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Europa kommt nur am Rande vor

Gehrden Europa kommt nur am Rande vor

Der grüne Bundestagsabgeordnete Sven-Christian Kindler war zu Besuch am Matthias-Claudius-Gymnasium in Gehrden. Europa sollte in einer Diskussionsrunde mit Zehntklässlern im Mittelpunkt stehen. Daraus wurde allerdings nichts.

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Der grüne Bundestagsabgeordnete Sven-Christian Kindler diskutiert mit Zehntklässlern des MCG in Gehrden.

Quelle: Wirausky

Gehrden. Das Ziel hatte Kindler vorab formuliert: Er wolle mit seinem Besuch am Matthias-Claudius-Gymnasium bei den Schülern für ein gemeinsames und solidarisches Europa werben sowie Lösungsansätze für die diversen Krisenerscheinungen diskutieren, sagte der grüne Bundestagsabgeordnete. Zumal Europa in großer Gefahr sei. Vor allem der steigende Rechtspopulismus und Nationalismus, sowie "eine unmenschliche Abschottung gegenüber Geflüchteten", bereiten dem 31-Jährigen große Sorgen. Gründe für die Krise legte Kindler den Schülern dar: Es sei vor allem das Verhalten der Regierung der 28 Mitgliedsstaaten. Es sei geprägt von eigenen Interessen. "Sie setzen sich nicht nachhaltig für eine europäische Lösung ein", kritisierte Kindler. Es fehle die notwendige Kompromissbereitschaft. "Es ist zurzeit schwierig, eine faire solidarische Lösung zu finden", sagte Kindler im Bezug auf die Flüchtlingspolitik.

Doch die Themen setzten die Schüler - und deren Interesse, über Europa zu diskutieren, war schnell beendet. Über das Freihandelsabkommen TTIP und den Umweltschutz stand schließlich die Bildungspolitik im Mittelpunkt. Und daraus entwickelte sich eine lange Debatte. Kindlers Einwand, dass es in Deutschland keine gerechten Bildungschancen und es in den Grundschulen eine Art strukturelle Diskriminierung gebe, wollten die Jungen und Mädchen keineswegs kommentarlos hinnehmen.

Aus Sicht von Kindler werde in Deutschland zu früh selektiert und außerdem fehle die Form des gemeinsames Lernens. Länder wie Finnland würden es exemplarisch vormachen. Dort gebe es im Bildungssektor keine so starke Ausgrenzung von Kinder aus sozial schwachen Familien und von Jungen und Mädchen mit Migrationshintergrund. Zahlreiche Zehntklässler sahen das jedoch anders. Für einige sei es auch ein Ausdruck des Willens und der persönlichen Einstellung, ob man ein Gymnasium besuche oder nicht. Es sei nicht allein die soziale Herkunft entscheidend. "In Deutschland hat jeder die Möglichkeit, ein Gymnasium zu besuchen", sagte ein Schüler.

Am Ende war Kindler überrascht, über die engagierte Beteiligung der Jugendlichen. "Das habe ich schon ganz anders erlebt", sagte der Grüne. Auch die kontroverse Debatte störte ihn nicht. "Demokratie lebt schließlich auch vom Streit", sagte der 31-Jährige. Allerdings: Mit Europa hatte der Besuch am Ende nur noch wenig zu tun.

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