Grundstock der Ausstellung sind universelle Fotos, wie sie in der Nachkriegszeit überall in Deutschland entstanden sein könnten. Sie gehören zur Sammlung von Michael-Andreas Wahle. Amerikanische Soldaten hatten die Fotografien nach Verlassen ihrer Kasernen in den Müll geworfen.

Die Ausstellung "Himmel und Hölle"

Die Schau "Himmel und Hölle - benannt nach einem alten Hüpfspiel - wird am Sonntag, 5. März, um 17 Uhr im Rathaus eröffnet. Sie bleibt dort bis zum 24. März. Zur Eröffnung werden die Kinderchöre der Kirchengemeinden Frielingen-Horst-Meyenfeld und St. Raphael etwas singen, was sie sonst vielleicht nie gesungen hätten: Ältere Volkslieder. "Im Märzen der Bauer die Rößlein einspannt" - was heißt das eigentlich? "Für die Kinder war  es sehr interessant zu verstehen, was die Texte bedeuten", sagt Scholl. Lieder, die jetzt vielleicht wieder Generationen verbinden können.

Am Mittwoch, 8. März, 18.30 Uhr, kommt die Historikerin Dr. Lu Seegers in die Ausstellung. Sie spricht über ihr Thema "Leben mit dem toten Vater". Es geht ihr um das Leben der Witwen, Waisen und Halbwaisen in Ost und West. Im Zweiten Weltkrieg starben mehr als fünf Millionen deutsche Soldaten. Eine ganze Generation wuchs ohne Vater auf. Der Eintritt zur Ausstellung und zum Vortragsabend ist frei. Führungen können auf Wunsch arrangiert werden. Interessierte wenden sich dafür ans Stadtarchiv, Telefon (05131) 707740, E-Mail stadtarchiv@garbsen.de.

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