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Geschäften fehlt die Laufkundschaft

Gehrden Geschäften fehlt die Laufkundschaft

Nicht nur Gelassenheit, sondern auch Empörung und Sorgen: Die Auswirkungen der Großbaustelle am Steinweg werden von den Geschäftsleuten und Anliegern völlig unterschiedlich bewertet. Es macht sich auch zunehmend Unmut breit – über fehlende Laufkundschaft, erhebliche Umsatzeinbußen, Lärm und Dreck.

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Viel weniger Laufkundschaft, kaum Blicke ins Schaufenster: Am Steinweg registrieren viele Geschäftsleute wegen der Großbaustelle einen deutlichen Rückgang der Passanten. Oliver Cimander hat häufig in seinem Laden für Modeschmuck und Accessoires nur zwei bis drei Kunden pro Tag - und Umsatzeinbußen von mehr als 30 Prozent.

Quelle: Ingo Rodriguez

Gehrden. Bei einer stichprobenartigen Befragung hatten sich vor wenigen Tagen die angesprochenen Anlieger mehrheitlich entspannt geäußert – und nur vereinzelt Kritik am Ablauf sowie an der Informationspolitik seitens der Stadt und der Baufirmen hervorgebracht. Die nahezu einhellige Einschätzung: Weniger Kunden, eingeschränkte Zufahrtsmöglichkeiten und andere Auswirkungen seien bei einem großen Bauprojekt nicht zu verhindern.

Dieses offenbar nur einseitige Stimmungsbild hat jetzt mehrere Geschäftsleute und Anwohner veranlasst, mit ihrer völlig anderen Sichtweise an die Öffentlichkeit zu gehen. Oliver Cimander vom Modeschmuckladen Ausgesucht beklagt wegen deutlich verringerter Laufkundschaft nach eigenen Angaben sogar Umsatzeinbußen von mehr als 30 Prozent. „Seit Anfang März ist der Bereich vor meinem Laden eine Gefahrenstelle mit Staub und Lärm“, sagt er. Viele Besucher und Anwohner der Innenstadt seien bestrebt, den Standort mit Engstellen zu meiden oder schnell zu verlassen. „Da bleibt keine Zeit für einen ausgeprägten Blick auf Schaufenster“, hat Cimander festgestellt.

Seiner Einschätzung nach kosten auch die fehlenden Parkplätze viele Kunden. „Und bis vor Kurzem gab es kaum Querungsmöglichkeiten am Steinweg. Da mussten viele Kunden lange Umwege in Kauf nehmen, um die Geschäfte zu erreichen“, sagt Cimander. Dabei sei doch sehr viel Vorlaufzeit gewesen, um eine bessere Erreichbarkeit der Läden zu planen. Besonders stark betroffen seien vor allem die Geschäfte, die weniger von Stammkundschaft und Auftragsarbeiten, sondern von der Laufkundschaft profitierten.

Verklagen will Cimander die Stadt nicht. „Daran ist schon die Bäckerei an der Nordstraße nach ihren Einbußen wegen Bauarbeiten gescheitert“, sagt er. Gleichwohl wäre es ein Entgegenkommen, Geschäfte für ihre Verluste mit geringerer Gewerbesteuer zu entschädigen. Für die Gastronomin Christina Rybatzki vom Türmchen ist so eine Forderung kein Thema. „Obwohl wir auch Einbußen von etwa Zweidrittel der gewöhnlichen Umsätze verzeichnen“, sagt sie.

Anders als Cimander äußert sie aber keine Vorwürfe. „Die Bauarbeiten müssen ja gemacht werden, und es soll ja danach auch richtig schön und einladend vor unserem Laden werden.“ Unverständnis hat sie jedoch für die fehlende Kooperation der Geschäftsleute übrig. „Wir hätten viel mehr zusammen machen können – Baustellenpartys, Rabattaktionen wie: fünf Bier im Türmchen und dafür zehn Prozent Rabatt in einem andere Laden.“ Solche Aktionen seien bislang nicht zustande gekommen.

Auch der Goldschmied Bernd Piepenbrink spürt Auswirkungen der Baustelle. „Alle Geschäfte am Steinweg merken die ausbleibende Laufkundschaft“, sagt er. Trotzdem: Vorwürfe? Fehlanzeige: „Das lässt sich nicht verhindern, die Bauarbeiter sind fleißig, nett und geben ihr Bestes“, findet er. Genau das sieht der Anlieger Klaus Dralle völlig anders. Der Hausbesitzer und Vermieter sowie Allgemeinmediziner mit Praxis am Steinweg hat nach eigenen Angaben auch schon mehrfach Bauarbeiter mit unfreundlichen Äußerungen gegenüber Senioren erlebt. Zudem sei kürzlich mit einer beschädigten Baggerkette weitergearbeitet und so eine unnötige Lärmbelästigung in Kauf genommen worden.

Dralle kritisiert auch die Informationspolitik der Stadt: Im Juli sei seitens der Verwaltung eine dreiwöchige Sperrung der Kreuzung von Steintor und Neue Straße angekündigt worden. „Daraus sind fünfeinhalb Wochen geworden.“ Außerdem seien erst auf seine Initiative hin entlang der abgesperrten Baustellenstrecke weitere Querungsmöglichkeiten eingerichtet worden.

Über fehlende Laufkundschaft kann sich Regina Kusche in ihrem Laden für Schreibwaren und Bürobedarf nicht beklagen. Sie hat nur festgestellt, dass sich viele Kunden über die Baustelle beschweren. Genau das hat die Fotografin Agnieszka Schulz-Osterloh auch bemerkt: „Dreck und Lärm beeinflussen die Laune der Kunden.“ Aber: Genau ein Jahr nach ihrer Geschäftsübernahme sei ihre Auftragslage weiter unverändert. „Wer Fotos braucht, kommt trotz Baustelle“, sagt sie.

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