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1000 Jahre Everloh: Ein Dorf feiert Geburtstag

Everloh 1000 Jahre Everloh: Ein Dorf feiert Geburtstag

Es war ein großes Fest für ein kleines Dorf: Mit viel Programm und vielen Besuchern hat Everloh sein 1000-jähriges Bestehen gefeiert. Vielleicht ist der Ort sogar noch älter. Bei archäologischen Untersuchungen im Neubaugebiet gab es neue Funde.

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Alle auf die Ritter: Kinder versuchen, die Schildmauer der "Ritter des Deutschen Schwertordens" zu durchbrechen.

Quelle: Carsten Fricke

Everloh. Die Erleichterung war Ortsbürgermeister Gerhard Finger deutlich anzusehen. Strahlend empfing er beim Kommers am Freitagabend über 400 Gäste auf Gut Erichshof. "Ich freue mich, dass unser Festbeginn hier auf dem Rittergut so großen Zuspruch findet", sagte Finger. Ganz besonders begrüßte er Evelyn Kruse. "Ihrem leider inzwischen verstorbenen Gatten ist es zu verdanken, dass wir dieses Fest überhaupt feiern", sagte Finger. Bei Kurses Recherche für die 750-Jahr-Feier 1989, ergab sich durch neu gesichtete Unterlagen, dass Everloh unter dem Namen Aewerlan sogar schon im Jahr 1016 erstmals erwähnt wurde. Zum Vergleich: "Linden wurde erstmals im Jahr 1115 erwähnt, Hannover 1150 und Gehrden gar erst 1298", sagte Finger, der die Ortsgeschichte kurz umriss.

Irgendwann erwarben die Grafen von Schwalenberg "unser Dorf". Im Jahr 1239 verkaufte Gottschalk I das Dorf Aewerlan für sechs Silbermark an das Nonnenkloster in Barsinghausen. Aus Aewerlan wurde Euerlo, das am Westfälischen Hellweg (die heutige B 65) lag, damals eine wichtige Handelsstraße. Durch größerer Ansiedlungen in der Nähe entwickelte sich auch Kleingewerbe. "Eine Schule wurde erstmals 1804 erwähnt. Auch der Erichshof gehörte schon zu Euerlo", berichtete der Ortsbürgermeister.

Im Laufe der Zeit vergrößerte sich das Dorf auf 15 Höfe, die Kapelle wurde gebaut. Am 1. August 1971 schloss sich Everloh der Großgemeinde an. "Vielleicht können wir bald ein weiteres Dorfjubiläum feiern. Bei den archäologischen Untersuchungen im Neubaugebiet gibt es vielversprechende Funde", sagte Finger. Details wollte er noch nicht nennen.

Gehrdens Bürgermeister Cord Mittendorf bezeichnete Everloh in seiner Rede als "kleine Perle am Benther Berg", die sich durch eine aktive Dorfgemeinschaft mit einem regen Vereinsleben auszeichne. Ehrenamtliches Engagement, das gemeinsame Anpacken, das Für-Einander-Dasein, das Erleben von Gemeinschaft und auch das gemeinsame Feiern seien Gewichte in der Waagschale für das harmonische und gute Leben in Everloh.

"Everloh gehört zu den kleineren Gemeinwesen in der Region Hannover und ist ein wichtiger Puzzlestein zur Vielfalt unserer Kulturlandschaft", sagte der Erste Regionsrat Axel Priebs. Seine Bitte: "Gehen Sie verantwortungsvoll mit den historischen Gebäuden, mit anderen prägenden Elementen des Ortsbildes und der Natur um, damit auch kommende Generationen stolz auf Everloh sein können."

Nach den Ansprachen feierten die mehr als 400 Besucher bei der Musik von Party-Band Get Set. Höhepunkt war am späten Abend ein Höhenfeuerwerk.

Dorfführungen und Ritterkämpe

"Auf dem Kapellenplatz gibt es gleich eine Überraschung", kündigte Ortsbürgermeister und Cheforganisator Gerhard Finger beim großen Straßenfest am Sonnabend an. Kurz darauf enthüllte er einen edle Sandsteinplatte mit dem Dorfwappen und der Aufschrift "1000 Jahre Everloh 2016 - 1016 Aewerlan". Das neue Denkmal, gestiftet von der Familie Reverey, erinnert damit auch an den einstigen Namen des Ortes zur Zeit seiner ersten urkundlichen Erwähnung.

"Über die Entwicklung des Ortsnamens gibt es mehrere Versionen", verriet Sabine Sippel den Teilnehmern einer Dorfführung. So seien auch die Namen Euerlo, Everlo und Everlohe zu finden. Der althochdeutsche Ausdruck ebar, ebur oder evar stehe für das Wort Eber, der Lohwald für eine feuchte Niederung. "Also weist diese Namensgebung auf Wälder hin, in denen sich Wildschweine aufhielten", erzählte Sippel.

Passend dazu konnten sich die Besucher auf dem Hof Husemann unter anderem mit Wildschweinbratwurst vom Grill versorgen und sich am Infomobil der Jägerschaft Hannover-Land über die heimische Flora und Fauna informieren. Für Musik sorgten dort die Parforcehornbläser vom Jagdhornbläsercorps Calenberg. Auf der gesperrten Harenberger Straße stellten die Treckerfreunde Degersen und Besitzer anderer Oldtimer ihre Fahrzeuge aus. Auch die Feuerwehr präsentierte Oldtimer-Löschfahrzeuge und lud Kinder zu Spielen und Mitmachen bei der Jugendfeuerwehr ein.

Ein buntes Programm gab es auch auf dem bestens besuchten Hof Reverey. Vor voll besetzten Bänken unterhielten die Original Calenberger und Dudelsackspielerin Dagmar Ihme-Fütterer die Besucher. Auf der gegenüberliegenden Wiese stellten die Mitglieder des Ritterbundes Hartmann von Aue aus dem Landkreis Celle das Everloh zu seiner Entstehungszeit nach. In dem mittelalterlichen Dorf konnten die Besucher altes Handwerk bestaunen und die Ritter bei kraftvoll ausgetragenen Schwert- und Schildkämpfen erleben. "Dieser Schlag wäre tödlich gewesen, der hätte die Halsschlagader aufgeschlitzt", verriet Graf Guywan von Drachenstein (Frank Böttcher) den Zuschauern nach einem Treffer in einem der Duelle. Kurz darauf durften sich auch die Jüngsten als mittelalterliche Kämpfer ausprobieren. "Ihr könnt jetzt Ritter verhauen", lud der Graf die Kinder ein, gegen eine Schildmauer anzurennen und diese umzuwerfen.

"Die Ritter haben ein unwahrscheinlich tolles Dorf aufgebaut. Das ist ein echtes Highlight", sagte Manfred Finger. Dank der vielen Helfer seien die Feiern rundum gelungen. "Das ist ja das Schöne bei uns im Dorf: Hier hilft eine Hand der anderen", sagte der Ortsbürgermeister.

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Von Heidi Rabenhorst und Carsten Fricke

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