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Ein Kapitel Heimatgeschichte

Gehrden Ein Kapitel Heimatgeschichte

Auf fast 160 Seiten hat Wilhelm Pook sein Leben zu Papier gebracht: Drei Monate lang war der Senior damit beschäftigt, hat geschrieben, Fotoalben gesichtet und Geschichten zusammengefasst. Nun ist das Werk mit dem Titel „Eine Reise durch mein Leben“ vollendet.

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In seinem Garten blättert Wilhelm Pook seine Memoiren durch.

Quelle: Lisa Malecha

Gehrden. „Den Anstoß hat mein Sohn Matthias gegeben“, sagt der 87-Jährige, der schon immer gern Reiseberichte geschrieben hat. Eigentlich war das Buch nur für Familie und Freunde gedacht, doch da seine Erinnerungen auch zahlreiche Einblicke in die Geschichte seiner Heimatstadt Gehrden geben, hat Pook auch dem Heimatmuseum und der Stadtbibliothek Exemplare überlassen.

Im Mittelpunkt jedoch stehen seine persönlichen Erlebnisse - die Arbeit im väterlichen Bäckerei-betrieb, das Engagement bei der Feuerwehr während des Zweiten Weltkriegs und die erste Begegnung mit seiner Frau. „Manchmal habe ich mich schon gewundert, was so alles im Kopf abgespeichert wird“, sagt Pook. Denn selbst nach Fertigstellung des Buchs seien ihm immer neue Geschichten und Erlebnisse eingefallen - immerhin blickt er auf 87 Jahre Lebenserfahrung zurück. „Der Hausarzt hat mir kurz nach der Geburt ein nicht sehr langes Leben vorausgesagt. Eindeutig eine Fehldiagnose“, scherzt Pook, der 1928 im elterlichen Haus am Steinweg 28 das Licht der Welt erblickte.

„Meine persönlichen Erinnerungen fangen allerdings erst etwa fünf Jahre später an“, sagt er. Schon als kleiner Junge sei sein Tagesablauf sehr geordnet und durch die Bäckerei des Vaters geprägt gewesen. „Ich musste vor der Schule schon kleinere Auslieferungen übernehmen - auf dem Fahrrad“, erinnert er sich. Für größere Lieferungen gab es das Auto, der Stolz seines Vaters. „Soweit ich zurückdenken kann, hatten wir immer schon ein schickes Auto und ein Telefon - das war damals noch etwas ganz Besonderes“, sagt Pook. Er erinnere sich an die Blicke der Passanten, als er und sein Vater, der ein wahrer „Auto-Freak“ war, mit offenem Verdeck durch den Ort gefahren sind.

Doch dann kam der Krieg, und vieles im Leben des jungen Mannes änderte sich. „Unsere Schulstunden wurden zusammengestrichen. Vier Lehrer mussten sofort Soldaten werden, und die Kampfhandlungen wurden im Unterricht auf der großen Landkarte verfolgt“, erzählt er. Nach der Schule wurden Wilhelm und seine beiden Schwestern für die Gartenarbeit eingeteilt: Gemüse ernten, Hühner, Schweine und Kaninchen füttern sowie Kartoffeln hacken sei für ihn ein Graus gewesen. Nach der Konfirmation begann die Bäckerlehre. Der junge Mann engagierte sich auch bei der Feuerwehr. „Wir hatten so viele Einsätze nach den Bombenangriffen - Gott sei dank, dass ich diese überlebt habe.“ Ein Einsatz sei ihm besonders im Gedächtnis geblieben: Ein großer Angriff auf Hildesheim. „Es waren bis zu 700 Flugzeuge eingesetzt, eine Gegenwehr fand kaum statt“, sagt er. „Wir kamen uns so hilflos und ausgeliefert vor.“

In seinen Memoiren berichtet Pook auch vom Leben nach dem Krieg, seinem Engagement in der Bäckerinnung, den zahlreichen Reisen mit seiner Frau und dem seltsamen Gefühl, langsam alt zu werden.

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