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"Stunden, die ich nie vergessen werde"

Northen "Stunden, die ich nie vergessen werde"

Rita Wegener hat vor 72 Jahren die letzten Kriegstage in Northen als Kind erlebt. Dort kam es am 9. und 10. April 1945 zu heftigen Gefechten zwischen Wehrmachtssoldaten und amerikanischen Einheiten. Die Erlebnisse und Ereignisse hat Rita Wegenr in einem Aufsatz zusammengefasst - für die Nachwelt.

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Rita Wegener zeigt ein Foto des Hauses, in dessen Keller sie sich mit ihrer Familie in Sicherheit wähnte. Doch es wurde getroffen und brannte bis auf die Grundmauern nieder. In letztem Moment konnten sie sich mit ihren Brüdern, Mutter und Großmutter sowie weiteren Dorfbewohnern retten.

Quelle: Wirausky

Northen. Sechs Jahre war Rita Wegener alt – und die heute 78-Jährige erinnert sich noch genau. Es sei viel Trubel gewesen an jenem 9. April 1945. „Aber wir Kinder haben das nicht so tragisch gesehen“, sagt sie. Bis jemand gerufen hätte: „Es wird ernst.“

Rita Wegener hat die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs in Northen aufgeschrieben. „Es lag mir am Herzen und war mir wichtig“ sagt sie. Auch damit sich die heutigen Kinder und Jugendlichen einen Eindruck von diesen dramatischen Stunden machen könnten. „Ich werde sie nie vergessen“, sagt die Rentnerin. Die Ereignisse hätten sie nie losgelassen. Wegener saß mit ihrer Familie beim Mittagessen, als es hieß: Der Feind rückt an. In Everloh standen Panzer der amerikanischen Armee. „Wir haben alles stehen und liegen lassen, und sind bei unserem Großonkel in den Keller“, erzählt sie.

Dort habe man den Beschuss der Geschütze und Gewehre gehört. Zwischenzeitlich glaubte Rita Wegener einen Feuerschein gesehen zu haben. „Ein kurzes Aufflackern“, erinnert sie sich. Und tatsächlich, das Haus war getroffen worden. „Wir wären nicht mehr aus dem Keller herausgekommen, wenn uns nicht ein polnischer Kriegsgefangene gewarnt hätte“, berichtet die 78-Jährige. Sie sei einfach weggerannt und als sie auf die Diele kam, sah sie, wie an der ganzen Decke die Flammen züngelten. Die Gruppe flüchteten in einen anderen Keller, doch auch dort mussten die Kinder und Erwachsene bald wieder weg. Ein deutscher Offizier forderte: „Macht, dass ihr mit den Kinder hier herauskommt.“ 

Es sei eine beklemmende Atmosphäre gewesen, schreibt Rita Wegener. Überall lagen tote Hühner. „Für uns Kinder ein furchtbarer Anblick.“ Auf der Flucht in Richtung Kirchwehren wurde die Gruppe von zwei amerikanischen Soldaten gestoppt. Dem Verhandlungsgeschick zweier Kriegsgefangener war zu verdanken, dass sie durchgelassen wurden. Die Nacht musste Rita Wegener mit ihrer Familie im Nachbardorf verbringen. Weniger Tage später konnte sie nach Northen zurückkehren. Ihr Haus war nur leicht beschädigt. „Ich war froh und glücklich, dass wir alle heil davon gekommen sind“, so die Gehrdenerin.

Bei dem Gefecht um Northen verloren neun junge deutsche Soldaten und ein amerikanischer Offizier ihr Leben. Vier Häuser brannten komplett, zahlreiche Gebäude im Dorf wurden beschädigt. Der NSDAP-Ortsgruppenleiter habe Northen mit aller Macht verteidigen wollen, erinnert sich Rita Wegener. Ein unsinniges Unterfangen, das unnötige Menschenleben gefordert habe.

Ihr Vater fiel 1942 bei Woronesch. „Ich habe keine Erinnerung an ihn“, sagt die 78-Jährige.

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Von Redakteur Dirk Wirausky

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