Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Personal protestiert gegen Krankenhausreform

Gehrden Personal protestiert gegen Krankenhausreform

Die Mitarbeiter des Klinikums Robert Koch Gehrden haben sich am Mittwoch mit einer Protestaktion gegen die Eckpunkte der geplanten Krankenhausreform ausgesprochen. Ihre Kritik: Der Gesetzentwurf gehe nicht weit genug, gefährde die Personalsituation und fördere einen Investitionsstau.

Voriger Artikel
Kein Tempo 30 auf der Kreisstraße
Nächster Artikel
Oberschule wirbt mit Kunstwerken für Respekt

Deutliche Botschaft gegen die Reform: Mitarbeiter des Gehrdener Klinikums lassen vor dem Haupteingang Luftballons mit Protestpostkarten aufsteigen.

Quelle: Ingo Rodriguez

Gehrden. So nicht: Mit dieser unmissverständlichen Botschaft schickten am Mittwoch etliche der insgesamt rund 400 Krankenhausmitarbeiter etwa 50 grüne Heliumballons auf die Reise. Die Pflegekräfte, Verwaltungsmitarbeiter und Ärzte beteiligten sich mit ihrem Auftritt vor dem Haupteingang am bundesweiten Aktionstag, zu dem die Deutsche Krankenhausgesellschaft aufgerufen hatte.

"Wir wollen Einfluss nehmen auf das laufende Gesetzgebungsverfahren", sagte der kaufmännische Direktor Stephan Schröer. Mit der Kritik an den Reformeckpunkten  steht das Gehrdener Klinikpersonal nicht alleine da: In Berlin kamen anlässlich des bundesweiten Protests mehr 10.000  Krankenhausmitarbeiter zusammen. Sie alle wollen verhindern , dass die vom Bundeskabinett bereits verabschiedete Reform von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) im Oktober unverändert den Bundestag und anschließend den Bundesrat passiert.

Ärzteverbände und Krankenhausbetreiber bemängelten vor allem, dass der Gesetzentwurf das Problem der Unterfinanzierung der Kliniken nicht lösen können werde. Es drohe eine Zuspitzung der wirtschaftlichen Krise der Krankenhäuser mit Auswirkungen für Beschäftigte und Patienten. Das sieht auch Schröer so: Es müsse genügend Geld für qualifizierte medizinische Pflege und Versorgung zur Verfügung gestellt werden, sagte der kaufmännische Direktor. Frank Schäfer aus dem Klinikbetriebsrat bekräftigte dies. "Das Personal wird jetzt nicht nach Erfordernissen berechnet", kritisierte er. In Gehrden seien rund 30 Prozent mehr Entbindungen als im Vorjahr verzeichnet worden. "Trotzdem wurde das Personal nicht aufgestockt", sagte Schäfer.

Die Betriebsratsvorsitzende Dorle Stahlmann ging einen Schritt weiter. "Nur wegen unserer hervorragenden Mitarbeiter konnten wir die jüngste Personaldurststrecke lösen, bevor die Mitarbeiter der aufgelösten Klinik in Springe dazu kamen", sagte sie.

Der kaufmännische Direktor kritisierte auch die geplante Investitionskostenfinanzierung: Derzeit würden von Bund und Ländern drei Milliarden Euro für Investitionen bereit gestellt. "Notwendig wären sechs Milliarden", sagte Schröer. Das Klinikum habe zwar jüngst einen Teilneubau eröffnet. "Aber auch in dem 50 Jahre alten Erstbau besteht erheblicher Sanierungsbedarf", sagte Schröer.

Dabei soll die Reform die Qualität in Krankenhäusern eigentlich verbessern. Geplant sind unter anderem Zuschläge und Abschläge je nach Qualitätsstandard bis hin zu Schließungen.

Von Ingo Rodriguez

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
Gehrden
Geldautomat in Gehrden gesprengt

In einer Filiale der Commerzbank in Gehrden wurde ein Geldautomat gesprengt.