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Das Gedächtnis der Stadt

Gehrden Das Gedächtnis der Stadt

Mitglieder des Heimatbundes haben in den vergangenen fünf Jahren das Archiv der Stadt gesichtet, sortiert und geordnet. Jetzt sollen es auch die Bürger nutzen.

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Dieter Mahlert, Hartmut Neumann, Helmuth Temps und Hans Joachim Hentschel gehören zur Archivgruppe des Heimatbundes.

Quelle: Wirausky

Gehrden. Es lag nahezu unvergessen und verborgen im Keller des Rathauses: das Gedächtnis der Stadt. Und wer weiß: Vielleicht wäre es sogar in Vergessenheit geraten, wenn sich vor fünf Jahren nicht emsige und eifrige Mitglieder des Heimatbundes gefunden hätten, die sich an das Gedächtnis erinnerten. Und so begannen sie Dokumente zu sammeln und zu sortieren – jeden Freitag von 16 bis 18 Uhr. „Wir haben anfangs einen Berg an Dokumenten, Schriften und Karten gefunden“, erzählt der Archivbeauftragte Hans Joachim Hentschel. In der Folge wurde das historische Material aufgearbeitet und in ein Archivsystem gebracht.
„Zu Beginn hatten wir überhaupt keine Ahnung“, gesteht Hartmut Neumann. Die Gruppe haben den Keller aufgeschlossen und zunächst nur Spinnweben gesehen. Es habe Chaos in dem Raum, der auch als Abstellkammer genutzt wurde, geherrscht, ergänzt Dieter Mahlert. Doch die Gruppe holte sich Rat von einem Experten. Über Beziehungen wurde Kontakt zu Nils Brübach, Mitarbeiter im sächsischen Staatsarchiv und gebürtiger Gehrdener, aufgenommen. „Er war sozusagen unser Geburtshelfer“, sagt Neumann. Brübach brachte das Projekt entscheidend voran. Er half bei Archivierung und Digitalisierung.

Inzwischen sind mehr als 2000 Dokumente – Einzelblätter oder Dokumentensätze – archiviert worden. Sie umfassen den Zeitraum von 1517 bis 1974. „Manche Schriften konnten wir nicht entziffern“, sagt Hentschel. Doch mit Rainer Fenner und Marlis Sadeghi gab es zwei Helfer, die Sütterlin lesen können. Sie konnten die Dokumente in die heutige Schriftform übertragen.

Selbstzweck sei die Arbeit nicht, betont Neumann. „Wir wollen auch den Bürgern etwas mitteilen“, sagt er. 2018 wolle man auch am Tag der Archive teilnehmen.
Über einen PC oder ein sogenanntes Findbuch können historischen Fakten recherchiert werden. Nach Absprache können die Dokumente vor Ort eingesehen werden. „Sie dürfen das Haus allerdings nicht verlassen“, sagt Hentschel.
Die Arbeit ist spannend – und es sind kuriose und interessante Funde entdeckt worden. So der Diebstahl von Kerzenlichter vom Altar der Margarethenkirche im Jahr 1758, die Strafgelder-Prinzipien aus dem Jahr 1781, Schmucktelegramme aus dem Jahr 1929 oder Aufzeichnungen über die Einquartierung von Napoleons Truppen. „Das war ein Albtraum für die Gehrdener Bürger“, sagt Hentschel. Interessant auch eine Landkarte aus dem Jahr 1938. Danach war geplant, die A7 zwischen Deister und Gehrdener Berg hindurchzuführen. Das älteste Dokument stammt aus dem Jahr 1517. Es ist aus Pergament und ausgestellt von Herzog Erich von Braunschweig und Lüneburg. Wertvoll ist auch das Papier aus dem Jahr 1636, als Georg von Braunschweig und Lüneburg dem Flecken Gehrden Privilegien übertrug. „Sozusagen die Freiheitsrechte“, sagt Hentschel.

Eine rund 10 600 Karteikarten umfassende „Sippenverkartung“, die zurzeit des Nationalsozialismus von ansässigen Lehrern erstellt werden musste, wurde ebenfalls vorgefunden und elektronisch erfasst. Die Karteikarten umfassen Personen in einem Zeitraum von 1674 bis 1939 und dienten dazu, die Verbindung von Familienzweigen in Gehrden, Ditterke, Lemmie und Redderse darzustellen. „Das ist eine Fundgruppe für Ahnenforscher“, sagt Hentschel.
Die Stadt ist glücklich, dass sich Mitglieder des Heimatbundes der Arbeit angenommen haben. „Wir können froh sein, dass es diese Gruppe gibt“, sagt Stadtsprecher Frank Born. Es sei schließlich eine Pflichtaufgabe der Stadt, ein Archiv zu führen.

Der geistige Vater des Stadtarchivs ist August Kageler. Mit Unterstützung des damaligen Bürgermeisters Ottomar von Reden wurden ihm Räume zur Verfügung gestellt, um ein Archiv aufzubauen. Das Ergebnis seiner Forschungen ist im Stadtmuseum zu sehen.

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