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Gehrden Klingende Symbole

Etwa 200 Gäste haben in der Margarethenkirche Gehrden das Gedenkkonzert mit berührenden kantoralen Gesängen und Chorwerken aus den zerstörten Synagogen Europas gehört - hervorragend dargeboten vom Europäischen Synagogalchor unter der Leitung von Martin Lüssenhop an der Ensemble-Orgel und Andor Izsák (Orgel und Leitung).

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Der Europäische Synagogalchor Hannover unter der Leitung von Andor Izsák sang in der Margarethenkirche.

Quelle: Rabenhorst

Gehrden. Eingebettet in die Musik gab es eindringliche Worte von Pastor Andreas Pöhlmann „Der 31. Januar ist als Termin für dieses Konzert mit Bedacht gewählt. Vor wenigen Tagen jährte sich zum 71. Mal die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Dieses Erinnern lässt auch uns Christen still werden“, sagte Pöhlmann. Dann mahnende Worte in der Ansprache von Superintendentin Antje Marklein: „Unsere Wachsamkeit und Toleranz ist gerade in diesen Tagen und Wochen besonders gefordert. In unserem Kirchenkreis schauen wir mit Besorgnis auf die Brandanschläge in Barsinghausen. Möge uns heute die wunderbare Musik der zerstörten Synagogen die Erinnerung wecken und das Engagement für Synagogen und Nächstenliebe verstärken“.

Wie immer bei Konzerten unter Leitung von Andor Izsák, dem Initiator und Ehrenpräsidenten des Europäischen Zentrums für Jüdische Musik Hannover, standen Psalmvertonungen von Louis Lewandowski im Mittelpunkt. Der Komponist gehörte Mitte des 19. Jahrhunderts zur liberalen (also musikfreundlichen) ­jüdischen Gemeinde in Berlin und wird dort in kaum unterbrochener Tradition bis heute als eine Art Hauskomponist geehrt. Andernorts war Lewandowski weniger bekannt – bis Izsák ihn zum Kronzeugen einer kleinen, fast untergegangenen Musiktradition gemacht hat.

Andor Izsák eröffnete das Konzert an der Bente-Orgel mit dem Festpräludium von Louis Lewandowski. Aufwühlend später seine Orgelimprovisation über Lewandowskis „Wehogen ba’adenu“ („Schütze uns“) mit starker Dynamik und vielen ergreifenden Dissonanzen, die die Demütigung, Entrechtung und Deportation der jüdischen Bevölkerung widerspiegeln. Auch die anderen Werke gingen unter die Haut, so Salomon Sulzers „Adon olom“ (, Herr der Welt‘) und „Uw’enucho jomar („Und wenn de Lade sich niederließ“). Es folgte „Enosch“ (Psalm 103), das Musik, Trauer und Hoffnung verdient. Berührend auch das große Werk zum Abschluss, Psalm 23 („Der Herr ist mein Hirte“).

Als Solisten fungierten Philipp Peters, Julia Meinecke, Friederike Gebhard, Anke Grieger-Schober und Solveig Jäckh. Das Gedicht „Seht die Lichter“ von Hans-Werner Binheim sprach Pastor Dietmar Dohrmann.

Zwischen den einzelnen Stücken vermittelte Izsák den Besuchern viel über die jüdische Musik der Epoche. Die 10 Sängerinnen und 10 Sänger überzeugten mit großen Stimmen in den Soli sowie mit Präsenz und Präzision im gemeinsamen Klang. An diesem eindrucksvollen Abend gab es viele Momente der Ergriffenheit und der Andacht. Nach dem letzten Ton herrschte andächtige Stille. Erst dann erhielten alle Mitwirkenden den verdienten, langen, herzlichen Applaus.

Von Heidi Rabenhorst

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