Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 16 ° Sprühregen

Navigation:
Wenn Leben retten zur Millimeterarbeit wird

Garbsen Wenn Leben retten zur Millimeterarbeit wird

Bei einem Feuerwehreinsatz kommt es oft auf jede Sekunde an. Doch an einigen Straßen erschweren enge Durchfahrten, gedankenlose Autofahrer und ungünstige Planung die Arbeit der Rettungskräfte. Manchmal bleiben nur wenige Zentimeter Platz. Die Feuerwehr hat uns einige kritische Stellen gezeigt.

Voriger Artikel
Freies WLAN soll auch in Garbsen kommen
Nächster Artikel
Familientag und Freitickets beim TSV Havelse

So kommt die Feuerwehr mit ihren Einsatzfahrzeugen in engen Straßen zurecht.

Quelle: Benjamin Behrens

Havelse. Bei jedem Heimspiel des TSV Havelse hoffen die Einsatzkräfte der Freiwilligen Ortsfeuerwehr Garbsen inständig, dass nicht passiert. Denn der Regionalligist zieht so viele Fans an, dass die Straßen um das Stadion regelmäßig zugeparkt sind. "Da ist kein Durchkommen mehr", sagt Oberfeuerwehrmann Michael Rinke. Selbst mit kleinen Autos wird es eng. Und natürlich erst recht mit den großen.

Rinke ist seit 2005 in der Feuerwehr, im selben Jahr wurde das Drehleiter-Fahrzeug angeschafft, seit 2007 fährt er das Gerät. Rinke ist gut vertraut mit dem "DLK 23/12", der auf einem Serien-Lkw von Mercedes basiert. Er weiß genau, wie er das rund 14 Tonnen schwere Gefährt auch durch schmale Feuerwehrzufahrten bugsiert. Zahlreiche Spiegel decken jede Kante ab. Bis auf 23 Meter Höhe kann der Korb ausgefahren werden, so können die Einsatzkräfte auch in dieser Höhe löschen oder Menschen retten.

Im Kardinal-von-Galen-Ring in Garbsen-Mitte beispielsweise wird ein Einsatz der Drehleiter an manchen Stellen kritisch. Damit die Leiter auf volle Höhe ausgefahren werden kann, müssen auf beiden Fahrzeugseiten Stützen ausgefahren werden. In der Feuerwehreinfahrt hinter einem Häuserblock wird es eng. Rinke schlägt das Lenkrad ein, setzt zurück. Immer wieder blickt er abwechselnd in die Seitenspiegel - und steht. Nur für die Stützen ist kaum Platz, sie behindern die Feuerwehrleute. "Da müssen wir dann drüber steigen, das kostet Zeit", sagt Rinke.

Probleme machen zudem Autofahrer, die ihre Fahrzeuge gedankenlos abstellen. Gegenüber der Feuerwehrzufahrt steht ein weißer Anhänger. "Der sieht aus, als ob er schon länger da parkt", sagt Rinke. Bei einer Einsatzfahrt sind die Fahrzeuge mit im Durchschnitt zwischen 50 und 60 Stundenkilometern unterwegs. So wird daraus Millimeterarbeit - selbst im Schritttempo.

Wenn die Situation es nötig macht, gehen Menschenleben vor. "Wenn da mal ein Spiegel abgefahren wird - das kann vorkommen", sagt Rinke. Ihm ist es noch nicht passiert. Je nach Situation würde sich Rinke über die Einsatzleitstelle absichern - diese entscheidet dann und übernimmt die Verantwortung. Zur Not wird das Fahrzeug mit vereinten Kräften zur Seite geschoben. "Wir würden uns was einfallen lassen, wie wir das Auto da weg kriegen, aber das kostet uns wertvolle Zeit."

Schmale Straßen, viele parkende Autos, wenig Platz zum Manövrieren - auch in anderen Stadtteilen gibt es Probleme. "Stellenweise parken auch Lieferwagen oder Wohnmobile auf nicht gekennzeichneten Flächen - das ist ein Problem", sagt Ulf Kreinacker. Es sei einfach zu wenig Parkraum vorhanden. "Das hat auch etwas mit der Gesellschaft zu tun: Früher hatten Vater und Mutter vielleicht ein Auto, jetzt haben beide eins und die Kinder auch noch", sagt der Stadtbrandmeister.

Regelmäßig fährt die Feuerwehr probeweise kritische Stellen an, um zu prüfen, wie zugänglich sie sind und ob Fahrzeuge die Durchfahrt blockieren. "Einige Anlieger haben schon angerufen und Fälle gemeldet", sagt Rinke. Nur gegen uneinsichtige Fahrer hilft das nicht. "Manche Leute merken es erst, wenn es zu spät ist."

Feuerwehr rufen - aber richtig

Nicht nur unüberlegt geparkte Autos machen der Feuerwehr bei der Fahrt zu Einsatzorten Probleme. Am Montag verzögerte sich das Löschen eines Containerbrands im Stadtteil Auf der Horst, weil die Helfer zunächst eine falsche Straße entlangfuhren. Garbsens Stadtbrandmeister Ulf Kreinacker bittet Anrufer deshalb darum, die Leitstelle immer so genau wie möglich zu informieren. "Im Idealfall bleibt derjenige, der den Notruf getätigt hat, vor Ort und kommt uns entgegen, um die Rettungskräfte heranzuwinken", sagt der Stadtbrandmeister.

Grundsätzlich solle in Gefahrensituationen niemand Scheu haben, die 112 zu wählen, sagt Kreinacker. Wer sich unsicher ist, kann auf die fünf sogenannten W-Fragen zurückgreifen: Wo und was ist passiert? Wie viele Verletzte gibt es? Wer meldet den Notfall? Und der vielleicht wichtigste Hinweis: Warten auf Rückfragen. "Je genauer die Leitstelle bescheid weiß, desto schneller sind wir da", sagt Kreinacker.

doc6ugghg7j1pvotxyt8tf

Fotostrecke Garbsen: Wenn Leben retten zur Millimeterarbeit wird

Zur Bildergalerie

Von Benjamin Behrens und Gerko Naumann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6vgx0sn1xzl1cd8x9iq7
Hauskatzen in die Volieren?

Fotostrecke Garbsen: Hauskatzen in die Volieren?

Lebensart-Garbsen

Viele interessante Informationen, Adressen und Unternehmen aus Hannovers Nachbarort finden Sie im innovativen Netzwerk "Lebensart Garbsen". mehr