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Garbsen Kirche wurde angezündet

Beim Brand einer Kirche und eines Gemeindehauses in Garbsen ist ein Schaden von rund einer Million Euro entstanden.Laut Polizeiangaben handelt es sich um Brandstiftung. Chronik der Ereignisse.

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Beim Brand einer Kirche und eines Gemeindehauses in Garbsen ist ein Schaden von rund einer Million Euro entstanden.

Quelle: Lunitz

+++Stand 19.30 Uhr +++ In der katholischen Nachbargemeinde St. Raphael haben sich mehr als 100 Menschen versammelt, um eine Andacht zu feiern. "Es geht ihnen darum, ein Zeichen zu setzen", lautet der Tenor vieler. Den ganzen Tag über hielten sich vor der Ruine Menschen auf. Einige waren sichtlich gerührt von dem Anblick. Die nächsten Tage werden zeigen, wie der Stadtteil Auf der Horst und die Stadt Garbsen mit dieser schweren Situation umgehen werden. Wir werden weiter berichten.

+++Stand 16.30 Uhr+++ Die Solidarität unter den Garbsener Bürgern wächst. Der TSV Havelse kündigt an, ein Benefizspiel zugunsten der Gemeinde zu geben. Die Grünen in Garbsen werden sich zu  einer außerordentlichen Fraktionssitzung am Montag, 5 August, 17 Uhr (Auf der Horst / Ecke Orionhof) treffen.

++++Stand 15.30 Uhr++++ Die Polizei spricht nach relativ kurzen Ermittlungen von Brandstiftung. Das wurde in der 14-Uhr-Pressekonferenz im Haus der Nachbargemeinde St.Raphael bekannt. Offenbar haben Kriminaltechniker Indizien dafür gefunden, dass das Feuer vorsätzlich gelegt worden ist. Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann: "Nicht die Gemeinde ist heute abgebrannt, sondern ein Kirchengebäude. Die Gemeinde lebt und sie soll hier weiter arbeiten können. Am Ende hoffe ich auf ein fröhliches Einweihungsfest. Es ist wichtig, dass sich die Gemeinde jetzt nicht von einem Anschlag zerschlagen lässt."

Garbsens Bürgermeister Alexander Heuer warnte in der Pressekonferenz vor Spekulationen, was den oder die Täter angeht. "Ich beteilige mich daran nicht, wir warten die Ermittlungen der Polizei ab, die hier eine schwierige Arbeit gut leistet", sagte Heuer. Er dankte den Einsatzkräften und sicherte der Gemeinde jegliche Unterstützung zu. Heuer bestätigte, dass die Stadt und die Region ab August/September drei bis vier Streetworker einsetzen wird, um mit dem harten Kern von etwa 20 jungen Erwachsenen ins Gespräch zu kommen. Sie werden für zahlreiche Brände und Sachschäden im Stadtteil rund um die Willehadi-Kirche verantwortlich gemacht. Beweisbar ist das nicht.

Pastorin Renate Muckelberg hat für heute um 19.15 Uhr zu einer Andacht in der Kirche St. Raphael eingeladen. Sie wirkte sichtlich niedergeschlagen. Pfarrer Benno Nolte von St. Raphael hatte ihr in der Nacht seelsorgerlichen Beistand geleistet. Bilanz der Feuerwehr: Mehr als 140 Ehrenamtliche und drei Berufsfeuerwehrleute waren im Einsatz; die erste Welle von 1 bis 8.40 Uhr, die zweite von 9.40 bis 13.40 Uhr. Die Kirche sei nicht zu retten gewesen, weil die Zugänge versperrt, dass Kupferblechdach zu stabil und die Fensteröffnungen der Kirche zu klein gewesen sind. "Wir konnten das Wasser nicht dort hinbringen, wo es hinsollte", sagte Stadtbrandmeister Rüdiger Kauroff. 

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++++Stand 14.00 Uhr++++ Laut Pressemitteilung der Freiwilligen Feuerwehr Garbsen waren in der Nacht 150 Einsatzkräfte bis zum frühen Morgen im Einsatz. 30 Fahrzeuge rückten aus. Die Deckenkonstruktion aus Holz bot nach Auskunft der Feuerwehr den Flammen reichlich Nahrung, ebenso wie für den Umbau der Kirche gelagertes Baumaterial. Die Ortsfeuerwehren aus Garbsen, Berenbostel, Horst und Meyenfeld waren vor Ort. Die Feuerwehr Seelze rückte zur Verstärkung mit einer Drehleiter an, mehrere Hydranten wurden in dem Bereich aufgebaut. Da die Decke einzustürzen drohte, kam ein Löschroboter der Berufsfeuerwehr Hannover zum Einsatz. "Mit dem ferngesteuerten Kettenfahrzeug konnte in den Kirchenraum gefahren werden."

++++Stand 13.30 Uhr++++

Die Brandermittler vom Landeskriminalamt haben die Ruine wieder verlassen. Ein Spürhund kam doch nicht zum Einsatz. Die Feuerwehrleute überziehen die Brandreste nun mit einem Schaumteppich. Die benachbarte katholische Kirchengemeinde Sankt Raphael am Antareshof lädt ab 19.15 Uhr zu einer Andacht ein. Von der Willehadikirche sind  vor allem Trümmer übriggeblieben. Doch das Kreuz mit der Jesus-Christus-Figur hängt weiter über dem Altar.

++++Stand 11.30 Uhr++++

  Die Brandermittler des Landeskriminalamtes untersuchen die Kirche. Statiker hatten zuvor überprüft, ob der Dachstuhl einzustürzen droht. In der nächsten Stunde soll auch ein Spürhund eingesetzt werden. Für 14 Uhr ist eine Pressekonferenz angesetzt: Gemeindevertreter der Willehadikirche, Mitglieder des Stadtkirchenverbands, Vertreter der Feuerwehr, Polizei und der Stadt werden sich den Fragen stellen.

Immer noch brennt es in der Ruine: Die Teerpappe im Abrissschutt lässt sich nur schwer löschen. Die Feuerwehr wird noch mehrere Stunden im Einsatz sein. An der Brandstelle haben sich viele Schaulustige versammelt - darunter sind viele Gemeindemitglieder, die fassungslos auf die Ruine ihrer Kirche blicken. 

++++Stand 07.02Uhr++++

Im Garbsener Stadtteil Auf der Horst ist die evangelische Willehadikirche in der Nacht zu Dienstag ausgebrannt. Mehr als 120 Feuerwehrleute versuchten vergeblich, das Gotteshaus zu retten. Als die ersten Einheiten eintrafen, standen die Reste des Gemeindehauses, das gerade abgerissen wird, und ein Teil der Kirche in Flammen. "Ich habe noch nie in so kurzer Zeit nach unserer Alarmierung einen so ausgedehnten Brand gesehen", sagte Garbsens Ortsbrandmeister Rüdiger Kauroff.

Angeblich brannten die Gebäude bereits seit 20 Minuten, bevor Feuerwehr und Polizei um kurz vor 1 Uhr alarmiert wurden.  Der gesamte Bereich um die Kirche war abgesperrt. Mehr als 1000 Schaulustige säumten die Straßen und mussten zusehen, wie die Kirche Opfer der Flammen wurde. "Unfassbar", sagte Willehadi-Pastorin Renate Muckelberg, "es ist unfassbar." Binnen kurzer Zeit war die Hälfte des Kirchenvorstandes an den Absperrungen. Niemand mochte glauben, was er da sieht. Der Brand steht möglicherweise im Zusammenhang mit einer Serie von Brandstiftungen im Stadtteil Auf der Horst; sie hält seit zweieinhalb Jahren an. In der Vorwoche waren größere Mengen  Abrissmaterial und ein Baum direkt an der Kirche angesteckt worden; in den Wochen davor gingen Fensterscheiben zu Bruch. Es ist vor diesem Hintergrund nicht auszuschließen, dass die Kirche gezielt angegriffen wurde.

Drei Tage später wäre vom Gemeindehaus nichts mehr zu sehen gewesen; der Abriss war fast beendet. Brandermittler nehmen heute ihre Arbeit auf. Für die Willehadi-Gemeinde stellt sich jetzt eine völlig neue Frage: Sie muss nicht nur die Arbeiten an einem neuen Gemeindehaus komplett stornieren - in einer Woche wäre Baubeginn gewesen. Sie muss jetzt entscheiden, ob sie an diesem Standort eine neue Kirche bauen will. Die Mauern der heutigen Willehadi-Kirche dürften kaum zu halten oder zu sanieren sein. Statiker und Baufachleute werden diese Frage letztlich zu beantworten versuchen.

Markus Holz / Esther Kathmann/ Christian Franke

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Auf der Horst
Die bronzene Jesus-Figur hat die Flammen überstanden. Unter ihr liegt die Kirche in Trümmern.

Entsetzen und Sprachlosigkeit auf der einen Straßenseite, Sensationsgier und Häme junger Menschen auf der anderen. Das ist eines von vielen Bildern aus der Nacht zum Dienstag. Die Serie der Brandstiftungen ist eskaliert: Die Willehadikirche ist ausgebrannt. Das ist mehr als ein Millionenschaden. Die Gemeinde hat ihre Heimat verloren.

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