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"Wir dürfen endlich wieder lachen"

Northen "Wir dürfen endlich wieder lachen"

Martin Volker wollte nicht nur zusehen, er handelte: Der Northener hat vier Menschen aus Syrien bei sich aufgenommen, die vor dem Bürgerkrieg und dem Terror in ihrem Heimatland geflohen sind.

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Walid Alia, Nour, Baha und Waseem Khello freuen sich, dass sie bei Martin Volker (Vierter von links) in Sicherheit sind und ein neues friedliches Leben beginnen können.

Quelle: Rabenhorst

Northen. Die deutsche Sprache lernen, arbeiten und eine Wohnung finden – es sind bescheidene Wünsche, die die vier Mitglieder der Familie Khello haben. In einem neuen Land und mit einem neuen Leben, das sie vor zwei Monaten begonnen haben – im Hause von Martin Volker. Ihr Heimatland Syrien haben Baha Khello (50), seine Tochter Nour (11), Cousin Waseem (36) und Neffe Walid Alia (18) hinter sich gelassen. Sie seien einfach nur glücklich, dass sie in Northen ein neues friedliches Leben beginnen konnten, sagen sie.

Ihre 14-tägige abenteuerliche Flucht aus Aleppo hatte am 2. August begonnen. „Ich habe meine Praxis und alle Instrumente für 4000 Euro verkauft“, erzählt der Zahnarzt. Er brauchte das Geld, um die Flucht bezahlen zu können, erzählt Baha Khello. Von Aleppo aus ging es über die Türkei nach Griechenland weiter über die sogenannte Balkanroute nach Ungarn, Österreich bis Deutschland. „Als wir dann endlich im Aufnahmelager Friedland angekommen sind, waren wir erleichtert“, erinnerte sich Baha Khello. Am schlimmsten sei es in Ungarn gewesen. „Wir wurden wie Tiere durchs Dorf getrieben“, erinnert sich die elfjährige Nour. Es fällt ihr immer noch schwer, darüber zu sprechen.

Nun freue sie sich aber, in Sicherheit zu sein und vor allem wieder zur Schule gehen zu können. Die Elfjährige ist eine gute Schülerin. Nour besucht die fünfte Klasse am Matthias-Claudius-Gymnasium. „Ich komme im Unterricht sehr gut mit, hier es viel leichter, als in Syrien“, erzählt sie in gutem Deutsch. Sie habe schon viele Freunde gefunden. Dass sie am Schulleben rege teilnimmt, davon konnten sich die Besucher vergangene Woche beim MCG-Winterzauber überzeugen, als sie auf der Bühne das Gedicht „Snowflake“ präsentierte.

Für Waseem Khello ist die Unterkunft bei Martin Volker ein wahrer Glücksgriff. Der studierte Konzertgitarrist kann mit dem Musiker Volker gemeinsam musizieren. „Martin hat mir sogar im Keller einen eigenen Raum eingerichtet, wo ich üben kann“, erzählt der 36-Jährige begeistert. Martin sei wie ein Bruder zu ihm und seinen Verwandten. Er habe ihn sogar bei Vereinsweihnachtsfeiern musikalisch begleiten dürfen.

Viele Formalitäten müssen beachtet, Behördengänge getätigt und Formulare ausgefüllt werden. Dabei hilft ihnen Martin Volker sehr gerne. Beim Deutschkurs sind die Neuankömmlinge schon angemeldet und die Übersetzung des arabischen „schiril“ haben alle parat – Arbeit. „Wir fühlen uns wohl, wollen so schnell wie möglich Deutsch lernen, arbeiten und Teil der Gesellschaft werden“, sagt Baha Khello. Die Chancen dafür stehen gut. Sei rechnen damit, dass ihr Asylantrag im April genehmigt werde.

Auf die Frage, was ihnen an ihrem neuen Leben besonders gefällt, hat die elfjährige Nour als Jüngste eine Antwort: „Dass wir wieder lachen dürfen.“

Für Martin Volker war es selbstverständlich, die syrische Flüchtlingsfamilie bei sich aufzunehmen. „Ich will kein Vorbild sein“, erzählt der Musiker. „Aber jeder Mensch kann ein bisschen Wärme, Nähe, Trost und Liebe spenden.“ Geredet werde zum Teil mit Händen und Füßen, mit Wörterbüchern und mit Übersetzungsapps. „Aber meine Mitbewohner machen große Fortschritte“, freut sich Volker.

Von Heidi Rabenhorst

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