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Unterricht unter Polizeischutz an Hauptschule in Garbsen

Nach Gewalttaten Unterricht unter Polizeischutz an Hauptschule in Garbsen

Die Gewalttaten an der Garbsener Hauptschule Nikolaus Kopernikus gehen wahrscheinlich auf eine kleine Gruppe zurück. Seit Donnerstag patrouillieren Polizisten mehrmals am Tag an der Schule im Stadtteil Auf der Horst.

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Seit Donnerstag patrouillieren Polizisten mehrmals am Tag an der Hauptschule im Garbsener Stadtteil Auf der Horst.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Garbsen. Am Freitag wie auch am Vortag gingen bereits Polizeibeamte an der Hauptschule Nikolaus Kopernikus in Garbsen Streife – eine erste Reaktion auf den Hilferuf, mit dem sich Lehrer und Schulleiter angesichts zunehmender Gewalt an die Behörden wandten. Ende Mai waren an drei Autos von Lehrern die Scheiben zerstört, vorher bereits Reifen aufgeschlitzt worden. Doch Vorschläge zur Erhöhung der Sicherheit wie ein Wachdienst, Videoüberwachung, Ausweispflicht und Polizeipräsenz stoßen auf Kritik. Neben Eltern der Hauptschule sieht auch der Sprecher des Stadtschülerrats von Garbsen, Daniel Wegner, die Pläne skeptisch „Das sind ja gefängnisähnliche Zustände. Damit werden Symptome bekämpft statt Ursachen.“ Daniel Wegner, selbst Abiturient der Integrierten Gesamtschule Garbsen, plädiert stattdessen für Sozialprojekte, die den Jugendlichen Perspektiven böten und präventiv gegen Gewalt wirkten. „Man darf nicht die gesamten 270 Schüler der Hauptschule unter Generalverdacht stellen, sondern sollte gegen die kleine gewalttätige Gruppe vorgehen.“

Das geschieht aber offenbar bereits. Als Reaktion auf die jüngsten Vorfälle mussten mehrere Schüler – voraussichtlich dauerhaft – die Schule verlassen, darunter ein 14-Jähriger kurdischer Herkunft. Der Junge hatte Anfang 2010, als er noch nicht strafmündig war, einen Stuhl auf eine Lehrerin geworfen, dem die Pädagogin nur knapp ausweichen konnte. Der Schüler gilt als pädagogisch kaum noch zugänglich. Die Polizei ermittelt wegen verschiedener Delikte gegen ihn und sieht den Jungen auf dem Weg zum Intensivtäter. Zwei weitere Jugendliche, die zum Teil gemeinsam mit dem 14-Jährigen agieren, stehen ebenfalls im Fokus der Polizei. In den 17 Anzeigen, die seit Anfang 2010 in Zusammenhang mit der Schule bei der Polizei eingingen, geht es um Diebstähle, Bedrohung, Beleidigung, Körperverletzung. Zu den gravierendsten Taten zählt, dass Ende 2011 ein Schüler einer Schülerin mit einem Besenstiel gegen den Hinterkopf schlug.

In Absprache mit den Lehrern werden Polizeibeamte kommende Woche in zwei betroffenen Klassen über die Vorfälle sprechen. Sie sollen den Siebt- und Achtklässlern Ratschläge geben, wie auf dominante oder gewalttätige Mitschüler reagiert werden kann. „Es geht um Vorbeugung. Wir wollen aber auch Konsequenzen darstellen“, sagt Polizeisprecher Stefan Wittke.

Bei den Gesprächen zu einem Sicherheitskonzept soll es auch um weitere pädagogische Projekte gehen, sagt Susanne Strätz, Sprecherin der Landesschulbehörde. Die Hauptschule Nikolaus Kopernikus bekomme angesichts des schwierigen sozialen Umfelds seit vielen Jahren Zusatzstunden und kleinere Klassen. Es habe außer Frage gestanden, dass rechtzeitig ein Nachfolger für den ausscheidenden Schulleiter bereit steht. „Wir haben einen Mann mit viel Erfahrung im Umgang mit Problemschülern gefunden, der mit der Lage vor Ort vertraut ist.“ Einen Vergleich mit der Berliner Rütli-Schule, in der Lehrer mit massiver täglicher Gewalttätigkeit der Schüler konfrontiert waren, weisen in Garbsen alle Beteiligten zurück.

Fast ein Stadtteil von Hannover

Das häufig als problematisch wahrgenommene Wohngebiet „Auf der Horst“ gehört zwar eindeutig zu Hannovers Nachbarstadt Garbsen, ist aber ein echtes Produkt hannoverscher Stadtplanung der sechziger Jahre. Denn die Einwohnerzahl der Großstadt wuchs Ende der fünfziger Jahre auf mehr als 570.000 Menschen, also gut zehn Prozent mehr als heute. Die Stadtspitze suchte ein Ventil für den Druck auf dem Wohnungsmarkt – und wurde fündig am westlichen Stadtrand, auf dem Gebiet von Garbsen-Havelse. Dort kaufte die damals frisch formierte städtische Tochtergesellschaft Union-Boden bis 1962 etwa 109 Hektar Land. Es sollte die Grundlage für das Neubaugebiet „Auf der Horst“ werden, das am Ende für mehr als 10.000 Menschen Wohnraum bot.

Die Union-Boden ist heute Betreiber zahlreicher Parkhäuser und Kitas in Hannover, entwickelt aber weiterhin über eigene Tochtergesellschaften Großflächen wie den Expo-Park am Messegelände. In den sechziger Jahren ließ sie für ihr erstes Großprojekt in Garbsen Kanalisation, Wasserrohre und – bundesweit erstmals in einem derart großen Gebiet – Leitungen für das umweltfreundliche Erdgas verlegen. Straßen wurden angelegt, Ladenzentren geplant, ein Lärmschutzwall zur Autobahn aufgeschüttet.

Umgerechnet rund 11,5 Millionen Euro investierte das Unternehmen in Erschließungsvorleistungen, damit 2800 Wohnungen, darunter 600 Eigenheime, gebaut werden konnten. 1964 wurde der Grundstein gelegt, schon 1974 war das Großvorhaben vollständig abgerechnet. Weil Hannover aber die Belegrechte ausüben durfte und überwiegend schlecht in die Gesellschaft integrierte Familien ansiedelte, erbte Garbsen ein soziales Problem Hannovers – und trägt bis heute an dieser Erblast.

 Bärbel Hilbig und Conrad von Meding

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