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St. Agatha: Auch Fresken sind gefährdet

Leveste St. Agatha: Auch Fresken sind gefährdet

Rettungsaktion für ein denkmalgeschütztes Bauwerk mit kunsthistorischem Seltenheitswert: In wenigen Tagen beginnt in Leveste die seit Monaten geplante Sanierung der 786 Jahre alten St.-Agatha-Kirche. Die Arbeiten sollen rund anderthalb Jahre dauern und auch den Erhalt der mittelalterlichen Wandfresken sichern.

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Schleichender Prozess: Küsterin Petra Bürger zeigt Risse im Mauerwerk unter dem Gewölbe.

Quelle: Ingo Rodriguez

Gehrden. Die Bänke sind bereits in den Stall des nahe gelegenen Gutshofes ausgelagert, die Orgel ist staubgeschützt verpackt, die Kronleuchter wurden schon abgenommen. „Am Sonnabend räumen wir die Sakristei leer, dann werden noch Wangen des Altars demontiert“, sagt Pastor Andreas Pöhlmann. Kein Zweifel: Der mit Spannung erwartete Sanierungsbeginn steht kurz bevor.

Die St.-Agatha-Kirche

Die Kirche in Leveste wurde laut Chronik im Jahr 1229 erstmalig urkundlich erwähnt. Das Gotteshaus ist das älteste Bauwerk in der Ortschaft. Die äußerlich schlichte Kirche ist der heiligen Agathe als Schutzpatronin geweiht. Im Inneren des Gebäudes verbergen sich unerwartete Kostbarkeiten. Das gesamte Kirchengewölbe ist mit gotischen Fresken verziert, die etwa 600 bis 700 Jahre alt sind. Dass die mittelalterlichen Verzierungen noch erhalten sind, ist einem Zufall zu verdanken. Wegen der zunehmenden Tendenz, die Bilderverehrung abzulehnen, wurden die Verzierungen vermutlich im 16. Jahrhundert mit Kalktünche übermalt. Erst 1924 wurden die Fresken wieder freigelegt. Dabei stellte sich heraus, dass die Tünche, die die Malereien verbergen sollte, zum Schutz des prächtigen Bilderteppichs beigetragen hatte.

„Die Statiker haben genau geplant und getüftelt“, begründet Pöhlmann die Verzögerung der Arbeiten. Ursprünglich sollte in dem Gotteshaus bereits seit etwa zwei Wochen gearbeitet werden. Seit Jahren schon werden tiefe Risse in Mauerwerk und Gewölbe beobachtet - und regelmäßig vermessen. „Die Analyse der Statiker ist eindeutig“, sagt Pöhlmann. „Dach und Gewölbe drücken zu schwer auf die Außenmauern, der Schub der Stützpfeiler ist nicht stark genug, deshalb geben die Wände nach“, weiß der Pastor.

Auch Küsterin Petra Bürger ist gut informiert: „In die Außenmauern soll ein Stahlring eingelassen werden, um den schleichenden Prozess aufzuhalten“, sagt sie und zeigt einen tiefen Riss hinter dem Altar. „Diese Wand an der Sakristei arbeitet besonders. Auf der anderen Seite bietet der stabile Turm ein ausreichendes Gegengewicht.“

Pastor Pöhlmann weiß, was die Risse auch bedeuten: „Die mittelalterlichen Wandfresken sind gefährdet.“ Beim Betreten der Knigge’schen Gutsprieche ist es auch gut zu sehen: Durch die Malereien aus dem 14. und 15. Jahrhundert ziehen sich stellenweise weit verzweigte Risse. Um die kunsthistorischen Schätze und das Gotteshaus zu erhalten, investiert die Landeskirche rund 400 000 Euro.

Für die Levester Gemeinde bedeutet das aber: Keine Gottesdienste mehr in der Kirche, keine Trauungen, Trauerfeiern, Taufen und Konfirmationen - bis Ende 2016. Doch es wurden bereits Ausweichlösungen gefunden. Auch weil vor wenigen Wochen die Erneuerung des Gemeindehauses abgeschlossen wurde: Dorthin werden während der Kirchensanierung Gottesdienste und Taufen verlegt. Für Trauerfeiern steht die Kapelle des Gehrdener Friedhofes zur Verfügung. Konfirmation soll in der Scheune eines Levester Landwirts gefeiert werden.

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