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Aus dem Spritzenhaus wird das Türmchen

Gehrden Aus dem Spritzenhaus wird das Türmchen

Rainer Piesch hat die Geschichte zweier Gehrdener Gaststätten aufgeschrieben. Er erinnert an das Waldgasthaus Zur Schönen Aussicht und an den Werdegang des Türmchens.

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Feierlaune vor dem Türmchen im Jahr 1978: Eine Promotion-Aktion mit einer Brauerei führte ein Pferdegespann nach Gehrden. Ein Ereignis, das auch auf der Straße kräftig gefeiert wurde.

Quelle: privat

Gehrden. Rainer Piesch erinnert sich noch gut. „Gaststätten waren früher gesellschaftliche Treffpunkte“, sagt er. Noch in den 70er Jahren hätten die Menschen beim sonntäglichen Frühschoppen in Trauben um die Theke herumgestanden – „in drei Reihen“, berichtet Piesch. Gaststätten seien Orte gewesen, an denen sich die Bürger getroffen haben. „Sie waren gerade am Sonntag immer voll“, erzählt der 60-Jährige. Inzwischen jedoch hat sich das Freizeitverhalten geändert. Zahlreiche Gastwirtschaften im Gehrdener Stadtgebiet existieren nicht mehr.

In Vergessenheit geraten sind sie jedoch nicht – und dass dies so bleibt, dafür sorgt Piesch in seinem Heft „Gaststätten in Gehrden“. Dort blickt Piesch, der Mitglied des Heimatbundes ist, auf das Waldgasthaus Zur Schönen Aussicht, das sich am Osthang des Köthnerberges befand, und das Türmchen zurück. Garniert wird das 60-seitige Heft mit zahlreichen spannenden historischen Aufnahmen.

Piesch beantwortet unter anderen die Frage, warum Gehrden im Bereich der Großen Bergstraße fast einen Sportplatz, ein Schwimmbad und ein Schulungszentrum bekommen hätte, und erinnert daran, dass es im Türmchen auch mal eine Gefängniszelle gab.

Das Waldgasthaus Zur Schönen Aussicht wurde Ende des 19. Jahrhunderts eröffnet. Es warb mit dem Prädikat „der schönste Punkt des Gehrdener Berges“. Laut Piesch war es unter anderem legendär für die Feste des Sportvereins Gehrden. 1958 wurde dort der Polizeihundesportverein gegründet. Und da es lange Jahre keine Sporthallen gab, hatten ab 1905 die Kraftsportler des Bür- und Balge-Clubs dort ihre Heimat. Auch Turner und Tischtennisspieler waren dort später aktiv. Ab 1937 gab es Pläne, unterhalb der Schönen Aussicht eine Turnhalle, ein Schwimmbad und andere sportliche Einrichtungen zu bauen. Doch der Beginn des Zweiten Weltkrieges beendete die Pläne. In der Schönen Aussicht wurden französische Zwangsarbeiter untergebracht. Mit dem Abriss des Gasthauses um Jahr 1962 endete die Geschichte.

Anders ist der Werdegang des Türmchens. Noch immer wird das ehemalige Spritzenhaus mit Steigerturm der 1909 gegründeten Feuerwehr als Gaststätte geführt. Bis 1962 nutzte die Ortswehr das Türmchen am Steintor, dann wurde es zu klein. 1976 eröffnete die Gaststätte Türmchen – und es wurde zu einem beliebten Lokal, nicht zuletzt wegen seiner ungewöhnlichen Architektur und den nostalgischen kleinen Gemäuern mit einem Rundbogen im Innern. Das Heft „Gaststätten in Gehrden“ gibt es ab sofort im Schreibwarengeschäft Kusche am Steinweg. Es kostet 4,50 Euro.

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