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In Sprachlernklassen tritt der Normalfall nicht ein

Garbsen In Sprachlernklassen tritt der Normalfall nicht ein

Seit Herbst 2014 werden in der Saturnringschule und in der Nikolaus-Kopernikus-Hauptschule rund 70 Kinder in vier Sprachlernklassen unterrichtet. Die Klassen gelten als eigener Fachbereich und haben ein kleines Budget für Anschaffungen. Darüber hinaus gibt es keine Normalität.

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Schüler in einer Sprachlernklasse.

Quelle: dpa/Symbolbild

Auf der Horst. "Wir haben ein sehr gemischtes Klientel", sagt Annemarie Schuster, Lehrerin der Sprachlernklassen in der Saturnringschule, die zusammen mit ihrer Kollegin Melanie Zahlmann von der Nikolaus-Kopernikus-Hauptschule kürzlich im Schulausschuss aus ihrer Arbeit berichtete. "Es gibt nicht nur Flüchtlingskinder aus Irak und Syrien", das sei nur eine kleine Gruppe. Die Kinder kommen aus Polen, Lettland, Rumänien, Bulgarien, auch aus sogenannten sicheren Herkunftsländern wie Albanien und Serbien. Es gebe eine große Fluktuation. "Kinder kommen, Kinder gehen", sagt Schuster. Zu Beginn des Schuljahres seien es mehr Kinder als vorgesehen gewesen, jetzt seien es 16 Kinder pro Klasse.

Die Kinder seien oft traumatisiert. "Alles ist ihnen ganz und gar fremd. Manche waren noch nie in einer Schule", sagt Schuster. Die Kinder bräuchten, wenn sie angekommen sind, Raum sich zu entwickeln. Manche könnten weder lesen noch schreiben. "Wir bilden kleine Gruppen und fangen mit Sprachspielen an", sagt Schuster. Der Erstkontakt mit den Eltern sei "sehr schwierig". Die Eltern kennen das deutsche Schulsystem nicht. Beim Erstaufnahmegespräch würden viele Formalien und wichtige Dinge erklärt. Die Übersetzung der pädagogischen Dinge bleibe dennoch schwierig.

"Wir arbeiten seit zwei Jahren in den Sprachlernklassen, und es gibt keine Beständigkeit, keine Normalität", sagt Schuster. Die Kinder seien alle verschieden. "Die Konzepte müssen immer wieder umgearbeitet werden." Es gebe starke Kinder und schwache Kinder, sagt Schuster. Ein Resümee will sie deshalb nicht ziehen: "Es ist noch im Prozess." Insgesamt sei es "eine schöne, aufregende und neue Arbeit", sagt Schuster.

"Wir haben zwei Sprachlernklassen, seit anderthalb Jahren die erste, die zweite ist im Sommer dazugekommen", sagt Melanie Zahlmann von der Nikolaus-Kopernikus-Hauptschule. Der Bedarf sei hoch, es würden je 18 statt der geforderten 16 in jeder Klasse unterrichtet. Die Schule versuche ihr Motto: Es ist normal, verschieden zu sein, auch in den Sprachlernklassen zu vermitteln.

In den Sprachlernklassen in der Nikolaus-Kopernikus-Hauptschule werden unterrichtet: erstens Schüler ohne Migrationshintergrund, die trotzdem erhebliche Schwierigkeiten haben, die deutsche Sprache als Bildungssprache zu verwenden, Schüler mit Migrationshintergrund, die wenig Deutschkenntnisse haben, und drittens Flüchtlinge, die gar keine Kenntnisse in der deutschen Sprache haben. "Die meisten Kinder wissen nicht, was selbstständiges Lernen ist", sagt Zahlmann, "Klassenregeln kennen sie oft auch nicht, und wenn der Lehrer nicht autoritär auftritt, dann ist das schwierig für sie. Es entspricht nicht ihren Erfahrungen."

In den ersten Tagen nach der Ankunft gebe es keinen eigentlichen Unterricht. Erst müsse das Organisatorische geklärt werden: Elternzettel, Bücherzettel, Essensanmeldungen. Dann werde die Situation des einzelnen Kindes ausgelotet: Wie ist sein Status? Jeder Schüler habe einen individuellen Stundenplan, da das Kind unterschiedliche Leistungen in unterschiedlichen Fächern erbringen könne. Parallel zur Sprachlernklasse würden sie einer Stammklasse zugeordnet. "Auch in die werden sie langsam integriert", sagt Zahlmann.

Der Besuch der Sprachlernklasse sei generell auf ein Jahr angelegt, er kann aber je nach Deutschkenntnissen verlängert oder verkürzt werden

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