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War Kaiser Tiberius in Wilkenburg?

Wilkenburg War Kaiser Tiberius in Wilkenburg?

Mehr als 1000 historische Gegenstände haben Archäologen bereits auf dem Feld zwischen Arnum und Wilkenburg gefunden, auf dem 2015 die Überreste eines ehemaligen römischen Marschlagers entdeckt worden sind. In diesem Herbst sollen die Ausgrabungen fortgesetzt werden.

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Legionär Pollux (Werner Pollak) erklärt den Zuhörern, wie die Römer früher gelebt haben.

Quelle: Stephanie Zerm

Wilkenburg. Unter den Funden, die im Frühjahr und Herbst vergangenen Jahres auf der landwirtschaftlich genutzten Fläche gemacht wurden, waren laut dem Bezirksarchäologen Friedrich-Wilhelm Wulf neben Sandalennägeln und Teilen von Pferdegeschirren auch rund 50 Münzen. "Diese lassen darauf schließen, dass das Marschlager bei Wilkenburg in der römischen Okkupationszeit - etwa zwischen 12 vor Christus und 16 nach Christus - errichtet worden ist", erklärte Wulf am Sonnabend einer rund 30-köpfigen Besuchergruppe, die sich auf Einladung der CDU auf dem historischen Acker traf.

Wahrscheinlich, erklärte Historikerin Karola Hagemann, sei sogar der spätere  Kaiser Tiberius, der Adoptivsohn des in der Bibel erwähnten Kaiser Augustus, selbst in Wilkenburg gewesen. Darauf lasse zumindest ein Bericht des Römers Velleius Paterculus schließen, der beschreibt, dass Tiberius in den Jahren 4 und 5 nach Christus zwei Feldzüge zu den Cheruskern und Langobarden unternahm und sich um die "widerspenstigen Germanen" höchstpersönlich kümmerte. "Das wäre natürlich eine Sensation, wenn der große Tiberius in Wilkenburg gewesen wäre", sagte Hagemann. Mehrere Münzfunde können laut Wulf durchaus zu der Überlieferung passen.

Mehr als 20 Experten seien sich darüber einig, dass das Marschlager bei Wilkenburg, das das erste in Niedersachsen überhaupt gefundene ist, von großer historischer Bedeutung sei, erklärte Robert Lehmann. Der Chemiker von der Leibniz-Universität untersucht derzeit die Funde. Daher sei es umso wichtiger zu verhindern, dass auf der Fläche Kies abgebaut würde.

In dem 30 Hektar großen Lager sei Platz für 20.000 Römer gewesen, die dort zwei bis drei Tage campiert haben, berichtete Wulf. "Das Lager sah so aus wie ein riesiger Campingplatz - nur viel geordneter." Der Bezirksarchäologe kündigte an, dass die Untersuchung der Fundstelle fortgesetzt werden soll. Im Herbst werde es Probegrabungen geben. Diese sollten vom Feld auch auf den angrenzenden Bachlauf Dicke Riede ausgeweitet werden.

Werner Pollak von der Römer AG Leine berichtete in der Uniform eines Legionärs, wie diese damals lebten. Die Körperpflege sei ein wichtiger Aspekt gewesen. "Das belegen die vielen gefundenen Kämme, die auch dazu dienten, die Läuse zu beseitigen." Und auch in Sachen Mode scheinen die Römer absolute Trendsetter gewesen zu sein. "Die Männer rasierten sich regelmäßig die Beine", wusste Pollux zu berichten - der auch in diesem Punkt durchaus stilecht auftrat - mit unbehaarten nackten Waden.

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Von Stephanie Zerm

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