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Früher war nicht alles besser

Gehrden Früher war nicht alles besser

Werner Scheffler hat sich auf die Spuren seiner Familie begeben. Die Wurzeln seiner Vorfahren haben den Holsteiner auch ins Calenberger Land geführt.

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Geschenk für die Stadtbibliothek: Autor Werner Scheffler übergibt Lucyna Woznica ein Exemplar seiner Familienchronik "Lebenswege im Calenberger Land und in Holstein".

Quelle: Wirausky

Gehrden. Werner Scheffler hat nach jahrelanger Recherche die Familiengeschichte seiner Vorfahren zusammengefasst. Vier Jahrhunderte hat der 71-Jährige zurückgeblickt. "Es ist ein Hobby", sagt er. Er veröffentlichte seine Ergebnisse in einem umfangreichen Buch mit Stammbäumen, historischen Bildern und allgemeinen Betrachtungen zu den damaligen Lebensumständen. „Lebenswege im Calenberger Land und in Holstein“ ist der Titel des mehr als 300-seitigen Buches.

Nun ist das Aufarbeiten der eigenen Familiengeschichte nicht zwingend für jedermann spannend, deshalb legt Scheffler auf eines Wert: Am Beispiel seiner Vorfahren wollte er die Dörfer und Kleinstädte zu früherer Zeit, Lebensumstände in den Dorfgemeinschaften, Verhältnisse in Kirche und Schule, Alltag und Arbeit der Bauern, Traditionen und Bräuche sowie Seuchen, Krankheiten, Naturkatastrophen und Kriege schildern. „Es ging mir nicht nur darum, Daten und Fakten meiner Vorfahren zusammenzutragen, sondern ich will zeigen, wie die Menschen einst gelebt haben – Geschichte von unten sozusagen“, betont Scheffler. Eine seiner Erkenntnisse: „Es ist eine Mär, dass früher als besser war.“ Die Suche nach Spuren seiner Ahnen führte Scheffler unter anderem auch nach Redderse. Dort liegen die Wurzeln der Familie Rogge. Friedrich Rogge, der 1800 im Gehrdener Ortsteil geboren wurde und dort 1877 auch starb, lieferte sich mit dem Kapellenvorstand einen Streit über die Lieferung von Kerzen. Der Besitzer der Roggeschen Beibauernstelle hatte sich verpflichtet, Kerzen für den Leuchter der Kapelle zu stiften – im Gegenzug für ein Stück Gartenland. Eines Tages wollte Rogge allerdings keine Kerzen mehr liefern. Es drohte ein kostspieliger Prozess, doch zuvor einigten sich Rogge und Kirchenvertreter. Rogge verpflichtet sich, Kerzen zu liefern und durfte die nicht abgebrannten Lichter nach den Gottesdienst wieder mitnehmen.

Und ein Lehrer hatte es in Redderse nicht leicht. Ein gewisser Rokahr, der auch die sieben Kinder der Familie Rogge unterrichtete, forderte 1847 Fensterläden für Wohnstube und Schlafkammer, weil an seinem Hause ein unerhörter Frevel verübt worden sei, indem ein mit beträchtlicher Masse menschlicher Exkremente und höchst übelriechender Jauche angefülltere Topf durch das Fenster in das Wohnzimmer geworfen wurde. Kurz zuvor war ein Kadaver eines stark in Fäulnis geratenen übergegangenen Katers ins Schlafzimmer geschleudert worden. Raue Zeiten offenbar. „Ich bin auf manche überraschende Begebenheit gestoßen“, erzählt Scheffler, dessen Vorfahren auch in Großgoltern, Ronnenberg, Barsinghausen oder Lüdersen lebten.

Die alte Tilly-Linde und der Kirchturm Großgolterns, in dem während des 30-jährigen Kriegs mehr als 30 Menschen verbrannten, sind ebenso Teil der Chronik wie Prozesse um Holzrechte in Stemmen, der Brauch des Osterwassers in Lüderesen, die tödliche Schwindsucht in Goltern zwischen 1735 und 1737 bis hin zu den Napoleonischen Kriegen, an denen die Vorfahren teilnahmen.

Das Buch „Lebenswege im Calenberger Land und in Holstein – Familiengeschichte Rogge/Tank über 4 Jahrhunderte" ist im Caradamia Verlag erschienen. Es kostet 35 Euro. Ein Exemplar hat Scheffler der Gehrdener Stadtbibliothek übergeben.

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