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Händler klagen auf Markt und in Innenstadt

Gehrden Händler klagen auf Markt und in Innenstadt

Die Sanierung der Innenstadt sorgt für Frust bei den Händlern auf dem Wochenmarkt und bei den Kaufleuten in der Innenstadt. Sie beklagen sich wegen starker Umsatzeinbußen, die seit der Abwanderung des Marktes an den alten Festplatz teils drastisch geworden seien.

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Baustelle vor der Eisdiele: Gastronom Giuseppe Canal beklagt einen Kundenmangel.

Quelle: Oehlschläger

Gehrden. Eisdielenbesitzer Giuseppe Canal findet deutliche Worte. "Es ist sehr schlecht", sagt er. "Wir machen großen Verlust." Seit Mitte Februar fehle ihm ein Viertel der Kundschaft, die vor allem an Markttagen in sein Geschäft kamen. Inzwischen ist die Innenstadtsanierung direkt vor seinem Laden angekommen - die Absperrung der Baustelle grenzt direkt an die Tische seines Cafés. Canal beklagt den mangelnden Fortschritt: "Drei bis vier Arbeiter am Tag für so eine Baustelle sind zu wenig." Inzwischen beschwerten sich auch die Kunden. "So ist klar, dass das ein Jahr dauert."

Um die Innenstadt und den dortigen Handel neu zu beleben, lässt die Stadt Gehrden die Geschäftsmeile aufwendig sanieren. Dafür musste der Wochenmarkt an den alten Festplatz nahe des Sportplatzes des SV Gehrden umziehen. So verschlechtert sich die Situation für die Händler auf beiden Seiten, bis die Bauarbeiten beendet sind. Zuvor konnten sich Marktverkäufer und Geschäftsleute die Laufkundschaft teilen.

Weinhändlerin Susanne Tellkamp geht inzwischen mit einer besonderen Aktion gegen die Baustelle vor. Sie veranstaltet Weinverkostungen mit dem Wortspiel "Bau - Stell dich ein" als Titel. "Das haben wir jetzt schon zweimal gemacht", sagt sie - und es werde gut angenommen. Jeweils 13 und 15 Menschen kamen zu den ersten beiden Verkostungen, die nächste beginnt am Mittwoch, 3. Mai, nach Ladenschluss um 18 Uhr. "Ich hatte die Situation dramatischer eingeschätzt, als sie jetzt eingetreten ist", sagt die Inhaberin des Weinladens. Dennoch sei die mangelnde Laufkundschaft deutlich spürbar.

Frust auch auf dem Wochenmarkt

Bei manchen Verkäufern auf dem Wochenmarkt sitzt der Frust tief. "Es ist beschissen", sagt Floristin Bibby Schormann, die am Stand von Blumen Hoffmann noch verhältnismäßig Kunden beraten kann. Sie komme nun seit 27 Jahren als Verkäuferin nach Gehrden. "Das war immer mein Lieblingsmarkt", sagt sie. Inzwischen sei sie froh, wenn die Uhr 13.30 Uhr zeige. Über ihre Kunden freue sie sich aber nach wie vor. Auch Schormanns Chef Sven Hoffmann beklagt die Situation am Ausweichsplatz: "Die Kunden kommen hier her und wissen nicht, wo sie parken sollen." Dass der eingerichtete Shuttleserive aus der Innenstadt nicht ausreiche, zeigten die ausbleibenden Kunden. Manche Kunden, die ihr Auto nicht vorschriftsmäßig abgestellt hätten, hätten dazu einen Strafzettel erhalten. "Die haben gesagt, die kommen auch nicht mehr wieder", sagt Hoffmann.

"Ich bin ja nicht mehr so gut zu Fuß", sagt die 88-jährige Gudrun Ahrens - dennoch ist sie zum Wochenmarkt gekommen. Allerdings hat sie dafür das eigene Auto genommen und nicht etwa den Shuttleservice. "Der fährt ja im Zentrum ab", sagt Ahrens. Da sie am Stadtrand wohne, wisse sie nicht genau, ob sie diesen überhaupt gut nutzen könne. "Es ist hier ein bisschen schwierig mit den Parkplätzen", sagt auch sie zum Übergangsstandort des Wochenmarktes. Aber: "Da es nicht zu ändern ist, muss es ja funktionieren."

Bürgermeister Mittendorf: „Wir sind im Zeitplan“

Laut Bürgermeister Cord Mittendorf werden sich die Bauarbeiten in der Gehrdener Innenstadt noch bis zum Ende diesen Jahres hinziehen. „Die Pflasterarbeiten erstrecken sich laut Bauzeitplan von Mai bis Mitte Dezember 2017“, teilte er der HAZ auf Nachfrage mit. Die Bauarbeiten am Kanal wären hingegen bereits im August abgeschlossen. Mittendorf betonte, dass wegen privater Baustellen in der Kirchstraße, Hornstraße und am Steinweg leider kein alternativer Standort im Zentrum für den Wochenmarkt hätte gefunden werden können. „Wir sind alle bemüht, die Baustelle so schnell wie möglich voran und zu Ende zu bringen“, sagte Mittendorf. Schlussendlich diene der Aufwand dem Ziel, „allen eine neu sanierte und gestalterisch ansprechende Innenstadt“ zur Verfügung zu stellen. Über die bevorstehenden Arbeiten seien die Marktbeschicker, Geschäftsbetreiber sowie die Bürger rechtzeitig informiert worden.

Um die Geschäfte im Gehrdener Stadtzentrum zu stärken, gebe es über die Innenstadtsanierung hinaus noch weitere Projekte, die zum Teil bereits angelaufen seien, teilte der Bürgermeister mit. Dazu zählten das vom Rat im November beschlossene Einzenhandels- und Zentrenkonzept, Veranstaltungen wie den Gründungsabend und das Regio-Lab, das Gemeinschaftsbüros und Coworking-Spaces in der Innenstadt hervorbringen soll. Ein Workshop zum Thema „Stärkung der Innenstadt von Gehrden - hier: Hauptzentrum Innenstadt“, bei dem Bürger, Politiker und sonstige Akteure eine machbare Zukunftentwicklung aufstellen sollen, ist für die Zeit nach den Sommerferien geplant.

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Von Nils Oehlschläger

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