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Videothek Nr. 1 gibt nicht auf

Garbsen Videothek Nr. 1 gibt nicht auf

Videotheken haben es in Zeiten von Videostreaming schwer. Auch Garbsens letzter Filmverleih, die Videothek Nr. 1, kämpft mit Kundenrückgang und der Onlinekonkurrenz. Aufgeben wollen Henry und Dietmar Engelhardt aber nicht, sondern setzen auf das, was das Internet nicht bieten kann.

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Dietmar Engelhardt betreibt die letzte Videothek in Garbsen, die Videothek Nr. 1.

Quelle: Sabine Gurol

Garbsen. "Nein, wir machen weiter", sagt Dietmar Engelhardt entschlossen. "In Garbsen schließt die letzte Videothek" hatte kürzlich ein Nutzer im sozialen Netzwerk Facebook geschrieben. Engelhardt widerspricht ihm: "Wir sind für unsere Kunden da". Der 61-Jährige muss es wissen, denn immerhin betreibt er ebenjene Videothek, die auch die letzte verbliebene für Seelze, Wunstorf und Neustadt ist: Die Videothek Nr. 1 in der Osteriede. Auch im Inneren lässt nichts darauf schließen, dass der Verleih für immer geschlossen werden soll. Im Gegenteil. Rechts neben der Eingangstür stehen neue Filme, wie etwa die Minions. Auch die anderen Regale sind gut gefüllt.

Seit 30 Jahren betreibt die Familie die Videothek in Garbsen. Bis heute hat man sich am Standort gehalten, obwohl viele Konkurrenten zunächst Übernahme-Angebote abgegeben hatten und später, als es nicht mehr rund lief in der Branche, wieder schließen mussten. "Da können wir sehr stolz drauf sein", sagt Engelhardt. 3500 Filme hat man derzeit im Verleih, 1000 im Verkauf. Drei festangestellte Mitarbeiter arbeiten bei der "Nr.1", dazu fünf Aushilfen. Dennoch hat es in Zeiten von Videostreaming auch das Traditionsgeschäft nicht leicht. "Ich sage immer: Das Internet ist Fluch und Segen zugleich", sagt Engelhardt.

Nur Top-Filme bringen noch Kundschaft

Für das Geschäft mit den Filmen dominieren allerdings die schlechten Auswirkungen. Immer mehr Menschen in Deutschland beziehen ihre Filme über Streamingdienste wie Netflix oder Amazon Video und über Online-Videotheken von iTunes, Maxdome, Telekom oder Sky. Wenn man, um einen neuen Film zu sehen nicht mehr das Haus verlassen muss, siegt die Bequemlichkeit - zum Leidwesen der Videotheken. Und auch die Filmstudios setzen nicht mehr unbedingt auf das Vor-Ort-Verleihgeschäft. "Früher bekamen wir Top-Filme vier Wochen vor dem Handel, heute kriegen Sie die dort zeitgleich oder sogar früher", sagt Henry Engelhardt, der die Videothek an seinen Sohn weitergegeben hat.

Die Suche nach neuen Zugpferden für das Videothekengeschäft gestaltet sich schwierig. Für Top-Filme, für die etwa bei Amazon Video auch die Flatrate-Kunden bezahlen müssen, kämen die Kunden noch. "Das sind Filme, wo der Kunde sagt: Die muss ich sofort sehen." Nischen aber sind kaum noch zu finden. Selbst der Verleih von PC- und Konsolenspielen lohnt sich kaum. Weil die Videothek auch UPS-Paketstelle ist, kämen manchmal Leute herein, die noch nie eine Videothek von innen gesehen hätten, erzählen die Engelhardts.

Reservierungsservice und Beratung sollen der Schlüssel sein

Dennoch hält sich die Videothek. Zum einen, weil das Gebäude in der Osteriede ihnen gehört - und sie Mieteinnahmen von weiteren Nutzern des Hauses bekommen. Und schließlich ist da noch das, was Onlinedienste ihren Kunden nicht bieten: persönliche Beratung und Service. Auf einer Blogseite veröffentlicht die Videothek, welche neue Filme geliehen werden können - inklusive Inhaltsbeschreibung. Auch ein Reservierungsservice ist verfügbar. Die Kunden können anrufen und sich einen Film zurücklegen lassen, um ihn dann später abzuholen. So müssen Filmfans nicht mehrfach kommen und eventuell enttäuscht wieder gehen, weil gerade alle Exemplare ausgeliehen sind.

Gegen Enttäuschungen beim Filmschauen helfen auch die Mitarbeiter. Sie können ihre Kunden einschätzen, wissen, was gefällt. "Da kann man gezielt zum Beispiel eine Komödie empfehlen, weil man den Geschmack kennt", sagt der 80-jährige Henry Engelhardt und fügt hinzu: "Im Internet muss man sich selbst beraten."

Von Sabine Gurol

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