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Innenstadtsanierung ist blockiert

Gehrden Innenstadtsanierung ist blockiert

Droht der Innenstadt von Gehrden ein Schandfleck? Seit vielen Jahren steht ein Fachwerkhaus am Steinweg leer. Bislang scheiterten die Versuche der Eigentümerin, einen Neubau umzusetzen und die Innenstadt mit weiteren Einzelhändlern zu beleben.

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Sabine Gaues und Wilhelm Pook schauen sich das Haus an.

Quelle: Hartung

Gehrden. Das dauert jetzt schon sieben Jahre, zweimal hatte ich bereits die Abrissgenehmigung. Nur die Kirche blockiert“, sagt Eigentümerin Sigrid Bratsch. Ihren ersten Entwurf habe sie 
20-mal geändert, den zweiten dann drei weitere Male. Immer wieder habe sie die Kirchengemeinde als Nachbarn einbezogen und Wünsche berücksichtigt. „Aber dann waren sie doch wieder nicht einverstanden. Dabei habe ich den Bau schon kleiner gemacht.“

In früheren Plänen seien es sechs bis acht Meter gewesen, die der Bau in Richtung Ratskeller zu lang war. „Nun sind es nur noch eineinhalb Meter – und jetzt ist es wieder nicht recht“, sagt Bratsch. Bratsch konnte sich bisher nicht mit dem Vorstand der Margarethenkirche einigen. „Ich benötige die Baulast der Kirche“, sagt Bratsch. Ohne die Zustimmung vom Nachbarn kann sie nicht beginnen.

Bürgermeister Cord Mittendorf hofft auch sehr darauf, dass es noch zu einer Einigung kommt. „Die Stadt steht aber ganz klar zu dem jüngsten Entwurf, der auch vom Rat mehrheitlich verabschiedet wurde.“ Die Entscheidung des Kirchenvorstands müsse akzeptiert werden. „Ich hoffe aber, dass es noch zu einer Annäherung kommt. Es kann doch nicht sein, dass dort bald eine eingerüstete Bauruine steht.“

Bedauerlich sei der Stillstand der Verhandlungen auch vor dem Hintergrund der Innenstadtsanierung. Im nächsten Jahr sollen am Marktplatz die Kanäle erneuert werden. „Es wäre möglich, den Verlauf der Sanierung an den Hausbau anzupassen“, sagt der Bürgermeister. Derzeit laufe es jedoch darauf hinaus, dass bei einem späteren Neubau die neu hergerichtete Fußgängerzone wieder aufgerissen werden müsste. „Dann entstehen unnötige Kosten“, sagt Mittendorf. Er hofft auch im Sinne der Einzelhändler auf die Umsetzung der Neubaupläne: „In das geplante Gebäude sollen doch auch neue Läden einziehen, und das belebt die Innenstadt.“

Wilhelm Pook (88) lebt schon immer in Gehrden und hat zahlreiche Veränderungen in der Innenstadt miterlebt. Er wünscht sich eine Weiterentwicklung und pulsierendes Leben in der Fußgängerzone. Ihm liegt Gehrden am Herzen. „Wir brauchen unbedingt eine Belebung der Innenstadt durch einen Neubau“, sagt Pook. Er hat 1959 das Gebäude gegenüber dem Bratsch-Haus errichten lassen. Daher ist es nachvollziehbar, dass er sich um „sein Gehrden“ Gedanken macht und die Weiterentwicklung der Stadt aufgrund des zerfallenen Fachwerkhauses fürchtet.

„Obwohl das Bauamt, der Rat und die Verwaltung der Stadt Gehrden grünes Licht für den Neubau des Wohn- und Geschäftshauses gegeben hat, gibt es keine Fortschritte. Eine kleine Gruppe des Kirchenvorstandes und ein Teil vom Vorstand des Heimatbundes Gehrden sind gegen die Umsetzung“, kritisiert Pook. Nach seiner Einschätzung würde ein Neubau den Marktplatz aufwerten. Das Gebäude würde sich gut an die gegenüberliegenden Häuser mit den Giebeln zur Straße anpassen. „Die Größe entspricht in etwa dem jetzigem Haus. Ich darf daran erinnern, dass früher noch ein weiteres Haus dort gestanden hat“, sagt Wilhelm Pook.

“Wir brauchen unbedingt eine Belebung der Innenstadt durch den Neubau. Ich möchte die Kritiker des Bauvorhabens bitten, ihre Meinung zu überdenken. Stehen sie der Weiterentwicklung unserer Stadt nicht im Wege. Eine pulsierendes Leben trägt auch zu einem christlichen Zusammensein bei“, appelliert der Gehrdener an die Entscheider.

Die Kirche ist nach eigenen Angaben gesprächsbereit. Die Haltung des Vorstands der Margarethengemeinde sei aber unverändert: „Es gibt einen Kirchenvorstandsbeschluss aus dem April, in dem der aktuellste Entwurf abgelehnt wird. Seitdem haben wir weder von der Eigentümerin noch von der Stadt irgend etwas gehört“, sagt die Vorsitzende Dorothea von Schlotheim. Grund für die Ablehnung sei die Größe und Höhe des geplanten Neubaus. „Wenn man die Kirche durch den Haupteingang verlässt, soll die Sicht nicht derart eingeengt werden.“ Im jüngsten Entwurf sei der Schräggiebel zur Fußgängerzone hin ausgerichtet worden. „Dann fällt der Blick von der Kirche aus auf eine pure Hauswand.“ Die Vorsitzende betont jedoch, dass der Kirchenvorstand sehr daran interessiert ist, eine Lösung zu finden.

Wilhelm Pook erinnert daran, dass das Kaufhaus an der Südseite des Marktplatzes,  früher F.O. Engelke, als ein Zeitzeuge einzustufen sei. „Es gefällt mir.“ Bei anderen Gebäuden ist der Gehrdener kritischer. Das Ärzte- und Apothekenhaus habe das ganze Ambiente des Marktplatzes verändert. „Ein reiner Zweckbau. Wo waren bei dem Bau die Einsprüche?“ Daneben das andere Extrem, meint Pook, ein schön renoviertes Fachwerkhaus, an dessen sehr hohen Umbaukosten die Eigentümerfamilie zerbrochen sei.

In dem im Jahr 1959 von Wilhelm Pook erbauten Wohn- und Geschäftshaus an der Ecke Hornstraße – gegenüber dem Bratsch-Haus – befindet sich heute der Betrieb von Sabine Gaues. „Für uns als Geschäftsleute ist es in diesem Bereich nicht nachvollziehbar, dass der Ersatz für das Bratsch-Haus sich so lange hinzieht und nichts passiert. Die Innenstadtsanierung ist im Gange, hier geht aber nichts voran“, sagt die Bäckermeisterin. Sie wünscht sich in der eigenen Umgebung eine attraktivere Lage „für uns alle“.

Sigrid Bratsch, Eigentümerin des alten Fachwerkhauses am Steinweg, hat nach eigener Aussage schon Planungskosten im sechsstelligen Bereich bezahlt. „In eine erneute Runde mit der Kirche gehe ich nicht. Ich bin es leid. Wenn wir jetzt nicht zu einer Einigung kommen, dann mache ich ein Netz über das Haus und dann vergammelt es eben“, sagt sie. In Kürze werde sie ihrer Versicherungspflicht nachkommen und einen Zaun um das Haus errichten: Denn es drohen Teile des maroden Hauses auf den Marktplatz zu stürzen.

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Von Stephan Hartung

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