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Aufkleber sollen Kinder vor Belästigung schützen

Gehrden Aufkleber sollen Kinder vor Belästigung schützen

Eltern in Gehrden sorgen sich um ihre Kinder, nachdem ein Mädchen auf dem Rewe-Parkplatz von einem Mann belästigt wurde. Gemeinsam mit Geschäftsleuten haben sie eine Aktion für mehr Sicherheit gestartet. Die Polizei ist allerdings skeptisch.

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An zahlreichen Geschäften in der Gehrdener Innenstadt sind die Helpi-Aufkleber zu sehen.

Quelle: Carsten Fricke

Gehrden. Helpi heißt die Figur auf dem knallgelben Aufkleber. Diese sind an einigen Geschäften in der Innenstadt zu finden. Die Aufkleber sollen Kindern signalisieren: Hier wird dir geholfen, hier bist du sicher. Der Gehrdener Oliver Hecht, selbst Vater, hatte die Idee dazu. Die örtliche Marketingagentur Gr!ns entwickelte das Helpi-Motiv. Anlass für die Aktion sind Vorfälle, bei denen Kinder von Fremden angesprochen wurden.

Die Polizei hat Kenntnis von zwei Ereignissen. Im März soll ein achtjähriges Mädchen an der Bushaltestelle bei Rewe von einem Mann in einem schwarzen Kombi angesprochen worden sein. Das Kind lief weg. Die Ermittlungen der Polizei brachten keine Erkenntnisse. Auch die Auswertung von Aufzeichnungen einer Videokamera auf einem angrenzenden Grundstück sei ohne Anhaltspunkte geblieben, sagt Stefan Brüning, Leiter Kriminalermittlungsdienst im zuständigen Polizeikommissariat Ronnenberg.

Ein Vorfall im Juni konnte bereits geklärt werden. Ein Mädchen sei von einem polizeibekannten Alkoholiker angesprochen worden. Davon gebe es Handyfotos einer Zeugin. „Wir haben keine Hinweise auf strafbare Handlungen“, sagt Brüning. „Es gibt akut keine Gefährdung für Kinder in Gehrden“, fügt der Beamte hinzu.

Einige Eltern sind anderer Meinung. Das Thema beschäftigt Väter und Mütter des Margarethen-Kindergartens und der Grundschule Langes Feld gleichermaßen. Auch in den sozialen Netzwerken wird sich dazu ausgetauscht, von weiteren Vorfällen ist die Rede. Diese sind der Polizei aber nicht bekannt.

Eine Mutter verteilt ehrenamtlich die Helpi-Aufkleber, weil sie sich aus eigener Betroffenheit um die Sicherheit der Kinder sorgt. „Mein 13-jähriger Sohn ist am Zebrastreifen in der Gartenstraße vom Rad gezerrt worden“, berichtet die Frau, die anonym bleiben will. „Viele Eltern haben Angst.“

Vertrauensvoll an die Polizei wenden

Hinter die Helpi-Aktion der Eltern setzt Christoph Badenhop, Leiter des Polizeikommissariats Ronnenberg, ein deutliches Fragezeichen. Diese Präventionsmaßnahme müsse hinterfragt werden. „Damit wird doch impliziert, dass es in Gehrden für Kinder gefährlich ist. Das ist es faktisch aber nicht“, sagt der Polizeichef.

Er ist skeptisch, ob mit den Aufklebern das von den Eltern erwünschte Ziel tatsächlich erreicht werden kann. „Wenn ein Kind auf den Aufkleber fixiert ist und Hilfe sucht, weil es sich verlaufen hat oder in einer anderen Situation befindet, die ihm Angst macht, dann muss es nach den betreffenden Geschäften Ausschau halten. Wenn sich davon aber keines in der Nähe befindet, was macht das Kind dann?“, fragt Badenhop. Die Hilflosigkeit und die Angst könnten sich noch verstärken.

Er appelliert an die Zivilcourage der Bürger. Kindern in Notsituationen zu helfen, sei eine Aufgabe für alle, für Mitarbeiter in jedem Geschäft, für Taxifahrer, für Busfahrer, für Passanten. Badenhop rät den Eltern, sich vertrauensvoll an die Polizei zu wenden. „Bevor eine Zeile auf Facebook oder Whatsapp geschrieben wird, sollte der Notruf 110 gewählt werden.“

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Von Redakteur Kerstin Siegmund

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