Navigation:
HAZ-Shop AboPlus Online-ServiceCenter
Ausgrabungen

In Gehrden lebte ein Germanenboss

Von Bärbel Hilbig

Exklusive Ausgrabungsfunde in der Region Hannover deuten auf einflussreiche Siedlung in der Nähe des Deisters hin. Archäologen fanden bereits einige wertvolle Gegenstände.
Die Ausgrabung in Gehrden.

Ein Germanenboss lebte in der Nähe von Hannover. In Gehrden wird jetzt in einer Ausgrabung wertvolles zu Tage gebracht.

© Rainer Dröse

Gehrden. Der Mann muss mächtig gewesen sein. Da ist sich Kommunalarchäologin Ute Bartelt ganz sicher. In dem germanischen Dorf, das seit gut zehn Jahren in Gehrden freigelegt wird, lebte ein Angehöriger der germanischen Elite. „Er hatte Einfluss und weitreichende Kontakte.“ Dabei hat Bartelt kein Grab mit reichen Beigaben gefunden. Und in welchem Langhaus der „Big Man“, wie die Archäologen sagen, oder sein Clan lebte, ist bisher auch nicht feststellbar. Denn auf die Bauwerke weisen meist nur dezente Bodenverfärbungen hin – da, wo die Holzpfosten in den Boden gerammt waren und beim Verrotten ihre Spuren hinterließen.

Doch in der Siedlung, die nach bisherigem Wissensstand vom 3. bis 6. Jahrhundert bestand, haben die Forscher zahlreiche Scherben gefunden, die weit über germanische Alltagsgegenstände hinausweisen. Einige der Siedler benutzten weiße und grüne Glasgefäße; die Archäologen entdeckten einen aufwendigen zweifarbigen Scherbensplitter und eine rote Glasperle. „Die finden Sie nicht auf ’nem Kuhdorf. Glas konnten unsere Germanen nicht herstellen“, erklärt Bartelt. Die Dorfbewohner aus dem nicht von Römern besetzten freien Germanien müssen die Gegenstände aus dem römischen Reich importiert haben, genauso wie ein rotglänzendes Tongefäß mit hellrotem Rankenmuster, von dem jetzt nur noch eine kostbar wirkende Scherbe erhalten ist.

Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass sich ausgerechnet in dieser Siedlung in Gehrden Hinweise auf einen einflussreichen Germanenchef finden. Das Dorf lag an einem wichtigen überregionalen Handelsweg, dem Hellweg, der vom heutigen Ruhrgebiet über Hildesheim nach Magdeburg führte. „Der Chef wird den Weg in der einen oder anderen Weise kontrolliert haben“, sagt Archäologin Bartelt.
Die Stadt Gehrden und die Hannover Region Grundstücksgesellschaft HRG erschließen seit gut zehn Jahren das Gewerbegebiet Bünteweg, in dem die Siedlung aus der Zeit des römischen Kaiserreichs und der Völkerwanderung entdeckt wurde.

Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel
Anzeige

Was ist los in Gehrden?

Alle Termine rund um Gehrden finden Sie in unserem Veranstaltungskalender.

Gehrden in Zahlen

Foto: Gertraude König (myheimat.de)
  • Bundesland: Niedersachsen
  • Landkreis: Region Hannover
  • Fläche: 42,97 km²
  • Einwohner: ca. 14.500
  • Bevölkerungsdichte: 337 Einwohner je km²
  • Postleitzahl: 30989
  • Ortsvorwahlen: 05108, 05137, 05109
  • Wirtschaft: Firmendatenbank
  • Stadtverwaltung: Kirchstraße 1-3,
     30989 Gehrden, Telefon (05108) 64040
  • Bürgermeister: Hermann Heldermann (CDU)
  • Rat: CDU (11 Sitze), SPD (10), Grüne (5), FDP (2)
  • Heimatzeitung: Die Calenberger Zeitung (CZ) liegt in Gehrden täglich der HAZ und der Neuen Presse bei
Städtewetter
Tagestemperatur
°
Nachttemperatur
°
Regenprognose
%
Windstärke
km/h
Pollenflug


Top