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Wenig Zeit für Widerstand gegen neue Windräder

Leveste Wenig Zeit für Widerstand gegen neue Windräder

Die Empörung wird lauter, aber die Zeit knapp: Die Bürgerinitiative Gegenwind Leveste erhält immer mehr Zuspruch für ihren Widerstand gegen neue Windräder am Ortsrand. In der Bürgerversammlung haben etliche Besucher angekündigt, den Protest zu unterstützen. Die Frist für Einwände endet aber schon im Mai.

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Rund 100 Besucher werden von Ernst-Richard Köper (Bildergalerie) über die Pläne informiert, am Ortsrand von Leveste als Ersatz für die bisherigen Windräder leistungsstärkere Modelle zu errichten. Ihren Protest bringen viele Gäste auch auf einer Unterschriftenliste zum Ausdruck.

Quelle: Ingo Rodriguez

Leveste. Mit einer derart großen Resonanz hatte die Bürgerinitiative (BI) nicht gerechnet: Schon eine halbe Stunde vor dem Versammlungsbeginn war auf dem Vereinsgelände des TV Jahn Leveste kein Parkplatz mehr frei, im Sportheim gab es nur noch Stehplätze.

Mehr als 100 Besucher waren gekommen, um sich über die Pläne der Region Hannover zu informieren. BI-Sprecher Ernst-Richard Köper zeichnete das mögliche Szenario zum Einstieg noch einmal nach: Vier neue Windkraftanlagen, mindestens zweimal so hoch wie die bisherigen, Rotoren mit einem Durchmesser von 140 Metern, ausgestattet mit hellen Flugsicherungslampen - und das alles nur 800 Meter von der Wohnbebauung entfernt und schon in etwa acht bis zehn Jahren als Ersatz für die bisherigen acht Windräder. Genau das wollen die meisten Levester, aber auch viele andere Menschen und Politiker aus dem Calenberger Land nicht einfach klaglos hinnehmen. "Wir haben in nur zwei Wochen schon mehr als 400 Protestunterschriften gesammelt", zog Köper eine Zwischenbilanz.

Das Ziel der Veranstaltung fasste im Verlauf der Debatte der CDU-Ratsherr Karl-Heinz Behre treffend zusammen: "Die Landschaft wird kaputt gemacht, wir sollten aufmüpfig werden", sagte er. Die weiteren Gründe für die Ablehnung wurden von der BI noch einmal ausführlich vorgetragen: Zu geringe Abstände zum Siedlungsbereich, schlechtere Lebensqualität, mögliche Gesundheitsgefährdung wegen unterschwelligen Rotorenlärms, Wertverlust der Grundstücke, Gefährdung geschützter Vogelarten wie dem Roten Milan.

Kurios: Die Region hatte auch erst Ende vergangenen Jahres aus Artenschutzgründen die bislang ausgewiesene Vorrangfläche bei Leveste gestrichen. Demnach hätten die Windenergieanlagen nicht erneuert oder ersetzt werden können. Im Frühjahr die Kehrtwende: Im aktuellen Entwurf des Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP) ist wieder eine verkleinerte Fläche als Vorranggebiet für Windenergie ausgewiesen worden. "Auf einmal haben alle Argumente keine Bedeutung mehr, weil es für die wirtschaftlichen Nutznießer um viel Geld geht", sagt Köper. Der Hintergrund: Betreiber Windwärts hatte nach dem ersten Regionsvotum ein neues Umweltgutachten gefordert, um seine Anlagen in etwa zehn Jahren doch noch durch leistungsstärkere Modelle zu ersetzen - das sogenannte Repowering. Auch Fachdienstleiter Holger Spohr von der Stadtverwaltung bestätigte: "Die Region will im Planverfahren keinen einklagbaren Anspruch wegen Verhinderungsplanung riskieren."

Trotzdem gerät die Region zunehmend unter Druck. Dafür sorgten auch die Aufrufe mehrerer Politiker, sich mit Eingaben und Protestunterschriften an die Region zu wenden. "Drängen sie auch die Kommune mit vielen Eingaben in der öffentlichen Auslegung zu einer Stellungnahme", riet der FDP-Regionsabgeordnete Bernhard Klockow. Auch FDP-Ratsherr Kai Magnus Paulsen kündigte Widerstand an. "Wir werden dem nicht zustimmen, wehren Sie sich", sagte er. Und Spohr forderte: Geben Sie Ihr Empfinden in den nächsten Ausschüssen der Stadt weiter."

Viel Zeit bleibt jedoch nicht: Am 28. April endet die Auslegungsfrist, bis zum 11. Mai will die Stadt Gehrden Stellungnahmen entgegen nehmen. Über den RROP-Entwurf soll bereits im Juni in der Regionsversammlung endgültig entschieden werden. Die BI will deshalb bereits am Sonnabend auf dem Bauernmarkt in Gehrden weitere Unterschriften sammeln.

Weitgehend belächelt wurden in der Versammlung die Beschwichtigungsversuche eines Vertreters der Windparkbetreiberfirma: Demnach würden auch künftig die Windräder alle Schallgrenzwerte und Genehmigungsauflagen einhalten, zudem sei bis zum Repowering in zehn Jahren eine bedarfsgerechte Beleuchtung möglich. "Es ist doch nur ein ästhetischer Aspekt", sagte er. Dirk Perschel von der BI bezeichnete aber genau das als eine Horrorvorstellung. Leveste habe mit dem bestehenden Windpark schon genug für die Energiewende getan.

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Fotostrecke Gehrden: Wenig Zeit für Widerstand gegen neue Windräder

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