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Zimmerer decken heikle Schieflage auf

Redderse Zimmerer decken heikle Schieflage auf

Ungeahntes Sicherheitsrisiko: Bei der Sanierung der historischen Kapelle in Redderse haben Zimmerer mit einer Hilfskonstruktion den bedrohlich geneigten Dachreiter gestützt und wieder aufgerichtet. Die Erneuerung des Glockenturms ist Teil einer Grundsanierung des 1737 errichteten Gotteshauses.

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Die Kapellenvorsitzende Martina Winterberg und Pastor Wichard von Heyden lassen sich bei einer Baustellenbesichtigung von Zimmerer Volker Wissel ein marodes Holzstück aus den morschen Balken des Dachstuhls zeigen. Der Glockenturm ist mit einer Hilfskonstruktion aus neuen Balken und Zugseilen (siehe Bildergalerie) notdürftig aufgerichtet worden. Zur Grundsanierung gehört auch die Erneuerung des maroden Mauerwerks der Gefache.

Quelle: Ingo Rodriguez

Redderse. "Für den Turm hätte ich meine Hand nicht mehr lange ins Feuer gelegt." Mit dieser Aussage macht der Zimmerer und Baustellenleiter Volker Wissel das ganze Ausmaß der Dringlichkeit deutlich. Dann klopft er zufrieden auf eine inzwischen errichtete Hilfskonstruktion aus neuen Holzbalken, Richtseilen und zwei sogenannte Zahnstangenwinden. "Das bleibt nur so lange, bis wir die morschen Balken wieder ertüchtigt und teilweise auch ausgetauscht haben - nach alter Zimmermannskunst, ohne vorgestanzte Bleche", betont der Polier routiniert.

Für Pastor Wichard von Heyden und die Vorsitzende der Kapellengemeinde, Martina Winterberg, ist die  Baustellenbesichtigung eine Erleichterung. "Wir haben zuletzt massiv Druck gemacht, um die seit Jahren geplante Renovierung endlich umzusetzen", sagt von Heyden. Das Dach sei undicht gewesen, der Dachreiter mit der Glockenvorrichtung habe immer windschiefer gewirkt.

Trotzdem: Die Grundsanierung wurde lange verschoben. "Wir haben regelmäßig die Statik überprüft, aber jetzt war es wirklich allerhöchste Zeit", sagt der Pastor. Laut beauftragter Baufirma sei der Turm bereits um 25 Zentimeter seitlich geneigt gewesen. Das Problem: Im Haushalt der Kapellengemeinde seien für eine derart hohe Investition nicht genügend Mittel, deshalb sei es notwendig gewesen, auf Gelder der Landeskirche und des Kirchenkreises zu warten. Dies wiederum habe sich verzögert. "Weil zuletzt mit der Sanierung der Kirchen in Leveste und Gehrden schon zwei Großprojekte finanziert wurden", so von Heyden.

Ursprünglich hatte die Kapelle in Redderse bereits im vergangenen Jahr renoviert werden sollen. Seit etwa fünf Wochen ist es nun endlich so weit. Rund 160 000 Euro stellen die Landeskirche und der Kirchenkreis für die Sanierung des historischen Bauwerks zur Verfügung. Erneuert werden auch der marode Dachstuhl und die Ziegelabdeckung sowie das zerbröselte Mauerwerk der Gefache, morsche Holzbalken der Grundmauern des Fachwerks sollen ebenfalls ausgetauscht werden. "Aber erst muss die Statik von oben her wieder vollständig hergerichtet sein. Zum Schluss wird dann verputzt und gemalert", sagt der Pastor. Ebenfalls Bestandteil der Sanierung ist die Restaurierung der Glasfenster, die von Spezialisten wieder in den Ursprungszustand zurück versetzt werden sollen. "Die Fenster wurden schon ausgebaut, damit die Metallrahmung renoviert und die Glasscheiben nachmacht werden können", sagt die Kapellenvorsitzende.

Doch allein mit der Grundsanierung geben sich Pastor und Kapellenvorstand nicht zufrieden: "Seit etwa 80 Jahren ragt aus dem Turm eine Stange heraus und niemand weiß mehr, was dort früher einmal befestigt war", sagt von Heyden. Geplant sei deshalb mithilfe von Spenden und einem freiwilligen Kirchgeld eine Summe von rund 6000 Euro zu sammeln, um dort als Krone des Dachreiters ein Kreuz oder einen Wetterhahn zu befestigen, sagt von Heyden. Doch vorher soll die Kapelle mit einem feierlichen Gottesdienst wieder eröffnet werden. "In etwa zwei Monaten ist  realistisch", sagt der Pastor.

Kapelle ist 279 Jahre alt

Die Kapelle in Redderse wurde in den Jahren 1737 und 1738 errichtet. Schon vorher muss es in Redderse jedoch eine Kapelle gegeben habe. „Erste Aufzeichnungen von einer Kapelle stammen aus dem Jahr 1683“, sagt die Vorsitzende der Kapellengemeinde, Martina Winterberg. Offenbar sei das Vorgängergebäude baufällig und ein Neubau erforderlich gewesen. Im Jahr 1968 wurde die mit kostbaren Schnitzereien verzierte alte Kanzel sowie der Altaraufsatz aus der Gehrdener Margarethenkirche in der Redderser Kapelle aufgebaut. Außerdem gibt es eine kleine Pfeiffenorgel. 1984 sowie 2006 und 2008 wurden jeweils einzelne Renovierungsmaßnahmen vorgenommen. Die Kapelle ist eines der ältesten Gebäude im Ort. Dort gibt es einmal im Monat und an Festtagen einen Gottesdienst. Außerdem werden darin die Trauerfeiern für Beerdigungen auf dem örtlichen Friedhof abgehalten. Der Kapellengemeinde gehören rund 250 Mitglieder an. Sie gehört ebenso wie die Kapellengemeinden Ditterke und Lemmie zur Margarethenkirchengemeinde in Gehrden.

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