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Heftige Proteste gegen Hortauflösung

Gehrden Heftige Proteste gegen Hortauflösung

Elternproteste im Bildungsausschuss: Das Vorhaben der Verwaltung, die Hortplätze abzuschaffen und die Grundschüler nachmittags im Hausaufgabenprojekt zu betreuen, stößt auf heftigen Widerstand. Es fielen deutliche Worte in Richtung Verwaltung.

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Jule und Marisa spielen am Nachmittag im Hort Am Castrum. Die Stadt will die Hortplätze abschaffen und die Hausaufgabenhilfe ausweiten.

Quelle: Wirausky

Gehrden. Bevor es losgehen konnte, musste Platz geschaffen werden. Der Tagungsort im Rathaus war schlicht zu klein für den Ansturm der Eltern, die zur Sitzung des Ausschusses für Bildung gekommen waren. So wurden kurzerhand die Stühle aus dem Raum gebracht, damit die mehr als 50 Bürger zumindest stehend die Diskussion verfolgen konnten.

So flexibel und einfallsreich wie in diesem Fall würden sich die Mütter und Väter die Verwaltung und Politik auch bei der Kinderbetreuung wünschen. Nahezu von allen Seiten hagelte es zum Teil derbe Kritik. Schuld ist der Plan, die Hortplätze aufzulösen, um Platz für Krippen- und Kindergartenplätze zu schaffen. Ab Sommer in Leveste und am Nedderntor. Dauerhaft will die Stadt auch den Hort Am Castrum umwandeln. Die Grundschüler sollen stattdessen in der Hausaufgabenhilfe betreut werden.

Ein Ansinnen, für das es wenig Verständnis gibt. Das Hauptproblem: In der Hausaufgabenhilfe werden die Jungen und Mädchen nur bis 15.30 Uhr anstatt wie im Hort bis 16.30 Uhr betreut. Berufstätige Eltern bringt diese Verkürzung in erhebliche Schwierigkeiten. "Ich habe meine Arbeitszeit darauf ausgelegt, dass mein Kind bis 16.30 Uhr betreut ist", sagte ein Mutter. Mit diesem Problem ist sie nicht allein. Und der Bedarf an einer nachschulischen Betreuung in Gehrden ist groß. "Wir haben eine lange Warteliste", sagte Fachdienstleiterin Britta Häupl.

Es fehle eine Gesamtkonzept, schimpfte ein Bürger. So werde seit Jahren über die Einrichtung von Ganztagsschulen gesprochen. "Aber es ist nichts passiert."  Im Gegenteil: Seit Jahren hängen die Eltern in der Luft. "Der Impuls muss aus diesem Ausschuss kommen", forderte ein Besucher in Richtung Politiker.

Viele Eltern fühlen sich zudem überrumpelt. "Es hat überhaupt keine Informationen gegeben", monierte eine Bürgerin. Sogar eine Bürgerinitiative "Hortplätze für Gehrden" hat sich gebildet.

Andere erinnerten die Stadt daran, dass sie damit geworben habe, dass sie familienfreundlich aufgestellt sei. "Deswegen sind viele Neubürger hergezogen", sagte eine Frau. Für eine Elternvertreterin des Horts Am Castrum ist nach dem geplanten Modell die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht mehr gewährleistet. "Es fehlt ein ganzheitliches Konzept für Krippe, Kindergarten und Grundschule", kritisierte sie. Ihr Vorschlag: Die Schließung des Horts nicht bevor Ganztagsgrundschulen eingerichtet sind.

Die Beschwichtigungen seitens der Verwaltung beruhigten die aufgebrachten Eltern kaum. "Wir sind bemüht, für alle vernünftige Lösungen zu finden, damit Beruf und Familie vereinbart werden kann", versprach die Erste Stadträtin Christiane Kemnitz. So recht glauben wollte ihr niemand.

Die Politiker hielten sich auffallend zurück. So richtig wohl in ihrer Haut fühlten sie sich offenbar nicht. Klar positionierte sich lediglich die Gruppe Grüne/Linke. Sie forderte, die angekündigte Umwandlung der Hortplätze in Krippen- und Kindergartenplätze nicht umzusetzen. Vielmehr sollen zusätzliche Plätze geschaffen werden -  für Kindergartenkinder und für Grundschüler. Die jetzige Entwicklung sei zudem absehbar gewesen. "Eine Stadt, die permanent neue Baugebiete ausweist, kann sich ausrechnen, dass es mit den dort einziehenden jungen Familien, um die explizit geworben wurde, auch zu einer steigenden Kinderzahl kommt", sagte Heinz Strassmann. Und weiter: Es gehe auch um qualifizierte Betreuung von Kindern. Im Hort könnten sich die Eltern auf gesetzlich vorgeschriebene Standards für Räume und Ausstattung und pädagogisch qualifiziertes Fachpersonal verlassen.

Doch weil die Zeit drängt und der Stadt ab August Plätze für Krippen- und Kindergartenkinder fehlen, wurde mehrheitlich entschieden, die Hortplätze in Leveste und in der Kita Nedderntor umzuwandeln. "Wir müssen den Rechtsanspruch erfüllen, sonst drohen uns Schadensersatzforderungen", sagte Kemnitz. Die betroffenen Grundschüler werden dafür im Hausaufgabenprojekt untergebracht.

Ob alle Hortplätze eines Tages vollständig in die Hausaufgabenhilfe eingebunden werden, ist allerdings noch offen. Die Ausschussmitglieder wollen in ihren Fraktionen beraten. Und es wird ein Arbeitskreis gebildet - mit Vertretern aus der Verwaltung, der Politik, der Schulen, Kindergärten und der Elternschaft. "Wir müssen schnell etwas Konkretes umsetzen und zielstrebig eine Lösung finden", sagte  Kita-Vertreter Jens Kotlarski. Die Stadt habe bei der Kinderbetreuung mal Vorbildcharakter in der Region gehabt. Das sei inzwischen vorbei.

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