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Die Turmgarde gewährt Gästen Einlass

Gehrden Die Turmgarde gewährt Gästen Einlass

Zweimal im Monat wird der Burgbergturm für Besucher geöffnet. Zu verdanken ist das auch der Gehrdener Turmgarde, einer Gruppe von Mittelalterfans, die ehrenamtlich die Erinnerung an die Historie des städtischen Wahrzeichens wach hält – so wie jetzt beim Ostereiersuchen mit Kindern von Ausflüglern.

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Die Gehrdener Turmgarde bittet beim Ostertreffen die Besucher und Ausflügler zum Rundgang.

Quelle: Ingo Rodriguez

Gehrden. Es ist zwar ein Wahrzeichen der Stadt. Und es gibt auch Pläne, den Burgbergturm wieder verstärkt als Ausflugsziel zu etablieren. Trotzdem geht es seit Jahren rund um den 21 Meter hohen Aussichtsturm auf dem Gehrdener Berg meist eher still zu. Immerhin: Zweimal im Monat wird der Turm für Besucher geöffnet. Zu verdanken ist das auch der Gehrdener Turmgarde, einer Gruppe von Mittelalterfans, die ehrenamtlich die Erinnerung an die Historie des Wahrzeichens wach hält.

Wenn die beiden Gardisten und Gründer der Gruppe an jedem dritten Sonntag im Monat in ihre Gewänder schlüpfen und zwei Stunden lang Ausflüglern und anderen Naherholungssuchenden Einlass gewähren, heißen sie nicht mehr Benjamin Balke und Jan-Philipp Schäfer. Dann wird aus Schäfer Johann von Falkenstein, Balke schlüpft in die Rolle Hagen von Drakenforsts. „Wir haben uns 2009 bei der Arbeit im Gehrdener Krankenhaus kennen gelernt und sind auf unser gemeinsames Interesse für mittelalterliche Märkte und Aktionen gekommen“, erinnert Schäfer an den Beginn der Turmgarde.

Er hatte schon drei Jahre zuvor von der Stadtverwaltung erfahren, dass der Burgbergturm nicht mehr zu den vorgegebenen Zeiten zu besichtigen war. Weil die Führungen zu den Öffnungszeiten durch Gehrdener Gymnasiasten aus finanziellen Gründen eingestellt worden war, habe er diesen Dienst ehrenamtlich übernommen – ebenso wie der Betreiber der nahe gelegenen Kindermühle, Norbert Gardlo. „Deshalb ist der Aussichtsturm seit Januar 2006 wieder zweimal im Monat zur Besichtigung frei gegeben“, sagt Schäfer.

Vor etwa sieben Jahren hat er diese Aufgabe dann an Johann von Falkenstein abgegeben – seiner Rolle als Mitglied der im Jahr 2010 mit Balke gegründeten Turmgarde. Auf ihre Internetseite informieren die Gardisten genauer über den Werdegang: Die Mittelalterfans Schäfer und Balke waren vor der Gruppengründung gemeinsam zum Burgbergturm gegangen und hatten entschieden, Gäste künftig an jedem dritten Sonntag im Monat, passend zum historischen Ambiente des Ortes, in mittelalterlichen Gewändern zu empfangen.

Sieben Jahre später gehören bereits zehn Mitglieder zu der Gruppe, die zu ihren Sonntagstreffen auch aus Egestorf, Hildesheim, Hannover und Pattensen zum Burgbergturm kommen, um zu den Öffnungszeiten Einlass zu gewähren und über die Turmgeschichte aufzuklären. Die Gardisten treten aber auch bei Stadtfesten, öffentlichen Aktionen und Weihnachtsmärkten auf, um Werbung für ihre Führungen zu machen.

Die Gründer betonen aber: „Die Turmgarde beruht nicht auf historischen Vorlagen, der Spaß am gemeinsamen Hobby ist Grundlage der Mittelaltergruppe.“ Zwar sei der Turm inmitten einer historischen Wallanlage errichtet worden – aber erst Ende des 19. Jahrhunderts und nicht als Burg, sondern als Gasthaus mit Aussichtsturm.

Aussichtsturm eines Gasthauses

Der Burgbergturm wurde von 1897 bis 1899 vom Gehrdener Maurermeister Krull errichtet. Er baute auf dem Burgberg in etwa 156 Metern Höhe, dem höchsten Punkt des Gehrdener Berges, ein Gasthaus mit Aussichtsturm, das 1899 eröffnet wurde. Der Turm bietet mit einer Höhe von etwa 21 Metern einen weiten Ausblick über das Calenberger Land. Errichtet wurde das Bauwerk inmitten eines historischen Ringwalls – Theorien zufolge eine alte cheruskische Wallanlage.

Das Ausflugslokal war früher mit der Bahnlinie 10 von Hannover aus zu erreichen. Die Bahn führte bis zum heutigen Steintoreck, dem früheren Bahnhofsrestaurant. Von dort konnten Besucher mit einem Einzelwagen über die große Bergstraße bis zum Berggasthaus Niedersachsen der Hannoversche Verkehrsbetriebe Üstra fahren und dann zur nahe gelegenen Waldwirtschaft gehen. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Gaststätte zum Lazarett umfunktioniert. Von 1924 bis 1961 diente das Gebäude als Jugendherberge der Leibnizschule Hannover.

Als 1961 der Gehrdener Bahnhof geschlossen wurde und keine Bahnverbindung mehr nach Hannover bestand, sanken die Besucherzahlen. Ein Kaufmann erwarb 1964 das Gebäude und sanierte den Turm. Das Nebengebäude wurde nicht mehr genutzt und zerfiel. Seit 1985 ist das Gelände im Besitz der Stadt Gehrden. Der Turm kann seit 2006 wieder besichtigt werden. Weitere Informationen gibt es im Internet auf www.gehrdener-turmgarde.de.

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