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Der Kunstrasen weckt Begehrlichkeiten

Gehrden Der Kunstrasen weckt Begehrlichkeiten

Der SV Gehrden hat einen neuen Kunstrasenplatz, der TV Jahn Leveste wartet auf den Baubeginn für einen zweiten Platz. Andere Vereine aus dem Stadtgebiet suchen weiter nach zusätzlichen Trainingsmöglichkeiten. Vom neuen Kunstrasen profitieren Vereine aus den Orten kaum – anders als zunächst geplant.

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Passend zur Debatte: Am Kunstrasenplatz werden auf einem Schild einige für die Anlage schädliche und erlaubte Verhaltensweisen aufgelistet.

Quelle: Ingo Rodriguez

Gehrden. Rund 750 000 Euro hat die Stadt Gehrden investiert, um für ihren mitgliederstärksten Sportverein auf der Bezirkssportanlage an der Lange Feldstraße ein Allwetterspielfeld zu bauen, wie es nur wenige in der Region Hannover gibt – mit neuer Flutlichtanlage, hochwirksamer Drainage, neuen Toren und hochmodernem Kunstfaserteppich. Gut ein Dreivierteljahr nach der Inbetriebnahme hat sich bei anderen städtischen Sportvereinen aber die Hoffnung zerschlagen, bei eigenen Engpässen möglichst häufig nach Gehrden ausweichen zu dürfen.

„Das läuft nicht, wie wir uns das vorgestellt hatten“, sagt Thomas Ruppel, der bei der SG Everloh-Ditterke Ansprechpartner für Trainingszeiten und Platzbelegung ist. Weil der Kunstrasen wegen der vielen Mannschaften des SV Gehrden meist ausgebucht sei, bleibe wenig Kapazität übrig. „Einige wenige Zeiten haben wir bekommen, aber das hat erst nach vielen Gesprächen geklappt“, sagt Ruppel. Ihm sei klar, dass die SG nicht ständig in Gehrden trainieren könne. Trotzdem: „Die Stadt hat dem SV Gehrden einen hochwertigen Platz finanziert, aber die Nachbarvereine profitieren nicht davon.“

Auch der stellvertretende Vorsitzende des TV Jahn Leveste, Wolfgang Grosam, kann die bislang genutzten Ausweichtermine auf Nachfrage an einer Hand abzählen. „Aber es gibt keinen festen Plan, kein festes Zeitfenster, das für andere Vereine zur Verfügung steht.“ Der Begriff Gießkannenprinzip treffe eher zu. „Ich weiß aber, dass es anders schwer umzusetzen ist. Der Platz ist ja ständig belegt“, sagt Grosam. Er hofft deshalb auf eine zügige Umsetzung des geplanten Platzneubaus beim TV Jahn. Für die im Haushalt vorgesehenen 100 000 Euro lasse sich – inklusive möglicher Zuschüsse – zwar kein Kunstrasenplatz bauen. „Aber um mehr Kapazitäten in Leveste verfügbar zu haben, sind wir mit einem normalen Rasenplatz zufrieden“, sagt Grosam.

Der Vorstandssprecher des SV Gehrden, Rolf Meyer, beschreibt das Vergabeverfahren und versichert, dass der Verein bemüht sei, Ausweichmöglichkeiten zu bieten. Bei insgesamt 20 Jugend- und Erwachsenenmannschaften sei der neue Platz aber meist ausgelastet. Trotzdem würden freie Zeiten von der Geschäftsstelle bei Anfragen über kurze Dienstwege vergeben. „Für eine geringe zweistellige Nutzungsgebühr wegen zusätzlicher Kosten für Flutlicht, Platzwart und aufwendige Pflegemaßnahmen, die zweckgebunden auf einem Sonderkonto eingehen“, sagt Meyer. An Vereine außerhalb der Stadt Gehrden werde der Platz nicht vergeben.

Die Geschäftsstellenleiterin Andrea Hoefener räumt aber unmissverständlich ein: „Werktags ist der Kunstrasenplatz abends nach 17 Uhr meist belegt.“ Trotzdem: „Die SG Everloh-Ditterke hat im Februar und März regelmäßig sonntagabends bei uns trainiert. Das Gymnasium hat den Platz in den Wintermonaten freitags bis 16.30 Uhr genutzt.“ Einige weitere Vergaben seien auf Anfrage nur wegen unterschiedlicher Terminvorstellungen nicht zustande gekommen.

Gehrdens Bürgermeister Cord Mittendorf „kann verstehen, dass der neue Kunstrasenplatz bei den anderen Sportvereinen Begehrlichkeiten weckt“. Mit dem SV Gehrden gebe es einen Nutzungsvertrag, in dem auch die Zuständigkeit über die Platzbelegung geregelt sei. „Und der Verein stellt alle freien Zeiten zur Verfügung, die es gibt. Da versucht der SV, möglichst vielen anderen Vereinen gerecht zu werden“, sagt Mittendorf. Trotz allen Verständnisses für mögliche Unzufriedenheiten der Nachbarvereine seien aber nun einmal oft alle Kapazitäten erschöpft. „Das war auch schon vorher beim alten B-Platz so. Und das ist genau wie bei knappen Hallenzeiten“, sagt der Bürgermeister.

Den TV Jahn Leveste bittet er bei der Umsetzung des beschlossenen Platzneubaus um Geduld. Im Rathaus seien wegen des klaren politischen Auftrags alle Kapazitäten für den Neubau einer dreizügigen Grundschule am Langen Feld gebunden. Anschließend werde aber möglichst schnell der Platzbau für den TV Jahn in Angriff genommen, versichert Mittendorf.

Neuer Ballfangzaun: Kicker schießen oft über Ziel hinaus

An den Platzverhältnissen kann es kaum liegen. Trotzdem: Gut ein Dreivierteljahr nach der Inbetriebnahme des neuen Kunstrasenplatzes bleibt bei einigen Fußballer des SV Gehrden offenbar die sportliche Zielsicherheit noch oft sehr weit hinter der hohen Qualität des Spielfeldes zurück. „Wir hatten ein sehr nettes Gespräch mit Anwohnern, weil trotz des meterhohen Lärmschutzwalls regelmäßig Fußbälle auf Privatgrundstücken landen“, sagt Bürgermeister Cord Mittendorf.

Zwar hätten die Anwohner Verständnis für gelegentliche Balllandungen im Garten gezeigt. Trotzdem soll nun oberhalb der Mauer hinter dem östlichen Fußballtor ein zusätzliches Ballfangnetz angebaut werden. Dass ungewöhnlich oft Bälle im Garten der Nachbarn landeten, sei der Neigung des Lärmschutzwalls und dem entsprechenden Aufprallwinkel der Bälle geschuldet, glaubt der Vorstandssprecher des SV Gehrden, Rolf Meyer. „Deshalb rollen die Bälle bei Fehlschüssen oft nach oben und dann über den Wall“, sagt Meyer.

Inzwischen hat der Verein bereits Metallstangen entlang des oberen Bereichs der Mauer anbringen lassen. Dort soll in Kürze nun ein zusätzliches Ballfangnetz mögliche Querschläger stoppen. „Damit nicht irgendwann ein Kind im Garten einen Ball an den Kopf bekommt“, sagt Meyer. Gehrdener Kicker schießen offenbar oft über das Ziel hinaus.

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Neuer Anwohnerschutz: Hinter dem östlichen Fußballtor des Kunstrasenplatzes soll an Metallstangen ein zusätzliches Ballfangnetz befestigt werden.

Quelle: Ingo Rodriguez
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