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Das Türmchen: Vom Spritzenhaus zur Kultkneipe

Gehrden Das Türmchen: Vom Spritzenhaus zur Kultkneipe

Ein Lokal mit Kultstatus: Vier Jahrzehnte ist es schon her, dass das alte Spritzenhaus der Gehrdener Feuerwehr zu einer urgemütlichen Eckkneipe umgebaut wurde. Heute ist das Türmchen längst weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und hat ein großes Stammpublikum. Das 40-jährige Bestehen wird deshalb kräftig gefeiert.

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Freuen sich auf die Jubiläumsparty: Gastwirtin Christina Rybatzki (rechts) und die beliebte Bedienung Anita Pekic.

Quelle: Ingo Rodriguez

Gehrden. Es ist in der heutigen Zeit ein seltener Anblick: Der Hobbyhistoriker sitzt am Tresen neben einem Rechtsanwalt. Die Mitarbeiterin der Stadtverwaltung blättert an ihrem freien Tag in einem Magazin. Der Akademiker flachst mit dem Schichtarbeiter. Auf der Polsterbank unter dem kleinen Fernseher bestellt eine Seniorenrunde lachend noch eine Runde Bier. Sogar das gute alte Herrengedeck steht in dem kleinen Schankraum am Steintor immer noch ganz hoch im Kurs. Man ist schnell beim Du, wenn neue Gäste dazu kommen. Und im Vobeigehen leert Gastwirtin Christina Rybatzki die Aschenbecher.

Erlebnis - und Systemgastronomie mit Bonusaktionen? Das ist im Türmchen nicht nötig. Das urige Lokal an Eingangstor zur Fußgängerzone hat das Kneipensterben überlebt. Geselliges Miteinander, Klönen, Stammtischgespräche - in Gehrden gibt es sie noch: Die gute alte Eckkneipe, ein Familienbetrieb und rund um die Uhr gut besucht. "Wir haben jetzt ein bunt gemischtes Stammpublikum", sagt die 29-jährige Gastwirtin.

Ihr Vater, der 55-jährige Gastronom Andreas Rybatzki, weiß: "Das war nicht immer so." Als seine beiden Töchter Catharina und Christina mit ihm und Ehefrau Andrea den Laden vor zehn Jahren übernahmen, sei es zunächst nicht unproblematisch gewesen. "Wir mussten Gäste aussortieren", räumt Rybatzki ein. Hausverbote, sogar ein Security-Service waren zuweilen erforderlich. "Am Anfang saßen wir nach dem Aussortieren oft mit einzelnen Gästen alleine im Laden", erinnert sich der 55-Jährige.

Diese Zeiten sind inzwischen aber längst vorbei. Das Türmchen ist aus den Negativschlagzeilen verschwunden. Sogar Fußballprofis von Hannover 96 zählten in der jüngeren Vergangenheit zu ihren aktiven Zeiten als Neu-Gehrdener zu den Stammgästen. "Sergio Pinto war oft da, Mike Hanke auch", sagt Christina Rybatzki. Gemeinsam mit der beliebten Bedienung Anita Pekic und weiteren Aushilfskräften scheuen die Rybatzkis aber auch keine Mühen: "Täglich ab 10 Uhr geöffnet - bis Open End", sagt die Gastwirtin. Ruhetage? Nur in Ausnahmefällen.

Dass die Familie aus Hannover-Wettbergen den Laden jetzt bereits im zehnten Jahr führt, ist einem Zufall zu verdanken. Der 55-jährige Rybatzki hatte 2005 noch einen Getränkegroßhandel betrieben und bei einer Lieferfahrt zufällig gesehen, dass das Türmchen kurze Zeit leer stand. Die Idee, in dem historischen Gebäude der Stadt eine Kneipe zu betreiben, habe ihn nicht los gelassen. "Dann haben wir uns 2006 bei der Stadt beworben und den Zuschlag bekommen."

Die Rybatzkis kennen inzwischen nicht nur den gesellschaftlichen, sondern auch den historischen Stellenwert des Ladens: Von 1910 bis 1962 Schlauchturm und Spritzenhaus der Feuerwehr. 1976 zur Kneipe umgebaut  - von dem Gehrdener Walter Meyer, vielen alten Stammkunden noch als "Schnacki" bekannt. "Er hatte in den siebziger Jahren in der Fußgängerzone ein Küchenstudio mit Antiquitätenhandel", weiß Rybatzki. Nach dem Auszug der Feuerwehr sei es seine Idee gewesen, im Schlauchturm eine Kneipe unterzubringen. Nur weil das Gebäude so wenig Grundstück in Anspruch nehme, habe die Stadt von den Abrissplänen wieder Abstand genommen. "Zu klein als Baugrundstück", erzählt Rybatzki. Nur deshalb habe Meyer schließlich am 4. April 1976 das Türmchen eröffnen können - nach rund zehnmonatigen Renovierungs- und Umbauarbeiten. Nach seinem Ausstieg habe es dann ab 1989 verschiedene andere Pächter gegeben, weiß der Gast Rainer Piesch. Nur vor Rybatzkis Einstieg habe der Laden für kurze Zeit leer gestanden.

Über die guten alten Zeiten werden die Gäste bei der großen Jubiläumsfeier am Sonnabend, 9. April, zweifellos auch wieder reden. "Wir haben den Türmchen-Gründer 'Schnacki' Meyer auch eingeladen", sagt Gastwirtin Rybatzki. Die Ehrengast gehört zu einem spektakulären Partyprogramm mit viel Livemusik und Nostalgieangeboten.

Das Programm : Livemusik und Nostalgieaktion

Das Jubiläumsprogramm des Türmchens beginnt am Montag, 4. April, mit einer Nostalgieaktion: Vier Tage lang gibt es einen Drittelliter Bier vom Fass für 75 Cent. "Das entspricht umgerechnet dem Preis bei der Eröffnung 1976", sagt Gastwirtin Christina Rybatzki. Bestätigen kann das der Türmchen-Gründer Walter "Schnacki" Meyer. Der 70-Jährige wird am Sonnabend, 9. April, auch zur großen Jubiläumsparty mit Livemusik und Ehrengästen kommen. Auftreten werden ab 14 Uhr auf dem für den Straßenverkehr abgesperrten Gelände vor dem Lokal die Musikvereinigung Weetzen, das Trio La Sol, der Feuerwehrmusikzug und der Gehrdener Nachwuchskünstler Luca. Bekannte Partylieder und Schlager wird außerdem die frühere Miss Niedersachsen, Isabel Krämer, singen. Mit dem früheren bekannten Gastronomen Bodo Linnemann ist zudem auch ein Kult-Diskjockey mit Wohnsitz in Gehrden dabei.

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