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„Man entwickelt einen anderen Blick“

Gehrden „Man entwickelt einen anderen Blick“

Strahlender Sonnenschein und Temperaturen um 26 Grad - der Sonnabend hatte eigentlich alles, was ein perfekter Tag im Freibad braucht. Alexander Dreger, einer der vier Fachangestellten für Bäderbetriebe im Delfi-Bad, ist dennoch nicht ganz zufrieden: Sowohl in den Becken als auch auf der Liegewiese ist trotz der guten Voraussetzungen noch viel Platz.

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Alexander Dreger arbeitet seit fast zwölf Jahren im Gehrdener Delfi-Bad. Dabei hat er die Badegäste immer im Blick - und kümmert sich auch um Wespenstiche oder vergessene Schwimmflügel.

Quelle: Carsten Fricke

Gehrden. „Es ist Ferienzeit, das merkt man hier auch“, sagt Dreger, während er die Badegäste aufmerksam im Blick behält. Diese wirke sich allerdings eher negativ auf die Besucherzahl aus, denn viele seien im Urlaub, und besonders Jugendliche würden sich seltener als früher im Schwimmbad treffen. „Das komplette Freizeitverhalten hat sich geändert“, stellt der 33-Jährige fest, der seit fast zwölf Jahren im Delfi-Bad arbeitet. „Die Auswahl an Freizeitaktivitäten ist heute viel größer, und die wird natürlich wahrgenommen“, sagt er.

Dennoch hat Dreger bei der Badeaufsicht an diesem Sonnabend viel zu tun. „Bleibt ihr bitte mit den Schwimmflügeln im Nichtschwimmer“, fordert er einen Jungen und ein Mädchen auf. Immer wieder kommen auch Badegäste auf ihn zu, einige mit kleineren Blessuren und Wespenstichen, für die der umgangssprachlich noch immer als Bademeister bezeichnete Fachangestellte in der kleinen verglasten Hütte am Beckenrand Pflaster und Kühlakkus bereithält. „Mit den Wespen ist es dieses Jahr ganz schlimm - egal wo man ist“, bemerkt er. Weitere Badegäste leihen sich Schwimmhilfen sowie Übungsgeräte wie Tauchringe aus oder absolvieren Schwimmabzeichen wie das Seepferdchen, die Dreger als Service abnimmt.

Wenig später ist der „Bademeister“ jedoch an anderer Stelle gefordert. Ein Besucher hat im Wasser einen Ball ins Gesicht bekommen. Dreger hat sofort eine Gruppe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen als Verursacher ausgemacht. Zwar blieb der Badegast unverletzt, eine deutliche Ermahnung müssen sich die jungen Männer dennoch anhören. Grundsätzlich kämen solche Ärgernisse oder auch Unfälle bei geringeren Besucherzahlen häufiger vor. „Wenn es richtig voll ist, passen die Badegäste besser auf“, weiß Dreger. Besonders Eltern würden dann noch besser auf ihre Kinder achten. Größere Unfälle oder gar Rettungseinsätze seien allerdings selten und beträfen vor allem Kinder. Zuletzt sei er vor drei Wochen für eine Rettung im Wasser gewesen. „Ein Kind, das noch nicht schwimmen konnte, ist von einer Matte gerutscht und sofort untergegangen“, erzählt Dreger. „Das habe ich sofort gesehen, und das ging ganz schnell. Also musste ich reinspringen“, sagt er. Das Kind sei mit dem Schrecken davongekommen. In solchen Fällen gelte es dann vor allem, die Kinder und die Eltern zu beruhigen und mit ihnen zu reden.

Die Erfahrung spielt bei der Badeaufsicht eine große Rolle. „Man entwickelt über die Jahre einen ganz anderen Blick“, erläutert Dreger. Bei einer geringeren Besucherzahl sei der Bereich um die Aufsichtshütte ideal. „Von hier aus kann ich alles einsehen und sowohl im Schwimmer- als auch im Nichtschwimmerbereich schnell reagieren.“ Wenn es im Bad aber voll ist, würden sich die Bewegungsabläufe ändern. „Dann gehe ich auf verschiedene Positionen, um den Überblick über die Badegäste zu behalten“, sagt er.

Insgesamt habe er einen vielseitigen Beruf. „Die Badegäste sehen ja vor allem, dass wir hier am Beckenrand die Aufsicht führen“, sagt Dreger. Zu seinen Aufgaben gehört aber auch die Beckenreinigung sowie die Bedienung und Wartung der Wasseraufbereitungs-, Heizungs- und Lüftungsanlagen, das Entnehmen und Auswerten von Wasserproben und die Leitung von Schwimm- und Aquafitnesskursen. „Der Job ist daher schon abwechslungsreich“, findet der Fachangestellte.

Lange nach den letzten Badegästen, die das Bad um 20 Uhr verlassen haben, macht sich auch Dreger auf den Heimweg. 746 Badegäste haben er und ein Kollege am Vormittag an diesem Sonnabend beaufsichtigt - und so ihren Teil zum unbeschwerten Badevergnügen beigetragen.

Abzeichen, geliehene Flügel und ein Platz im Schatten

Ronja hat sich für ihren Besuch im Delfi-Bad etwas vorgenommen: Die Neunjährige möchte das Jugendschwimmabzeichen in Bronze erreichen und führt „Bademeister“ Alexander Dreger beim Schwimmen über 200 Meter und Tauchen in zwei Meter Tiefe vor, was sie kann.

Nach dem Aufsagen der Baderegeln und einem beherzten Sprung ins Wasser als letztem Prüfungsteil hat sie es geschafft – und ist sichtlich erleichtert. „Das war schon ziemlich anstrengend“, meint Ronja. Vor allem, weil sie ihre Schwimmbrille nicht benutzen durfte, da solche technischen Hilfsmittel für das Abzeichen nicht erlaubt sind. „Das wussten wir nicht, sonst hätten wir ohne geübt“, sagt ihre Mutter Melanie Mühlhausen. Um so größer ist Ronjas Freude, als sie ihr bronzenes Abzeichen in Händen hält.

Während sich eine Gruppe Kinder, die im Rahmen des Ferienpasses in Zelten im Delfi-Bad übernachtet hat, zum Gruppenfoto an der Wasserrutsche versammelt, bringen Karl Schürmann und sein Sohn Niklas (4) an der Hütte der Badeaufsicht ein Paar Schwimmflügel zurück, die sie sich dort geliehen haben. „Das hat gut gepasst, denn ich hatte die Schwimmflügel vergessen“, verrät der Vater. Statt auf Alexander Dreger treffen sie dort auf Kai Stahn von der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG). In der Freibadsaison unterstützen er und weitere Rettungsschwimmer der Ortsgruppe Gehrden die Fachangestellten bei der Aufsicht. An den Wochenenden ist ganztags immer einer der Ehrenamtlichen im Delfi-Bad, in den Ferien kommen weitere Aufsichten wochentags von 10 bis 13 Uhr hinzu. „So kommen wir hier im Schnitt pro Jahr auf rund 600 Wachstunden“, erzählt Stahn.

Weit von den Becken und der Hütte der Badeaufsicht entfernt haben es sich unterdessen die Familien Schramm und Ledvinka auf einer Decke im Schatten gemütlich gemacht. Eltern und Kinder sind gleichermaßen vom Delfi-Bad begeistert. „Hier ist es super, weil es drei tolle Rutschen gibt, zwei kleine und eine große, schnelle“, lobt Sandra Schramm aus Benthe. „Es ist sauber und gepflegt, und es gibt viele Schattenplätze“, ergänzt Melanie Ledvinka aus Wennigsen.

Von Carsten Fricke

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