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Gefühle der Flucht auf Papier gebracht

Gehrden Gefühle der Flucht auf Papier gebracht

Als sie mit ihrer Familie vor dem Krieg in Syrien floh, beobachtete Bissan Neyazi ihre Eltern genau. Ihre Erlebnisse und das Gefühl eines Neuanfangs hat die Elfjährige für den HAZ-Schreibwettbewerb in einer Reportage verarbeitet. Obwohl sie erst seit einem Jahr Deutsch lernt, findet sie bewegende Worte.

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Mutter Wafa Neyazi (links) und Bissan (11) freuen sich über den Erfolg beim HAZ-Schreibwettbewerb.

Quelle: Oehlschläger

Gehrden. Es sind die Augen ihres Vaters, die ihr als erstes einfallen. "Er hat geweint", erinnert sich die elfjährige Bissan. Ihr Vater, der starke Mann, konnte seine Verzweiflung nicht mehr verbergen. Die vierköpfige Familie würde ihr Leben in Syrien hinter sich lassen und die Flucht ins Unbekannte antreten, um dem Krieg zu entkommen.

Über die Türkei gelangten sie schließlich nach Deutschland. Dort wurde das junge Mädchen aus Syrien herzlich empfangen. "Schon am ersten Tag in der Schule habe ich viele Freunde gefunden", sagt sie. Und sie lernt ständig dazu - nicht nur in der fremden Sprache. "Ich sehe jeden Tag etwas Neues", sagt Bissan, "eine Pflanze oder ein Tier." Das neue Land ist ein kleiner Abenteuerspielplatz geworden. 

Den Ansporn beim Schreibwettbewerb der HAZ mitzumachen, kam von ihrer Hausaufgabenhelferin. "Sie hat gesagt, wenn ich da gewinne, wäre das toll", sagt die Grundschülerin. "Und wenn nicht, dann habe ich immerhin gelernt, eine Reportage zu schreiben." Das Schreiben habe ihr dabei geholfen, die deutsche Sprache etwas besser zu verstehen, sagt die Elfjährige.

Wie man eine Reportage schreibt, das hat sie sich so beigebracht, wie junge Menschen das inzwischen nun mal so tun: "Ich habe mir ein paar Videos im Internet angeguckt", sagt Bissan. "Was ich gelernt habe, habe ich mir dann in mein Heft geschrieben." So habe sie erfahren, dass in einer gelungenen Reportage Szenen anschaulich beschrieben werden müssen - ein Handwerk, das sie herausgefordert habe. Und dass es ihr gelungen ist, machten auch die Juroren der HAZ klar: Bissan erreichte den zweiten Platz der dritten und vierten Klassen.

Nachdem ihre Mutter Bissans Text gelesen habe, sei sie sehr stolz gewesen. "Ich habe gefühlt, dass sie bei uns war in jedem einzelnen Moment", sagt Wafa Neyazi. "Sie hat in unseren Gesichtern gesehen, dass wir besorgt waren und versuchten, unseren Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen."

Nun möchte Bissan weiter Geschichten schreiben. Das habe sie schon früher auf Arabisch gemacht, erzählt die Drittklässlerin. "Aber die musste ich in Syrien lassen." Zu plötzlich kam der rasche Aufbruch, bei dem sie nur das Nötigste einpacken konnte. Aber nun hat sie neue Geschichten gefunden, die ihr gefallen. "Ich mag Aschenputtel sehr gerne und die Geschichte vom Rattenfänger von Hameln", sagt sie.

Von Nils Oehlschläger

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